Ein Blick in die Presse

Zum Irrsinn des Tages

Wer dieser Tage die Zeitung aufschlägt, der ist gut beraten vorab ein paar Blutdrucksenker zu sich zu nehmen. Anders ist das kaum auszuhalten. Diesmal: Totalüberwachung, Scheuer und der Flugbetrieb.

Handyüberwachung

"Bürgermeister will 15-Kilometer-Regel per Handy überwachen" das liest sich, wie der feuchte Traum eines Möchtegerndiktators. Tatsächlich blubberte der Mist aus dem Mund eines christlich-sozialen Hinterwäldlers mit Profilneurose. Uwe Brandl, Präsidenten des Bayerischen Gemeindetages und Bürgermeister einer niederbayerischen Stadt (den Namen der Stadt nenne ich hier nicht, um die Stadt nicht in Misskredit zu bringen), ist der Urheber.

Aber lasst uns diese Idee einmal weiter spinnen. Wie würde das aussehen? Welche Konsequenzen würde das mit sich ziehen?

Gilt für mich diese Regel und ich bin bereit, sie einzuhalten, dann werde ich sie einhalten. Da braucht mich niemand zu überwachen.
Bin ich nicht bereit, diese Regel einzuhalten - weil ich etwa partout nicht auf Skifahren verzichten will - dann schalte ich eben meine Handy aus. Oder nehme es einfach nicht mit. Oder besorge mir eine Prepaid-Karte. Haha, damit hat der feine Herr wohl nicht gerechtet.

Dann wäre die logische Konsequenz: Es gibt eine Pflicht, sein Handy jederzeit angeschaltet bei sich zu tragen. Anfallende Bussgelder werden dann bequem per Telefonrechnung eingezogen.

Wer sich an diese Pflicht nicht hält oder sich schlicht kein Handy leisten kann, der bekommt dann eine elektrische Fußfessel. Und mit so einer Fußfessel... da lässt sich der Untertan denn auch gut konditionieren. Stromschläge zum Beispiel. Bei übertreten des 15 km-Radius zwickt's am Bein. Ab 20 km wird's schmerzhaft und bei 50 km explodiert das Ding. Der Phantasie sind da ja kaum Grenzen gesetzt.

Uwe Brandl ist der Meinung, es "müsse [...] in einer Demokratie erlaubt sein, über solche Vorschläge zu diskutieren". Nein, lieber Uwe Brandl, das muss nicht erlaubt sein. Genauso wenig, wie es erlaubt sein muss, darüber zu diskutieren, ob die Todesstrafe nicht doch recht geschmeidig sei oder die Folter ein probates Mittel bei Verbrechensaufklärung und Rechtsprechung.

Überraschung im Verkehrsministerium

Dass der Herr Scheuer nicht die hellste Kerze am Baum ist, stellt er beängstigend regelmäßig unter Beweis. Jetzt stellt sich heraus, dass er obendrein von unfähigen Beratern umgeben ist. Gut, von einem unfähigen Minister kann man auch nicht so ohne weiteres erwarten, dass er fähiges Personal ran holt, aber so: "Wir waren der festen Überzeugung, es kommt ein positives Urteil." Das hat etwas von Realitätsverweigerung, von Parallelwelt. Wenn man sich nur konsequent genug von der Umwelt abschottet und sich gegenseitig intensiv genug versichert, Pudding an die Wand zu nageln ist eigentlich ein Leichtes... dann wird das schon irgendwie klappen.

Ich wage einmal einen Vergleich: Würde jemand wie der Scheuer in einem mittelständischen Unternehmen arbeiten, dann würde sich das Unternehmen sehr schnell von ihm trennen. Entweder weil der Mitarbeiter wegen fortgesetzter Unfähigkeit und Geschäftsschädigung nicht tragbar ist und damit gekündigt wird, oder weil sich das Unternehmen schlicht vom Markt verabschieden und unter anderem Namen aber ohne Scheuer wo anders wieder auftauchen würde.

Flügel stutzen

Condor gegen Lufthansa: Das hat etwas von Denver-Clan (die Älteren werden sich noch erinnern), von Familienfehde, von Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.
Mal ist Lufthansa nur Gesellschafter bei Condor. Dann ist Condor 100%ige Tochter von Lufthansa. Dann gehört Condor gar nicht zu Lufthansa, sondern zu Thomas Cook. Und Thomas Cook ist pleite.

Jetzt geht das verschmähte Kind, der Rotzlümmel also auf die ehemalige Mutter los.
Und tatsächlich hängen beide gerade am Tropf von Vater Staat. Ginge es nicht um Steuergelder, man möchte es sich mit Popcorn und Cola gemütlich machen.