Terror entsteht in den Köpfen

Undertaker
23.07.2016

Der Amoklauf am Freitag im Juli 2016 hat viele erschüttert und verunsichert.

Ganz München befand sich im Ausnahmezustand, allerorten heulten Sirenen, positionierte sich Polizei, rasten Rettungswägen.

Die Situation war angespannt und unübersichtlich. Doch sogleich schwangen sich Erklärer und Experten auf... nicht zu erklären, sondern weiter zu verunsichern.

Wer sich da alles mit einem Male an Verschwörungstheoretiker entpuppte... ich war überrascht, erschrocken und bestürzt.

Da wird ein Polizeisprecher als Relativierer beschimpft, der Informationen zurück hält oder vertuschen will, nur weil er sich trotz provokativer, teils dummer Nachfragen, strikt an die Faktenlage hält.

Da tauchen Fotos aus einem südafrikanischen Einkaufszentrum aus dem Jahre 2015 auf. Und werden für Bilder aus München ausgegeben Warum das? Um die eh schon unübersichtliche Situation noch unübersichtlicher zu machen.

Da werden Handy-Videos von leeren Läden im OEZ gepostet und dazu behauptet, die Medien halten Informationen von Schießereien und Toten innerhalb des Einkaufszentrums zurück. Auf den Videos sind dan weder Schüsse zu hören, noch Tote oder Verletzte zu sehen. Keine Panikreaktionen, keine Polizei. Da liegt die Vermutung nahe, mit solchen Behauptungen möchte sich lediglich jemand wichtig machen.

Es werden Videos aus der Innenstadt gepostet, wieder mit der Unterstellung, die Medien wollen uns Informationen vorenthalten. Von Schüssen, Toten und Verletzten wird schwadroniert. Zwar sind Polizeieinheiten und auch panisch flüchtende Menschen zu sehen, nicht aber Tote oder Verletzte. Auch Schüsse sind nicht zu hören.

Auf einer Webseite ist man schnell mit der Behauptung, der Täter sei ein Nazi und schieße mit einem Maschinengewehr um sich, zur Hand. Anderen Ortes werden Parallelen zu Utøya gezogen oder wahlweise Frau Merkel als Verantwortliche ausgemacht.

Instrumentalisieren und ausschlachen

Ohne auch nur die blasseste Ahnung zu haben, was tatsächlich passiert ist, wird die Situation bereits instrumentalisiert.

Von den einen, um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Von anderen, die steif und fest darauf beharren, dass alles Ungemach automatisch von den Nazis ausgehe. Selbst wenn sich gegenteilige Beweise nicht mehr leugnen lassen.

Was ein gestandener Verschwörungstheoretiker ist, lässt sich von der Realität nicht so ohne weiteres abbringen.

Jetzt bleibt abzuwarten, bis die Law and Order Fraktion wieder von schärferen Gesetzen, mehr Polizei und natürlich der Vorratsdatenspeicherung krakehlen.

Keine Entwarnung

Wenn noch mal jemand fragt, warum die ganze Stadt im Mitleidenschaft gezogen worden ist, warum der MVV stundenlang nicht gefahren ist und die Polizei, selbst nach dem Tod des Attentäters, keine Entwarnung gegeben hat:

"Die Sicherheitshinweise an die Bevölkerung mussten gestern Abend jedoch auch nach diesem Täterkontakt aufrecht gehalten werden, da Zeugenhinweise zu weiteren möglichen Tätern sowie viele Anrufe beim Polizeinotruf zu zusätzlichen Ereignissen im Stadtgebiet erst genau überprüft und mit Sicherheit ausgeschlossen werden mussten."

Zu verdanken haben wir das offenbar weniger schlechter, vielmehr guter und ernst gemeinter Polizeiarbeit.

Was soll die Polizei anderes machen, als Hinweisen nachzugehen? Einem Hinweis als solchen ist oft schwer anzumerken, ob er ernst zu nehmen ist oder ob sich Wichtigtuer und Querulanten dahinter verbergen.

Dass sich hingegen einige Hinweise, etwa die Vermutung, es handele sich um drei, statt um einen Täter, als Hinweise auf, als solche nicht erkennbare, Polizisten in Zivil mit Waffe im Anschlag bezogen, spricht dafür, dass nicht wirklich alle Beamte professionell gearbeitet haben.

Am Ende des Tages ist es bedauerlich, dass sich auch Menschen im eigenen Freundeskreis an Panikmache und Spekulation beteiligen.

Verneigung vor dem Terror

Am Tag nach dem Amoklauf sind viele Veranstaltungen abgesagt worden. Warum? Aus Respekt vor den Opfern? Aus Trauer?

Letztlich spielt das keine Rolle. Es spielt auch keine Rolle, welche Beweggründe der Täter tatsächlich hatte. Eine Einschränkung des öffentlichen und kulturellen Lebens ist in jedem Fall ein Einknicken vor dem Terror. Damit hat der Terror auch uns in München fest im Griff.

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