Die Bienen und die Artenvielfalt - Ein Podcast

12.02.2019

Jahrzehnte lang war die Biene nicht recht viel mehr, als eine ärgerliche Randerscheinung. Sozusagen der Erzfeind der Barfuß durch die Wiesen tollenden Kinder.

Liebhaber des Genusses von Zwetschgendatschi und Radlermaß kannten den Unterschied zwischen Wespe und Biene nicht, entsprechend mussten beide zur Rettung der süßen Biergartengaben ihr Leben lassen.

Der Landwirt verließ sich in seinem grenzenlosen Technikvertrauen auf Dünger und Pestizid, dass ihm dabei auch wichtige Helferlein abhanden kamen, scherte ihn recht wenig.

Etwas mehr Dünger machte das ökologische Defizit schon wieder wett.

Heute setzt sich mehr und mehr das Wissen durch, dass ein jedes Insekt, mag es lästig sein, eklig oder auch schön anzuschauen, seinen Beitrag zum Funktionieren natürlicher und gesunder Abläufe in der Natur beiträgt, mithin also wichtig ist. Das mag im Zusammenleben mit Wespen noch nicht so gut funktionieren - von beiden Seiten her - die Bienen hingegen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Daher verwundert es nicht sonderlich, dass die Biene als Maskottchen für das Volksbegehren für "Artenvielfalt" herhalten muss.

Sehen wir uns das Volksbegehren etwas näher an. "Rettet die Bienen" ist da zu lesen, und dass es selbstredend nicht nur um die Bienen, sondern um die Artenvielfalt auf Feld und Wiese im Allgemeinen geht. Warum ein Volksbegehren? Was ist geschehen?

Die bereits erwähnten Pestizide unterscheiden nicht zwischen Erbsenwickler (böse) und Honigbiene (gut). Und Pestizide, ja, da kippt der Bauer gerne auf Feld und Flur, was ihm der Gesetzgeber erlaubt. Immer nach dem Motto "viel hilft viel". Die Europäische Union mit ihrer Agrarsubventionspolitik springt dem Bauern bei. Je größer die Felder, desto mehr Geld fließt. Je größer die Felder, desto mehr ist der Bauer auch - vermeintlich oder tatsächlich - auf großflächigen Einsatz von Chemie angewiesen. Und weil sich große Felder am rentabelsten bewirtschaften lassen, wenn sie richtig groß sind und sie von nichts in ihrer Größe behindert werden, verschwinden natürliche oder naturnahe Feldbegrenzungen. Büsche, Bäume, Hecken, Totholz etwa. Für Insekten und andere Kleintiere unverzichtbarer Rückzugs und Lebensraum. Es zeichnet sich nicht ab, dass sich an dieser Entwicklung etwas von alleine ändert. Vielmehr nimmt der Raubbau an Natur und Umwelt unvermindert zu.

Umweltschützer, Wissenschaftler und gelegentlich auch Politiker weisen schon seit Jahren auf diesen Missstand hin. Für gewöhnlich ungehört. So wie Kinder ungehört bleiben, wenn sie sagen "Papa, was da hinten aus deinem Auto raus kommt stinkt. Das will ich nicht.". Mittlerweile haben wir Umweltministerien in Land und Bund. Die weisen ebenfalls auf diesen Missstand hin. Und bleiben untätig. Und wenn sie nicht untätig bleiben, dann werden sie von den wirtschafts- und landwirtschaftsnahen Ministerien nieder gebügelt.

Jenseits von wirtschaftlichem Lobbyismus macht sich jedoch langsam eine Ahnung breit, dass es so nicht mehr lange weiter gehen kann. Weil die natürlichen Ressourcen endlich sind. Weil die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte zu wünschen lässt. Weil der Steuerzahler sein Geld nicht in Form von Gift und Gülle angelegt wissen will. Weil unbeugsame Ökoaktivisten und Biobauern bewiesen haben, dass es auch anders geht. Weil der Verbraucher gerne leckeren Honig aus der Umgebung auf dem Tisch hat und nicht die Zuckerpampe, die aus Fernost importiert wird.

Man möchte jetzt fragen, warum sich also Honigliebhaber, Biobauern und Steuerzahler nicht zusammentun und die Regierungen zum Teufel jagen, die gegen ihre Interessen arbeiten. Weil diese Frage nicht weiter bringt, haben sich Aktivisten jenseits der Parlamente zusammen getan und das Volksbegehren auf den Weg gebracht. Hat es sich in der Vergangenheit doch schon mehrmals gezeigt, dass auf diese Weise die außerparlamentarische Opposition gutes bewirken kann. Ohne Demonstrationen und Straßenschlachten. Warum also nicht auch zu Gunsten von Natur und Artenvielfalt.

Die Initiatoren des Volksbegehrens haben nun einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet, der den Staat auffordert, sein Augenmerk mehr auf den Erhalt und der Förderung naturnaher Landwirtschaft zu richten. Wie das bei Gesetzestexten so ist, liest sich der Entwurf sehr trocken und bürokratisch. Die Feinheiten bleiben dem in Juristerei unerfahrenen, so auch mir, weitgehend verschlossen. Es lassen sich jedoch Eckpunkte heraus lesen, die einen wichtigen Weg in die richtige Richtung weisen.So soll etwa der biologische Landbau von derzeit ...% auf 30% ausgeweitet werden. Wenn man sich die steigende Nachfrage nach biologisch angebauten Produkten im Supermarkt ansieht und feststellt, dass der heimische Anbau nicht ausreicht, dann ist das eine längst überfällige Entscheidung. Der Einsatz von Pestiziden soll schärfer reglementiert werden, in der Hoffnung, juristische Hintertüren für mehr als fragliche Mittel - wie etwa dem Glyphosat - zu schließen. Damit werden sicher nicht alle Defizite der modernen Agrarwirtschaft beseitigt. Vielleicht noch nicht einmal die dringlichsten. Ein erster Schritt ist das allemal.

Wenn man sich ein wenig Zeit nimmt und zusieht, welche Menschen zu den Eintragungsstellen für das Volksbegehren strömen - und man muss sagen es strömen Menschen - dann muss man schnell zu der Überzeugung gelangen, dass das Thema kein Randthema ist, dass vorwiegend von birkenstockbewährten Ökozauselbärten unterstützt wird. Das Thema ist in der breiten Bevölkerung angekommen und bringt junge wie alte, gutstituierte und einfache Menschen, Menschen mit Gamsbart und Menschen mit Krawatte, im Dirndl und in Lederjacke dazu, ihre Unterschrift zu leisten.

Auf ein gelungenes Volksbegehren und auf einen erfolgreichen Volksentscheid.

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