Torsten Henke: Die Suppe auslöffeln

torsten-henke
23.09.2015

Alexis Tsipras hat mit seiner Syriza erneut die Mehrheit der Wähler hinter sich scharen können.

Die Wahllokale haben noch nicht richtig geschlossen, da geht auch schon das Tsipras-Bashing in die nächste Runde.

Besonder unqualifiziert hat sich Torsten Henke für die Abendzeitung aus dem Fenster gelehnt.

Wer sich so weit lehnt, muss damit rechnen, nass zu werden. Also lasst ihn uns nass machen.

Sehr geehrter Herr Henke!

Ihr Kommentar vom 21. September trieft von Hass und Häme.

Hass auf eine linke Regierung.
Häme über ein arg gebeuteltes Volk.

Hass auf eine Regierung, die bemüht ist, das Beste für Land und Volk zu erreichen. Eine Regierung, die nicht Spetzlwirtschaft und Klientelpolitik über alles stellt. Eine Regierung, die mit jahrzehntelangen Fehlern und Misswirtschaft ihrer konservativen Vorgänger zu kämpfen hat.

Häme über ein Volk, dass erst von seinen Regierungen ausgenutzt, dann von der Troika gebeutelt wurde. Ein Volk das unter Korruption und Misswirtschaft zu leiden hat. Ein Volk, dass sich entschieden hat, einer linken Regierung zu vertrauen.

Man könnte auch meinen, Sie haben die letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte geschlafen. Zumindest haben Sie anscheinend nicht mitbekommen, wer für das Desaster in Griechenland verantwortlich ist, respektive war.

Weder ist Syriza verantwortlich für die Griechischen Schummeleien, um in die Eurozone aufgenommen zu werden, noch kann man Syriza Misswirtschaft und Korruption der Vorgängerregierungen anlasten.

Tsipras hat nicht um den gigantischen Schuldenberg gebeten, um den er sich zu kümmern hat.

Aber Sie haben recht. Tsipras nimmt Verantwortung auf sich und Tsipras nimmt den Löffel, um der Suppe Herr zu werden, die andere eingebrockt haben. Seine Aussichten sind nicht die Besten, die Wahrscheinlichkeit, dass er sich dabei mit Ruhm bekleckert ist nicht hoch.

Was Tsipras aber schon erreicht hat, er hat den Griechen ein wenig Würde wieder gegeben. Eine Würde, die ihnen die EU mit der Troika genommen hat. Eine Würde, die Sie mit ihrem Lamentieren kleinreden und verspotten.

Sicher hat sich Tsipras auf den internationalen Parkett nicht so unterwürfig gegeben, wie das die EU das von Griechenland gewohnt war. Auch die Klaviatur der Diplomatie bediente er etwas eigenwilliger als viele etablierte Lobbyisten.

Wenn sie nun Vokabeln wie "unverfroren", "überheblich" oder "stümperhaft" in den Mund nehmen, dann zeugt das von ihren schlechten Umgangsformen. Und von Ignoranz gegenüber allem, was aus der Reihe fällt, was neue Wege aufzeigt, was verknöchertes aufweicht.

Sehr geehrter Herr Henke, was Sie hier machen ist unterstes Bild Zeitungs Niveau.

Etwas verstimmt,

emaz

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Spanien

Katalonien nach der Wahl

Katalonien nach der Wahl

Und jetzt die Herren Rajoy und Puigdemont? Wie soll das weiter gehen?

Noch ein Referendum? Noch mal Bilder von Knüppelgarden aus Madrid?

Wird die nächste katalanische Regierung auch wieder aufgelöst? Ihre Mitglieder per Haftbefehl gesucht?

Werden die Separatisten ihr Ziel so lange verfolgen, bis Katalonien wirtschaftlich ruiniert und politisch isoliert ist?

Bei aller Freiheitsliebe, es ist doch so, dass auch wenn die Separatisten die absolute Mehrheit halten, immer noch annähernd die andere Hälfte der Wähler bei Spanien bleiben will. Es ist damit eigentlich egal, wie die Sache ausgeht, die Hälfte der Katalanen werden unzufrieden sein. Damit ist es höchste Zeit, die Angelegenheit von der Straße an den Verhandlungstisch zu bringen und einen Kompromiss zu erarbeiten, mit dem die Separatisten, die übrigen Katalanen und Madrid leben können. Es steht zu befürchten, dass Rajoy und Puigdemont dazu nicht willens und in der Lage sind.

Es wird höchste Zeit, dass sich die EU als Vermittler einschaltet. Zusehen, wie eins ihrer Mitgliedsstaaten im nationalistischen Klein-Klein verlieren, läuft der Europäischen Idee zuwider und ist ein schlechtes Zeichen für die ganze Union.

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