Vorn

Vorn

Vorn

22.05.2011

Biografie oder Fiktion.

Biografie für den, der dabei war.

Fiktion für alle, die nicht die Ehre hatten.

Orientierungsloser Jungjournalist trifft auf elitäre Jugendmagazin-Redaktion.

Zunächst geadelt durch die Aufnahme in den erlauchten Inner Circle merkt der Protagonist erst wesentlich später als der geneigte Leser von seiner Wandlung vom idealistischen Szenegänger zum professionellen Berufsschnösel.

Auf der Strecke bleiben Freundin, Freunde und Ideale.

Vertieft in die unterhaltsame Auflistung von Ereignissen und Anekdoten, denen allesamt die banalität des alltäglichen anhaftet, kann mitverfolgt werden, wie sich ein Individualist angesichts des Gruppendrucks der redaktionellen Elite zum angepassten Adabei entwickelt.

Die Redaktion des fiktiven Magazins "Vorn" nimmt den normalen Menschen, vulgo Nicht-Redaktions-Mitglied, einfach nicht wahr. Die Redaktion erwartet von ihren Mitgliedern nichts weniger, als die totale  Unterordnung unter selbst entworfene und propagierte Trends.

Der Protagonist beugt sich. Schämt sich gar seiner Freundin, die sich dem Diktat nicht beugen will.

In seinem früheren Leben begeisterter Sammler von Kaffeeschalen, an jeder Schale hängt ein Stück Erinnerung, schämt er sich, selbst abseits der redaktionellen Kontrolle, aus selbigen zu trinken.

Während ich also aus der vermeintlich sicheren Perspektive des Lesers in die von mir so verschiedene Welt des "Vorn" eintauche, beschleicht mich ein seltsames Gefühl. War da nicht was? Kommt mir das nicht irgendwie bekannt vor?

Ich merke, wie mir die Geschichte immer näher kommt. Unangenehm nahe.

Vor meinem geistigen Auge bekommen die Figuren Gestalt. Und sie bekommen Gesichter. Keine unbekannten Gesichter. Ich kenne diese Figuren. Jeden Moment warte ich darauf, dass mein Name fällt.

Mein Name fällt nicht. Wie auch. Ich hab nie etwas mit dem "Vorn" zu schaffen gehabt. Dafür fällt etwas anderes, die Schuppen aus meinen Augen. Die gleiche Geschichte hat sich in meinem Leben auch schon abgespielt. Nicht einmal sondern gleich mehrfach. Andere Zeit, andere Orte. Wer sich in den 80ger Jahren in München im Normal oder Anfang der 90ger in der Kulturstation rumgetrieben hat, wird ähnlich mir seine Deja Vu Erlebnisse haben. Vielleicht sogar die eine oder andere reale Person unter einem anderen Namen wiederfinden.

Das Buch ist beileibe keine große Literatur. Soll es auch garnicht sein. Aber in Zeiten wo sich so manch Zeitgenosse in selbstbeweihräucherungsschwangeren Epen über seine heroischen Jugendtaten ausläßt, sticht diese offene Zurschaustellung eigener Schwächen angenehm hervor.

Ach und eins Dir Andreas: Hat man Dir nicht auch zu Schulzeiten eingetrichtert, dass sich Wiederholungen nicht sonderlich gut machen, dessentwegen zu vermeiden seien? Das Wort "Vorn" verwendest Du mit einer Penetranz, die geeignet ist, den Lesegenuss unnötigerweise herabzumindern und den Lesefluss ins Stocken geraten zu lassen.

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Ist Portugal über den Berg? Ist die Finanzkriese überstanden? Oder wenigstens im Griff?

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