Zum Geleit: Wahlkampf-Zeit

29.03.2017

Nein, tatsächlich wollte ich etwas sagen wie:

Ich finde diese abgeschmackte Charade peinlich und schädlich. Eine Große Koalition verteilt Ämter nach Proporz und Gutdünken um.

Da schart sich die Union hinter einem SPD Präsidenten, damit die SPD dann eine CDU Kanzlerin mit trägt. Dazu wird ein Gabriel ins Außenamt gehievt, der von Außenpolitik nicht den Schimmer hat - und das in außenpolitisch ganz besonders sensiblen Zeiten.

Ein Hoffnungsträger aus Europa wird hingegen in einem hoffnungslosen Rennen verbrannt.

Das Beste, was sich darüber sagen lässt, ist, dass sich aller Wahrscheinlichkeit nach nichts ändern wird. Weder zum Besseren, noch zum Schlechteren.

Leider habe ich das bei Zeiten nur gedacht und nicht gesagt, so dass ich jetzt da stehe wie einer von den Ich-hab-das-schon-immer-gewusst Gescheiten. Blöd. Auch habe ich weder vermuten, noch wissen können, dass der Schulz nicht nur gedachte SPD-Lichgestalt ist, sondern ganz offenbar auch von vielen Wählern als Merkelalternative gesehen wird.

Letztlich eröffnet das ganz neue Perspektiven. Mal hoffend und davon ausgehend, dass Gabriel das nächste halbe Jahr nicht zu viel diplomatisches Porzellan zerschlägt, rückt damit eine Regierung ohne Unionsbeteiligung ein klein wenig näher. Schulz ist auch in dieser Richtung noch einigermaßen unverbraucht und hat sich noch keiner Ausschließeritis angebiedert. Vor diesem Hintergrund ist jede Stimme im Herbst, die ihren Weg zur Linken schafft, ein kleiner Schritt weg von weiteren vier Merkel-Jahren. Das ist durchaus als Wahlempfehlung zu sehen.

Denn geht die SPD als Sieger aus der Wahl hervor, und ist die Linke schwach, ist die Große Koalition auf weitere vier Jahre zementiert. Nur eben nicht mit Merkel an der Spitze sondern mit dem Schulz.

In diesem Szenario scheint es mir wenig hilfreich, wenn sich Linke wie Rechte Wahlkämpfer und Wahlkämpferinnen auf den Schulz als vermeintlich gemeinsamen Feind einschießen. Nüchtern betrachtet ist Schulz weder eine Lichtgestalt, noch ist er frei von Makel. Er ist lediglich der einzige Rettungsanker, der eine weitere Kanzlerschaft von Angela Merkel verhindern kann. Darum meine inständige Bitte an die Linke und die Grünen: Besinnt euch auf eure Kernkompetenzen und gebt dem Wahlkampf Impulse in die richtige Richtung.

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