Themen, die uns interessieren - Diesmal: Verkehrskollaps

18.09.2018

Viele Städte sind verzweifelt auf der Suche nach Lösungen für die Verkehrsprobleme, die nach Jahrzehnte Langer autofixierter Planung zunehmend für Unzufriedenheit zwischen allen Verkehrsteilnehmern führen.

Dass die Automolistenlobby hierbei noch selten lösungsorientierte Vorschläge beigebracht hat, verwundert nicht. Dass sich nun Verfechter der freien Fahrt für freie Bürger darüber empören, dass sie zunehmend ausgebremst würden, das ist, gelinde gesagt, peinlich. Ja, eigentlich nicht peinlich, sondern ärgerlich, ja unverschämt.

In weinerlichem mimimi Tonfall ist in mehreren Zeitungen gleichzeitig zu lesen, dass sich der motorisierte Teil der Bevölkerung zunehmend diskriminiert fühle. Sorry, aber wenn ich aus dem Fenster sehe, dann sehe ich Kinder, alte Leute, Radler und Grünflächen, da sehe ich Spaziergänger, die alle vor dem ungebremsten - im wahrsten Sinne des Wortes - Individualverkehr zurückstecken müssen.

Fahrrad-Autobahn? Es geht nur noch darum, Autofahrer auszubremsen

Da wittert ein Herr Michael Haberland vom Mobil in Deutschland e.V. eine großangelegte Kampagne gegen die Autofahrer. Die Minderheit der Fahrradfahrer würde ungerecht bevorzugt, Parkplätze würden vernichtet, diese drohenden Fahrverbote für Dreckschleudern und dergleichen mehr.

Mit keinem Wort erwähnt er, dass es vielleicht tatsächlich die Autos sind, die zu dieser Situation führen. Das passt nicht in sein Weltbild.

Lieber Herr Haberland, wenn sie einmal die gesamten Flächen aufaddieren, die von Straßen und Parkplätzen eingenommen werden und das mal gegenrechnen gegen Grünflächen, Fußwege, Radwege, Kindergärten - und ich denke, da müssten sie noch einiges mehr hinzunehmen, um auch nur ansatzweise auf einen ähnlichen Flächenverbrauch zu kommen - und wenn sie dann immer noch reinen Herzens behaupten können, Autofahrer würden diskriminiert...

"[...] wir Deutschen lieben ja bekanntlich unser Auto, ist es doch das zuverlässigste, bequemste und oft auch schnellste Verkehrsmittel."

Herr Haberland schwadroniert über die Liebe des Deutschen zu seinem Auto. Ich kenne einige Leute, die ihren Fahrbaren Untersatz schätzen, ja vielleicht sogar lieben, aber alle sind sich einig, dass es in einer Stadt wie München mehr und bessere Alternativangebote geben muss. Dass die Stadt nicht für die Autos, sondern für die Menschen da ist.

Er schwadroniert über das Auto als "schnellstes Verkehrsmittel". Wenn ich Tag für Tag sehe, wie sich die Blechmassen im Schneckentempo durch die Hauptverkehrszeit schleppen, wenn ich die oft verzweifelte Parkplatzsucherei beobachte, nein, Herr Haberland, das Auto in der Stadt ist selten das schnellste Verkehrsmittel.

"Jedes Jahr verlangsamt sich der Verkehr um 1 Prozent. Nachweislich."

Dass sich der Autoverkehr verlangsamt, das mag stimmen. Daran sind aber weder Radler, noch Fußgänger und auch nicht der öffentliche Nahverkehr schuld. Die Straßen verstopfen zusehends durch immer mehr und immer größere Autos, die sich immer öfter zu überflüssigen Fahrten durch Haupt- und Nebenstraßen drängen.

Dem Himmel sei Dank, dass es sich bei Herrn Haberland nur um eine Einzelmeinung eines realitätsblinden Lobbyisten handelt. Der Münchner selbst hingegen liebt seine Tram, er schätzt die Radlwege an Isar und Leopoldstraße (nur nebenbei: Es sind nicht die Radler, die den Verkehr auf der Leopoldstraße behindern, es sind vielmehr auf dem Radweg geparkte Autos, die die Radfahrer behindern). Der Münchner weiß, das es schlauer ist, das Gefährt in der Garage zu lassen. Das schont die Umwelt und das schont die Nerven.

So lange sich jedoch Lobbyisten weigern, konstruktiv in die Verkehrsdebatte einzugreifen, nach Lösungen für alle zu suchen, so lange müssen sie auch damit leben, dass es Menschen gibt, die von einer autofreien Innenstadt träumen. Und ich muss sagen, das ist kein unsympathischer Traum.

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