Unfähigkeit hinweggelobt

oder die eigene Unfähigkeit vertuscht

07.01.2012

Hat Frau Merkel wirklich gedacht, sie könnte einen unliebsamen Konkurrenten einfach so zum Bundespräsidenten machen, ohne dass das auf sie zurückfällt?

So liege ich nun krank im Bett und habe Zeit vor mich hin zu sinnieren. Ob das gut ist für den Genesungsprozess? Zumindest bringts den Blutdruck nach oben.

Eigentlich wollte ich kein Wort im Zusammenhang mit dem Herrn Wulff verlieren. Da hat sich einer Geld von einem Spezl geliehen und gut ist. Hab mir auch schon Geld geliehen. Und natürlich war ich nicht darauf erpicht, mir da was zu leihen, wo ich die höchsten Zinssätze zu zahlen hab.

Doch halt, ganz so einfach ist das nicht.

Als einfacher Bürger darf ich mir natürlich jederzeit leihen was ich will und wo ich will. Und da liegt der Hund begraben. Der Herr Wulff bekleidet seit geraumer Zeit öffentliche Ämter und unterwirft sich damit besonderen Regeln. Und eine dieser Regeln besagt offenbar, ein Ministerpräsident darf sich kein Geld unter dem üblichen Zinssatz leihen. Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim sagt dazu: "Vielmehr untersagten das Ministergesetz und der dazugehörige Erlass die Annahme von verbilligten Krediten."

Nun hab ich mir gedacht, gut, hat Herr Wulff einen Schmarrn gemacht, hat er sich entschuldigt, Sache gegessen, können wir uns wieder wichtigerem zuwenden. Und wichtigeres gibt es beileibe genug. Ob nun Naziterror und Verfassungsschutzskandal oder Banken- und Finanzkriese.

Doch was macht Herr Wulff?

Er schlappt zielsicher von einem Schmarrn in den nächsten. Hier ein wenig verschleiern, wie das mit dem Kredit nun wirklich war, dort ein wenig Einflussnahme auf die Presse. Gestern erzählen, er werde alles offenlegen und heute das dann doch nicht machen. Verschleiern, tricksen, täuschen. Wie mich das alles langweilt. Aus einer eher banalen Verfehlung macht er mit aller Gewalt eine Staatsaffähre. Da ist einer seinem Amt nicht gewachsen. Kann man sich drüber amüsieren oder es zu Kotzen finden.

Was mich jetzt in Rage versetzt ist weniger die Tollpatschigkeit des Herrn Wullf, sondern die Kakophonie der minderbemittelten Stimmen die zu seiner Verteidigung anheben. Die Presse hätte es auf Herrn Wulff abgesehen. Die Presse würde das Amt des Bundespräsidenten beschädigen. Ganz so als ginge es nicht um den Mist, den Herr Wulff verbrochen hat. Der eigentliche Skandal sei die Aufdeckung des Skandals.

Hier ein Leserbrief aus der AZ vom 11.01.2012:

Ja wo sind Sie denn ausgekommen Herr Reth?

Verwechseln Sie nicht die Götter in Weiß mit den Herren mit den Turnschuhen? Den Scheiß hat doch nicht die Presse verbrochen.

Im Übrigen gehört es zu den ureigensten Aufgaben der Presse, zu recherchieren und aufzudecken. Schon vergessen? Oder träumen Sie noch von der guten alten Zeit mit Zensur und staatstreuen Medien?

Und genau weil der Journalismus in unserem Lande moralische Verpflichtungen hat, ist er gut beraten, moralische Verfehlungen anzusprechen. Die Narrenfreiheit wiederums nimmt sich ein Herr Wulff, wenn er ve

rsucht, die Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen.

Aber mal unter uns, Herr Reth, angenommen die Bildzeitung würde auf einen, sagen wir mal Politiker der Linken eindreschen, dann wären Sie doch der erste, der begeistert applaudiert. Sie alter Schlingel Sie.

Schon hab ich mir das nächste Stichwort gegeben: Bildzeitung. Wer hat die Causa Wulff ins Rollen gebracht? Die Springerpresse. Bekannt für seriöse Berichterstattung allenthalben. Oder nicht?

"Sie kann jetzt auch seriös", schwadroniert etwa Der Freitag.

Was ist denn bitte an dieser Geschichte seriös? Vielleicht die Veröffentlichung der Korrespondenz mit dem Bundespräsidenten? Das kling doch sehr nach "wir haben etwas in der Hand gegen sie und werden das auch verwenden, wenn sie nicht nach unserer Pfeife tanzen"?!

Da hat die Bildzeitung aber die Rechnung ohne die Abendzeitung gemacht. Das Münchner Kampfblatt für seriöse Berichterstattung schickt sich an, dem Bundespräsidenten den endgültigen Todesstoss zu verpassen. Also nicht direkt. Eher subtil. Über den Umweg der Präsidentengattin. Man lese uns staune:

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Lasst mich da noch mal ein wenig drauf rumdenken.

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