Flyer Parade

Otti HC: Negazione

Seit Jahren schon schleiche ich ganz vorsichtig um eine bestimmte Schublade herum. Diese Schublade lauert.

Oft gelingt es mir, ungesehen vorbei zu huschen. Manchmal erwischt sie mich. Dann muss ich mich durch einen Papierwust hindurchkämpfen. Schnell, schnell, alles zurückgestopft in die unheilvolle Lade.

Gelegentlich hängen sich ein paar Schnipsel wie Kletten an mich und lassen sich erst unter Einsatz von moderner Technik wieder entfernen. Einmal eingeklemmt in einen Scanner, lassen sich Flyer, Tickets und ähnliche Devotionalien beruhigen und gefahrlos zurück in die Schublade verfrachten.

Hat der Scanner gute Arbeit geleistet, dann treiben die Papierschnipsel fortann ihr Wesen eingesperrt in Bits und Bytes auf Festplatten, Disks und Sticks. Und lauern dort aufs neue.

Analog in Schubladen, auch digital auf Festplatten, für niemand ein Gewinn. Niemand bekommt sie zu sehen, niemand kann sich an ihnen erfreuen.

Jetzt ist es an der Zeit, ausgewählte Einzelstücke einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Auf den nächsten Seiten sind Kleinodien der Blütezeit kreativen Laienmarketings zu bestaunen.

Andrea Walter

Die Dildo-Urne

Vibrator - blau

Seinen Partner zu verlieren ist zweifelsfrei einer der schlimmsten Schicksalsschläge, die einem widerfahren kann. Jeder Mensch geht anders mit dem Tod eines geliebten Menschen um, und dabei mutiert das Geschäft mit dem Tod immer öfter zum makaberen Sterbeevent. Doch der niederländische Designer Mark Sturkenboom bricht die letzten Tabus. Bei einer Designmesse stellte er einen Glasdildo in einer Erinnerungsbox vor: Den „21 Gramm“, eine spezielle und grenzwertige Erfindung zum Gedenken an den verstorbenen Partner.

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