Was juckt mich der Benzinpreis?

28.11.2018

Man kann über die Entwicklung der Benzinpreise unterschiedlicher Ansicht sein. Auch darüber, wer wann und mit welchem Recht an der Preisschraube dreht.

Ich für meinen Teil - also als Rad- und U-Bahn-Fahrer - habe mit hohen Benzinpreisen kein so großes Problem.
Ich für meinen Teil als Fußgänger und Stadtmensch hingegen... da kann das Benzin gar nicht teuer genug sein, um die Innenstadt vom Verkehr zu befreien.

Jetzt habe ich Freunde, die verkehrstechnisch nicht so günstig liegen. Als Pendler sind sie - vermeintlich oder tatsächlich - auf das Auto angewiesen.

Dass denen jeder Cent mehr weh tut, dafür habe ich Verständnis. An deren Stelle wäre ich wahrscheinlich auch aufgebracht.

Ebenso vielschichtig sind die Preisschraubendreher.

Das fängt bei den Förderländern an, die einfach gut verdienen wollen. Und sieht man sich so manches Förderland an, da werden Millionen und Milliarden für aberwitzige Projekte - etwa künstliche Inseln oder immer noch größere Wolkenkratzer - rausgehauen. Gelder, die hierzulande an der Zapfsäule eingesammelt werden.

Die verarbeitende Industrie möchte natürlich auch gut verdienen. Also Esso, Exxon, BP und wie sie alle heissen. Da werden Kartelle gebildet, da werden Preise abgesprochen.

Der Staat... ja, der will - und muss - auch daran verdienen. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Mineralölsteuer, Ökosteuer, Energiesteuer, je nach Gusto oder Interessenlage werden Namen erfunden und mit jedem neuen Namen gehen die Steuern nach oben. Oder hat jemand schon einmal miterlebt, dass irgendwelche Steuern jemals gesenkt worden wären?

Entsprechend gibt es unterschiedliche Adressaten, um die eigene Wut auf den Griff in den Geldbeutel zu postulieren.

Die Förderländer? Irgendwie blöd. Das ist ein wenig so, wie wenn der Junkie seinen Dealer angeht. Da lacht der Dealer und verlangt das Doppelte. Der Junkie ist ja abhängig. So sind auch die Verbraucher von den Förderländern abhängig. Da gibt es keinen, von den Liberalen oft beschworenen, Markt, der sich schon irgendwie selbst reguliere. Das sit ein sehr einseitiges Abhängigkeitsverhältnis.

Die Tankstellen? Vielleicht mit einem Tankboykott? Lustige Idee. Mal einen Tag nicht tanken und - peng - schon knicken die Konzerne ein.
Von wegen. Wer am Montag nicht tankt, hat das am Sonntag schon erledigt. Oder tankt dann eben am Dienstag. Es wird ja nicht weniger verbraucht.

Der Staat? Ja, der ist ein beliebtes Ziel. Der ist momentan eh an allem Schuld. Am Besten noch Merkel. Die Merkel, ja, die ist an den Benzinpreisen Schuld. Die muss weg. Oder die Grünen. Die spinnen doch. Die wollen einen Benzinpreis von 2... 5... ach, von 50 Euro.

Heissa, auf die Straße. Zeigen wir es denen. Machen wir es wie die Franzosen. Gelbe Weste angelegt und die Faust gereckt. Der Benzinpreis, der weckt Emotionen. Da kocht die Galle des braven Bürgers. Da schreit und krakeelt er gern im Chor mit Nazis und dem Wutbürger.

Ach Leute, ihr seid so armselig.

Wenn ich euch jetzt sage, irgendwann ist das mit dem Benzin eh vorbei und wenn ihr in euren SUVs so weiter macht, dann werden wir das auch noch erleben?
Werdet ihr dann wie Mad Max um jeden Tropfen kämpfen? Werdet ihr dann morden und plündernd, bar jeglicher Zivilisation durch die Wüste ziehen?

Wenn ich euch sage, der Spritverbrauch zerstört unsere Umwelt, macht das Klima kaputt, entzieht dem Menschen jede Lebensgrundlage. Werdet ihr mir dann lachend ins Gesicht sagen, ich sei ein Spinner, Gutmensch, Schlafschaf? Wird es euch am Arsch vorbei gehen, wie es euren Kindern, euren Enkeln ergehen wird.

Ach Leute, ihr seid so armselig.

Der Benzinpreis: bundesfinanzministerium.de

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Münchner Freiheit

Schwabinger Krawalle

Oli Nauerz

So manch einer denkt bei "Schwabinger Krawalle" an die 68er Studentenunruhen. Doch gefehlt. Das Eine hat mit dem Anderen recht wenig zu tun.

Zwar hat beides im Münchner Stadtteil Schwabing sein Epizentrum. Die "Schwabinger Krawalle" allerdings bereits 1962, die Studentenunruhen jedoch erst um 1968 herum.

Während die 68ern vorwiegend Studenten waren, beteiligten sich an den "Schwabinger Krawallen" von Beginn an Jugendliche aus allen Bevölkerungsschichten. Während die 68er politisch motiviert waren, entlud sich 62 ganz einfach der angestaute Frust über Obrigkeit, Willkür und Polizeigewalt.

Gelegentlich wird an die Krawalle erinnert. Seit 2012 mit größeren Veranstaltungen an der Münchner Freiheit.

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