Das Nominierungsspiel

Pullermann, Pullerfrau und H.P. Zinker

Tanja möchte was zu Pullermann, Pullerfrau und H.P. Zinker haben. Drei Bands diesmal? Ihr seid ja unersättlich. Aber bitte, ich gebe mein Bestes. Will mir nichts nachsagen lassen.

Pullermann und Pullerfrau

Doch halt, Pullermann und Pullerfrau sind in echt ja gar keine zwei Bands. Mehr so zwei Seiten der selben Medaille. Oder besser, zwei Seiten einer LP.

LP: Das waren die großen schwarzen Scheiben mit Rillen drin. In diesen Rillen wurde mit Nadeln aus Saphir oder Diamant nach Tönen gesucht. - Das war weit vor CD, mp3 oder Spotify. Ein Kulturgut des letzten Jahrhunderts. - Und diese LPs hatten zwei Seiten. Oft als A und B Seite tituliert.

Wenn ich mich recht erinnere, hat auf der Pullerfrau-Seite vorwiegend eine Frau gesungen. Auf der Pullermann-Seite... brauch ich jetzt nicht weiter auszuführen.

Voller Freude und Erstaunen musste ich beim Nachhören der Platte feststellen, dass ich mich an jeden einzelnen Song erinnern kann. Die Platte muss damals oft gelaufen sein... Jetzt läuft sie, während ich die Küche putze. DIE KÜCHE PUTZE... bevor wir früher geputzt hätten, wäre uns die Hand abgefallen, wären lieber umgezogen. In eine andere WG, auf's Land oder nach Berlin. Naja, vielleicht nicht nach Berlin. Berlin war damals etwas dünn gesät mit sauberen Küchen. Aber Putzen? Das war des Teufels. Sowas von spießig.

Ach ja, meine Erinnerung hat mich etwas getäuscht. Sängerin und Sänger singen nicht getrennt nach A uns B Seite. Das geht bunt durch den Garten. Und wenn man es ganz genau nimmt, hieß die Band durchgehend Pullermann und die Platte hatte den Titel Pullerfrau. Aber das sind Nebensächlichkeiten.

Musikalisch sind Bad Brains und Jingo de Lunch als Vorbilder unschwer herauszuhören. Wobei sich "Vorbilder" ja nun immer etwas despektierlich anhört. Ein bisschen nach "hamwa geklaut". Ich sage besser, der Einfluss lässt sich nicht verleugnen. Und das Ergebnis hat wirklich nichts mit "hamwa geklaut" zu tun.

Ob ich die mal live gesehen habe? Ja sicher, in der Kulturstation. Kann ich mich noch daran erinnern. Ich war vorab sehr gespannt, weil die Band in höchsten Tönen gelobt wurde. Sie haben mich nicht enttäuscht. Enttäuscht hingegen war ich, dass die kein zweites Mal nach München gekommen sind. Oder täusche ich mich?

H.P. Zinker

Der Platzgumer Hans wurde dereinst - so Ende der 80er, Anfang der 90er - ja mit Lorbeeren geradezu ertränkt. Warum? Weil er aus Österreich kam und seine Band mit einem zweiten Österreicher zusammen in New York gegründet hat vielleicht? Oder weil er mit seiner hoch hängenden Gitarre so eine drollige Figur auf der Bühne abgab? Für mich war das vorwiegend verkopftes Gefrickel, was H.P. Zinker ablieferte. Mit Mitwipp-Qualitäten, keine Frage, aber eben zu verkopft, um meinem Drang nach Bewegung vor der Bühne entgegen zu kommen.

Viel interessanter war für mich, was der Platzgumer später, in seiner Münchner Zeit fabrizierte. Da war zwar immer noch viel Gefrickel, aber interessantes Gefrickel. Elektronisches Gefrickel zwar, aber interessant. Mit Rhythmus und ganz klaren Mitwipp-Qualitäten, die mir nach Beendigung meiner Pogo-Tanz-Karriere recht entgegen kamen. Leider habe ich den Hans nie persönlich kennengelernt.

Das Album "Denial of Service" lief im CD-Player in der U-Bahn, auf dem Rad und daheim natürlich auch. Und ich hatte mit den Tücken des CD-Players zu kämpfen. Also mit der Tücke, dass die Songs gnadenlos nacheinander abgespielt wurden. Es ließ sich kein Zufallsmodus einstellen und kein Song raus schneiden. Und zwischendrin befand sich auf der CD ein Song mit unheimlich nervigem Gefiepe. Das tat in den Ohren weh. Gerade auf dem Rad eine Pein, wenn man nicht dran dachte und rechtzeitig anhalten konnte, um das Lied zu überspringen.