Türkei und Lügenpresse

10.03.2017

Ein Artikel von netzfrauen.org sprang mir heute Morgen in die Augen: "Mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Frauen-Demo".

netzfrauen.org gilt nicht gerade als Hort der seriösen Berichterstattung, also wollte ich wissen, was die übrige Medienlandschaft zu diesem Thema zu vermelden hat. Ob sich diese Aussage verifizieren oder wiederlegen lässt.

Und siehe da, beides war nicht eindeutig möglich.

Während beim Spiegel vermerkt wird "Zwischenfälle wurden nicht gemeldet", weiß die taz dass "Die türkische Polizei [hat] eine Demonstration in Istanbul zum Weltfrauentag gewaltsam aufgelöst" hat.

Jetzt könnte direkt das Lügenpresse-Geheul anheben. Man sehe doch, wie uns die Presse hintergeht. Nichts da, aufgemerkt, die Diskrepanz der Berichte zeigt, dass unsere Presse top funktioniert.

Weder kann von einer Gleichschaltung die Rede sein, denn beide Berichte unterscheiden sich diametral. Noch kann von Lügen die Rede sein. Beide Zeitungen haben - dessen bin ich mir sicher - nach bestem Wissen und Gewissen berichtet. Und beide Zeitungen hatten keinen Journalisten vor Ort, sie berufen sich jeweils auf eine andere Nachrichtenagentur. Der Spiegel auf max/AFP, die taz auf Reuters.

Sieht man sich weiter in Pressespiegel um, stellt man schnell fest, dass sich die meisten Medien auf AFP oder Reuters berufen, also entweder keine Zwischenfälle vermelden oder von einer gewaltsamen Auflösung der Demonstration wissen.

Wie gesagt, das belegt recht deutlich, dass weder von einer Lügenpresse, noch von einer gleichgeschalteten Presse die Rede sein kann. Es zeigt jedoch auch deutlich das Dilemma der Presse. In den Redaktionen laufen mit Sicherheit die Meldungen aller relevanten Agenturen zusammen. Die Redaktionen sind gezwungen zu entscheiden, welche Meldung für sie die richtigen und wichtigen sind. Leider haben die wenigsten Redaktionen heutzutage die Mittel, Agenturmeldungen selbst nachzurecherchieren, um sie zu überprüfen oder mit weitergehenden Informationen anzureichern. Sie übernehmen die Meldungen also ungeprüft.

Dabei entstehen alternative Fakten. Vielleicht haben AFP und Reuters ebenfalls nach bestem Wissen und Gewissen berichtet. Nur war der AFP Korrespondent an dem Ende der Demo, an dem es friedlich war und der Reuters Vertreter mitten im Tumult. In den großen Tagen von Zeitung, Rundfunk und Fernsehen hätte ein jeder nachrecherchiert, nach Augenzeugen gesucht, eine zweite Meinung hinzugezogen.

Abschließend ein Aufruf an alle Leserinnen und Leser, Medienbegeisterte und Medienenttäuschte: Wendet euch nicht einfach ab und zweifelhaften Publikationen zu, fordert von den Medien, dass sie ihre Arbeit machen, dass sie wieder sauber recherchieren und sich ihren guten Ruf zurückerobern. Das heißt aber auch, dass wir als Konsumenten gefordert sind, unseren Beitrag beizusteuern. Ein Abo oder die paar Groschen am Kiosk tun wenigen weh. Statt Facebook auch mal im Regionalteil schmökern, das schadet nicht.

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Japan

Japan: Grüner undefinierbarer Batz

Grüner undefinierbarer Batz I

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass nicht alle Länder dieser Erde so Schokolade und Chips fixiert sind, wie das in Deutschland der Fall ist.

Honig hat da seinen Reiz, ganz klar. Kürbiskerne oder Tremoços als Snack? Geht in Ordnung. Schweinsöhrchen mit Knoblauch zum Bier? Das ist schon nicht mehr jedermanns Sache.

Auf dem Tisch vor mir steht ein Schälchen mit undefinierbarem, grünem Inhalt... auf geht's.

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