Abt.: Datenschutz für Anfänger
Phishing for Compliments
"Abgeordnete fallen auf digitalen Enkeltrick herein"... wenn Abgeordnete nicht zwischen Enkel und Enkeltrick zu unterscheiden wissen, lässt das tief blicken.
In jedem zweitklassigen - und da spreche ich aus Erfahrung - Verlagshaus muss man Jahr für Jahr die würdelose Prozedur einer Datenschutzschulung für Grundschüler über sich ergehen lassen. Jedes Jahr auf's Neue wird man belehrt, dass man auf Nachrichten mit unbekanntem Absender nicht reagieren darf. Dass man nicht leichtfertig auf Links klicken darf. Und dass man nie, also NIE seine Zugangsdaten - egal für was - auf Aufforderung irgendwo angeben darf. Selbst dann nicht, wenn der freundliche Kollege aus der IT danach fragt.
Wenn nun die neue, unerfahrene Praktikantin trotzdem in die Phishingfalle tritt, dann rollt man mit den Augen und denkt bei sich, nun ja, neu und unerfahren. Kaputt geht dabei in der Regel nichts. Oder nicht viel. Eine neue, unerfahrene Praktikantin hat nämlich kaum Zugang zu unternehmenskritischen Geschäftsgeheimnissen.
Wenn nun allerdings die Bundestagspräsidentin in genau so eine Phishingfalle tappt, stellen sich Fragen nach der Qualität unseres politischen Personals.
Muss die an keiner Datenschutzschulung teilnehmen? Oder lässt sie das von ihrer neuen, unerfahrenen Praktikantin erledigen? Welche Qualifikation - außer dem richtigen Parteibuch - muss eine Bundestagspräsidentin mitbringen, um Bundestagspräsidentin zu werden? Fühlt man sich von solchen Volksvertretern noch gut vertreten?
Einem Grundschüler - oder eben der neuen unerfahrenen Praktikantin - würde man das Handy wegnehmen, den Zugang sperren. Man würde ihn vor versammelter Klasse 100 mal, was sage ich, 1000 mal "Ich darf meine Zugangsdaten nicht heraus geben. NIE!" an die Tafel schreiben lassen.
Frau Klöckner, bitte an die Tafel.