Abt.: Flüssiges Gold

Ein Brautag im Mai

Von La Boheme zu Born to Raise Hell.

Ein wilder Ritt durch den Alltag von Hobbybrauern.

La Boheme

Wir hatten uns an einem La Boheme, einem französisch Blonde versucht. Ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben, was das eigentlich sein soll. Zumindest ich bin bislang noch nicht in den Genuss gekommen.

Und ganz ehrlich, ich kann mir auch jetzt noch nicht wirklich was darunter vorstellen. Was wir hervor gebracht haben ist sehr vielschichtig. Oder ein Bier mit vielen Gesichtern.

Da gibt es zum Beispiel die zwei Gesichter aus der zwei Liter Flasche. Das erste Gesicht - also das erste Glas aus der Flasche - präsentiert sich erstaunlich klar. Aber auch mit einem Schaum, der erstaunlich schnell zusammen fällt.

Den Duft, der mir in die Nase steigt, kann ich nicht recht einordnen. Auf jeden Fall anders als bei allen anderen Bieren, die ich bisher gebraut habe.

Es präsentiert sich sehr leicht, ohne Ecken und Kanten. Hopfen kaum wahrnehmbar. Ich würde sagen, ein gefälliges Sommerbier.

Das zweite Gesicht - also das letzte Glas aus der Flasche - hat von allem mehr. Mehr Trub. Mehr Schaum. Mehr Duft. Der Geschmack ist weitaus vollmundiger.

Ein Bier das sich nicht nebenbei trinken lässt. Ein Bier, das Aufmerksamkeit einfordert.

Schimmel

Kommen wir zu etwas unangenehmen. Reden wir über Schimmel. Schimmel ist ein Ärgernis. Fast überall. Auf dem Brot. Und auch auf dem Joghurt. Hinter der Tapete. Und ganz besonders auch auf dem Bierfass.

Und wenn man zwei Fässer aus dem Keller holt und auf denen grüne Kulturen leuchten, dann versetzt das einen schon mal in Alarmstimmung. Hey, da kann man im Keller ja nichts mehr lagern. Keine Fässer und auch kein fertiges Bier.

Aber woher kommt der Schimmel. Schimmel braucht ein Milieu. Der braucht eine Basis, auf der er gedeihen kann. Auf einem Fass - mit Essigessenz, Soda und Alkohol gereinigt - sollte sich so ein Nährboden nicht finden. Und doch war er da. So grübelten drei Brauerköpfe hin und grübelten her. Und dann der Geistesblitz. Beim letzten Umdrücken, also dem Abfüllen aus dem Gärtank in die Fässer, war ein Ventil undicht. Und beim Versuch, das Fass mit Kohlensäure unter Druck zu setzen... standen die Brauer mitsamt der Fässer unter einer Bierdusche. Und so eine Bierdusche hinterlässt genug Nährboden für allerlei Schimmelsporen.

Wieder was gelernt: Sauber arbeiten...

Ausschlag

Die Ausschlagsmenge ist von vielen Faktoren abhängig. Von der Menge des Hauptgusses, des Nachgusses. Der Kochdauer und wie viel im Treber verbleibt.

Diesmal... ich denke, es war viel Hauptguss und viel Nachguss. Vielleicht wird das Bier damit etwas dünn. Wir werden sehen.

Jedenfalls war der Kessel noch nie so voll wie dieses Mal.

Läutern

Wenn man zum allerersten Mal vor dem großen Kessel steht und einem gesagt wird, man solle jetzt läutern. Und dazu solle man die Würze so lange immer wieder in den Messbecher und zurück in den Maischebottich laufen lassen, bis die Würze klar läuft, dann füllt such die Denkblase mit Fragezeichen. Wie soll denn das gehen?

Eigentlich ganz einfach. Das Malz filtert sich selbst und backt sich zum Treberkuchen zusammen. Und das geht so:

Die groben Spelze werden von einem wie auch immer gearteten Filter zurück gehalten. Wir haben dazu einen Läuterring am Boden des Maischekessels. Es gibt dazu grobe Siebe, die Läuterhexe oder auch von einem Panzerschlauch habe ich gelesen. Läuterblech, Läuterboden... das Prinzip ist immer das gleiche. Die groben Bestandteile des Malzes verdichten sich immer mehr - eben zum Treberkuchen - und filtern sich dadurch selbst aus der Würze. Und wie durch ein Wunder läuft die Würze mit einem Mal klar aus dem Maischebottich.

Kühlen

Unsere geliebte Polsinelli wurde mit einem Plattenkühler ausgeliefert. Liest man sich in das Thema ein, dann sieht man schnell, die Welt ist in zwei Lager geteilt. Das eine Lager, das auf den Plattenkühler schwört und das andere Lager, das lieber die Finger davon lässt.

Wir haben denn auch eifrig mit dem Plattenkühler gearbeitet. Nach dem Kühlen gespült. Mit Wasser, mit Soda, mit allerlei Chemie. Es ist eigentlich immer gut gegangen. Ein ungutes Gefühl ist geblieben. Zumal wenn bei der Reinigung vor dem Einsatz jede Menge Schlabber aus dem Kühler läuft.

Weil wir ängstliche Brauer sind und keinen Bock drauf haben, über kurz oder lang eine Infektion mit ein zu kühlen, haben wir uns mittlerweile vom Plattenkühler verabschiedet. Der steht nur noch als Dekoration und Anschauungsmaterial für Brauereiführungen herum.

Wir kühlen nun mit Kühlspirale. Bald haben wir gemerkt, dass es nicht damit getan ist, die Spirale in die Würze zu hängen und das Wasser aufzudrehen. Schnell läuft das Wasser genau so kalt aus heraus, wie es hinein läuft. Da kann man ewig kühlen. Wenn man die Kühlspirale bewegt, läuft das Wasser direktemang warm. Zwei, drei Mal haben wir denn beim Kühlen die Spirale mit der Hand geschwenkt. Das ist anstrengend, das ist nervig. Doch wir wären nicht wir, wenn uns dazu nicht eine pfiffige Lösung einfiele.

Ein handelsüblicher Quirl für Wandfarbe, ein Akkuschrauber und ein Kabelbinder. Der Akkuschrauber liegt auf dem Topfrand auf und hält durch sein Eigengewicht die Taste gedrückt und sich selbst somit in Aktion. Ein Kühlvorgang von 100 auf 12 benötigt etwa zwei Akkuladungen, das entspricht etwa einer Stunde. So schnell ging das mit dem Plattenkühler nie.

Born to Raise Hell

Jetzt habt ihr tapfer bis zum Schluss durchgehalten. Dafür sollt ihr mit unserem Rezept für den Mai belohnt werden...

Gut, so ganz und total völlig ist das Rezept nicht von uns. Wir haben uns hier inspirieren lassen: MauschMalzundMehr