[sueddeutsche.de]: Büros statt 800 Wohnungen für Schwabing

metropolis

Zu lesen ist, statt 800 neuer Wohnungen sollen Bürogebäude in München entstehen. Wobei "entstehen" nicht ganz richtig ist. Bürogebäude kommen ja nicht aus dem Nichts. Da haben schon die Menschen ihre Finger drin.

Bei einer Stadt mit knapp eineinhalb Millionen Einwohnern mögen sich 800 Wohnungen nach einem nicht weiter erwähnenswerten Klacks anhören. Die Geschichte darum herum ist jedoch symptomatisch. Für München, vielleicht für viele Großstädte.

War es im Mittelalter noch so, dass die Stadtoberen uneingeschränkte Herrscher innerhalb Stadtmauern waren, scheinen die Bürgervertreter heutzutage keinerlei Einfluss mehr auf die Entwicklung ihrer Ansiedlung zu haben. Wer eine Stadt betreten, dort seine Bleibe aufschlagen oder seinem Broterwerb nachgehen wollte, war auf Gedeih und Verderb der herrschenden Schichten unterworfen. Die Zünfte haben festgelegt, wer und wie viele welchem Gewerbe nachgehen durften. Wer keine Bürgerrechte besaß, konnte keinen Grund erwerben, keine Häuser bauen und war auf das Wohlwollen der Bewohner angewiesen. Eine Stadt konnte Bevölkerungswachstum und Wirtschaftsentwicklung nach Notwendigkeit oder Befindlichkeit steuern.

Jetzt nicht falsch verstehen. Das Zunft-, Gilde- und Ständesystem soll hier nicht als strahlendes Vorbild gefeiert werden. Froh und Glücklich sind wir alle, nicht mehr in solch einem Unterdrückungs- und Willkürsystem zu leben.
In unserer modernen Gesellschaft verhält es sich etwas anders. Da kann jeder von einer Stadt zur anderen ziehen. Da kann jeder Grund erwerben und Häuser bauen, selbst wenn er im Traum nicht daran denkt, die Häuser zu bewohnen. Die Stadtgesellschaft bleibt nur verwundert zuzuschauen, denn für eine Einflußnahme sind ihr die Hände gebunden. Ihre schärfsten Waffen im Kampf um Wohnraum vs. Gewerberaum sind die Bürokratie und die Verzögerung. Gegen beide weiß sich der gewiefte Geschäftsmann hinweg zu setzen. Ob auf gerichtlichen Wege oder durch die Schaffung vollendeter Tatsachen (Uhrmacher Häuschen).

Der Teufelskreis

Bei einem Teufelskreis ist es, ähnlich wie bei der sich immer schneller drehenden Mietpreisspirale. Schwer zu erkennen, wo Anfang und wo das Ende ist. Um den Fluss des Beitrags nicht ins Stocken geraten zu lassen, springe ich an einer beliebigen Station auf.

In so einer Stadt, da leben Menschen, die wollen wohnen und arbeiten. Daraus ergibt sich eine direkte Abhängigkeit: Um wohnen zu können, müssen die Menschen arbeiten. Und los geht die wilde Jagd. Um arbeiten zu können, braucht es Arbeit und Arbeit braucht Raum. Entsteht Raum für Arbeit, kommen Leute von da, wo es keine Arbeit gibt. Diese Leute brauchen dann wieder Raum zum Wohnen. Da Wohnraum - genau wie Gewerberaum - nicht einfach entsteht, gehen die Mieten hoch. Würden jetzt die Versprechungen der Marktradikalen ziehen, und der Markt würde das über das Angebot und Nachfrage Modell regeln, wäre das kein weiteres Problem. Werden mehr Wohnungen nachgefragt, würden mehr Wohnungen gebaut. Dem gegenüber stehen auf der einen Seite die begrenzte Fläche, die so eine Stadt ihr eigen nennt und auf der anderen Seite wirtschaftliche Interessen. Die wirtschaftlichen Interessen lassen sich natürlich besser bedienen, je mehr Geld sich mit Immobilien verdienen lässt. Und da gibt es ein Gefälle, das seinen Beitrag zur heutigen Situation beiträgt: Am meisten Geld lässt sich mit Gewerbeimmobilien - selbst wenn diese leer stehen - machen. Nicht ganz so attraktiv sind Eigentumswohnungen. Und wenn sich Einheimische diese Eigentumswohnungen nicht leisten können, dann kommen eben Leute von außerhalb.

Im Übrigen haben Spekulanten nicht das geringste Interesse, die Wohnungsnot zu verringern. Denn nur Verknappung garantiert maximale Rendite.

Schöne neue Welt

Elektroschrott unter die Haut

Elektroschrott

Als Fan schlechter Science Fiction Filme ist mir das Thema der Verbindung von Mensch und Maschine, respektive Mensch und Computer nicht fremd.

Einem Beobachter des rasanten, technischen Fortschritts bleibt nicht verborgen, dass dieser Science Fiction nicht mehr allzu viel Fiction anhaftet. Während die einen jede neue Entwicklung - und sei sie noch so schwachsinnig - frenetisch feiern, zucken andere angsterfüllt zurück.

Aufhalten läßt sich der Fortschritt nicht... weder mit Feiern, noch mit Zucken.

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