Wie Gier erst zu Realitätsverlust, später zu Wahnvorstellungen führt

30.03.2012

Wenn sich aus Jammern Energie gewinnen ließe, könnten unsere Stromkonzerne von heute auf morgen auf Stromerzeugung aus Atom und Kohle verzichten.

Herr Teyssen von E.on hat sich dieser Tage an die Öffentlichkeit gewandt.

Offenbar noch völlig verstört angesichts der mageren 4,2 Millionen Euro, die er 2010 eingestrichen hat, klagt er sein Leid. Das Leid aller Energiekonzerne hierzulande.

Wurden sie doch von der Energiewende kalt erwischt. Und wirklich, die Herren sind zu bedauern. Von den Ereignissen überrollt, unfähig zu reagieren. Es waren ja auch nur knapp 21 Jahre Zeit, von der Atomkraft auf Alternativen umzusteigen.

1991 wurde der Brutreaktor in Kalkar beerdigt und damit die Atomkraft zur Übergangstechnologie erklärt.

Das ging wirklich ein wenig zu schnell. 

Ein Ausstiegsbeschluss einer Rot-Grünen Regierung? Sowas muss man nicht ernst nehmen!

Auf linke Spinner wie Horst Köhler, der "sich für ein entschlossenes Umstellen auf erneuerbare Energien ausgesprochen" hat... was hat denn der schon zu sagen, der Bundespräsident?!

Auf einmal kommt eine konservative Regierung an die Macht und aus ist's mit der Kohlescheffelei durchs Atom.

Herr Teyssen spricht große Worte gelassen aus: "Bei der Stromproduktion brauche Deutschland definitiv mehr Markt und weniger Staat".

Ist klar, ne?! Hätte sich der Staat mal nicht eingemischt, dann hätte es wahrscheinlich nie Atomkraftwerke gegeben. Die Stromkonzerne waren ja eigentlich schon immer dagegen. Waren aber gezwungen, die Altlasten der ehemals öffentlichen Energieversorger zu übernehmen.

Jetzt kommen wir aber mal zu was positiven, das wird auch Herrn Teyssen freuen: Die Strompreise fallen. Also nicht die Preise, die unsereins zu berappen hat. Nein, gemeint sind die Preise, die unsere Energieversorger an der Strombörse zu zahlen haben.

Warum Sie davon nichts merken? Ja meinen Sie, die Preisentwicklung nach unten wird an den einfachen Kunden weitergegeben? Ja wo denken Sie hin? An den energiefressenden Großkunden vielleicht. Aber doch nicht an die Haushalte.

Werden Ihnen vielleicht Senkungen des Leitzinses auf dem Konto gut geschrieben? Erwarten Sie etwa, dass das Benzin an der Tankstelle billiger wird, wenn der Barrelpreis an der Börse stürzt? Jetzt aber mal aufwachen!!! Wir leben im Kapitalismus und nicht im Wolkenkuckusheim.

Zusammengefasst stellt sich die aktuelle Situation wie folgt dar:

Herr Teyssen verdient zu wenig, der Stromeinkaufspreis ist viel zu hoch und der Strompreis beim Entkunden ist viel zu niedrig.

Sie meinen, besonders Geringverdiener würden durch einen weiteren Anstieg der Strompreise über Gebühr belastet? Da liegen Sie ganz auf der Linie von Herrn Teyssen. Die Lösung ist recht einfach: "E.on-Chef fordert Strom-Zuschuss für Geringverdiener".

Eigentlich ist es eh ein Unding, dass die Steuern erst an den Staat abgeführt werden. Ohne Umwege direkt in die Taschen der Konzernbosse. Kein leidiges Gefeilsche mehr. Von wegen hier eine Million Subvention, dort eine Milliarde für die Banken. Da kommt man sich als Manager schon ein bischen wie ein Bittsteller vor. Meinen Sie nicht auch?

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