Was wollen wir essen?

24.09.2018

Wir werden immer mehr. Also wir Menschen so im Allgemeinen. Und wir wollen Essen. Wobei "wollen" eine nette Umschreibung für "müssen" ist. Ohne Essen? 30 Tage, dann hops und aus.

Und weil wir alle Essen müssen und - wenn man der Werbung so zuhört - weil wir eigentlich alle gerne Rindfleisch essen und weil ganz viele Menschen auf dieser Welt noch kein Rindfleisch essen, dass aber sicher auch wollen und weil die Herstellung von Rindfleisch - wie die Aufzucht, Schlachtung und Verarbeitung von lebenden Tieren gerne bezeichnet wird - unglaubliche Ressourcen an Boden und Futter verschlingt...

Wer jetzt also 2 und 2 zusammen zählt, kommt nicht umhin, darin das eine oder andere Problem zu erkennen. Selbst wenn es letztlich eine Menge Menschen gibt, die vielleicht doch lieber Schwein auf dem Grill oder Huhn auf dem Teller haben.

"Start-ups setzen auf Fleisch aus dem Labor und Fake-Fleisch"

Ideen zur Lösung der Probleme gibt es viele. Vegetarische oder vegane Ernährung ist dabei nur ein Ansatz. Ein zweiter Ansatz geht in die Richtung Fleischersatz-Stoffe. Tofu oder Seitan kennt man schon aus der veganen Küche, Schaben und Grashüpfer haben den Weg in die Supermarktregale noch vor sich. Ein dritte Ansatz wäre das Fleisch aus der Retorte.

Den ersten Ansatz möchte ich hier nicht weiter ausrollen und gleich zum zweiten springen. Ich denke, so lange wie von Fleischersatz die Rede ist und Industrie, Bioladen oder experimentierfreudige Zeitgenossen sich darin üben, Fleischgerichte aus pflanzlichen Produkten nachzubauen, wird sich da im kollektiven Ernährungsbewußtsein nicht viel ändern.

Ist mir nach Fleischpflanzerl, dann ist mir nach Fleischpflanzerl. Nicht nach irgend etwas, das so ähnlich aussieht, mehr oder weniger so ähnlich schmeckt und eine ähnliche Konsistenz hat. Punkt aus.
Wenn mir hingegen nach einem Gemüsebratling ist - gerne mit Dinkel oder Grünkern - dann soll da kein Fleisch drinnen sein und es soll auch nicht nach Fleischpflanzerl schmecken.

Ich bin mir sicher, es ist weitaus ziehlführender, in so einen Tofu einen Geschmack hinein zu laborieren, als den Tofu in würstelform zu pressen (und das dann vielleicht noch als vegane Bratwurst zu deklarieren). Wenn dat Zeug nicht schmeckt, keinen Biss hat und aussieht, wie eingeschlafene Füße, dann hilft die optische Ähnlichkeit zur Thüringer Bratwurst kein bisschen.

"Bei Mehl ist das anders, das ist nur Pulver"

Wäre da noch die Sache mit den Insekten. Im Dschungelcamp gerne als Mutprobe eingesetzt, haftet den Insekten vor allem ein gewisser Ekelfaktor an. In Sachen Ekelfaktor sind wir schon ganz schön weit... und entwickeln uns immer weiter. In den 70er Jahren standen Nierchen, Leber und selbst saures Lüngerl noch auf dem Speiseplan. Bei Muttern ebenso wie in Bayerischen Wirtshäusern. Ein paar Jahre zuvor waren Pferdemetzger und Freibank noch nicht Synonym für Krankheit und Siechtum. Heute ist die Liste der Schmankerl die gar nicht mehr gehen... da werden sich Insekten schwer tun, sich einen Platz zu erkämpfen.

Hätten wir dann noch das Fleisch aus der Retorte. Das mag sich mach einem sehr nach Science Fiction oder Soylent Green anhören. Wenn man sich jedoch vergegenwärtigt, wie die Dinge hergestellt werden, die sich im Kühlregal wieder finden... Oder was die Lebensmittelindustrie alles unternimmt, um Sachen, die noch vor wenigen Jahren Sondermüll waren, irgendwie schmackhaft und verdaubar zu machen.

"Man könnte theoretisch sogar Steaks aus seinen eigenen Stammzellen züchten"

Ich sehe schon Kirchen, Ethikkommissionen und Reinkarnisten toben und im Dreieck springen. Unbeseeltes Fleisch. Darf es das überhaupt geben? Da schneid ich mir doch ein Schnitzel aus den Rippen. Meine Stammzellen werden es schon wieder richten.

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