Streik Schmarotzer

08.03.2012

Egal ob die Müllabfuhr streikt und es im Hinterhof erbärmlich stinkt, oder die Fluglotsen und man nicht rechtzeitig in den Urlaub kommt. Irgendjemand fühlt sich immer belästigt. Selbst wenn es die Automobilzulieferer sind und der neue Benz nicht wunschgemäß vor der Tür protzt.

Streiks nerven.

Nun ist es aber einmal so, dass es zum einen ein Streikrecht gibt und zum anderen Streiks notwendig sind, solange die Arbeitgeber nicht von sich aus willens sind, ordentliche Löhne zu zahlen und für anständige Arbeitsbedingungen zu sorgen. Das gilt für die freie Wirtschaft ebenso wie für den öffentlichen Dienst. Basta.

Jetzt ereifert sich Herr Braunmüller von der Abendzeitung in seinem Kommentar über bestreikte Kinderkrippen und lahmgelegten Nahverkehr.

Sehen wir uns die Sachlage etwas näher an.

Zunächst die Kinderkrippen:

In Kinderkrippen arbeitende Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen werden bei hochqualifizierter Ausbildung erbärmlich schlecht bezahlt. In einem ähnlichen Arbeitsumfeld würde sich jeder Zeitungsredakteur weigern auch nur einen Tag zu arbeiten.

Kleine weil kindgerechte Tische und Stühle gehen aufs Kreuz. Lärmende Kinder, weil Kinder nun mal lärmen, nagen an den Nerven. Die Personaldecke spottet jeder Beschreibung und wird durch Überbürokratisierung obendrein fachfremd missbraucht.

Die Arbeitgeber, seien es Verbände der Wohlfahrtspflege, private Initiativen oder eben der öffentliche Dienst, können oder wollen diese Bedingungen nur ungerne verbessern. Was bleibt? Schlucken und Frühverrenten? Oder aktiv werden und streiken!

Ein Streik soll den Arbeitgeber treffen. Klar. Ihn treffen und zwingen, die Verhältnisse zu verbessern. Ein Streik ist per Definition eine kollektive Arbeitsniederlegung und wenn Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen die Arbeit niederlegen, dann bleiben die Krippen eben zu. (Wobei erfahrungsgemäß oft ein Notbetrieb aufrecht erhalten wird.)

Die Arbeitgeber könnten sich jetzt zurücklehnen und sagen, ist uns doch egal, Kinderkrippen sind eh kein Gewinngeschäft und wenn wir obendrein keine Löhne zahlen müssen, umso besser. Dass dies nicht passiert ist dem öffentlichen Druck geschuldet der durch die geschlossenen Einrichtungen entsteht.

Das mag für den einzelnen bedauerlich sein, ist aber die einzige Möglichkeit für die Beschäftigten sich Gehör zu verschaffen.

Wenn nun Herr Braunmüller mokiert, er sei nicht die richtige Adresse für Tarifforderungen, so sei ihm entgegengehalten er ist immerhin Nutzniesser der schlechten Bedingungen. Es wäre es an ihm, sich an die richtige Adresse zu wenden und seinem Ärger Luft zu machen. Solange er der Ansicht ist, die richtige Adresse seien die Beschäftigten, solange werde ich ihn einen Schmarotzer heissen. Wenn er in einem Flugblatt das über den Streik aufklärt lediglich einen pampigen Wisch sieht, dann sei ihm auch noch ein bornierter Ignorant um die Ohren gehauen.

Und ein paar Worte zum Nahverkehr:

Auch hier sind die Arbeitsbedingungen nicht immer rosig. Schichtdienst, betrunkene Kundschaft, Pöbeleien, ich denke so manch ein MVV-Pilot kann ein Lied davon singen.

Vom Gehalt eine Familie ernähren? Ich möchte mal sehen, wie das der Herr Redakteur bewerkstelligen würde.

Wie heisst es so schön? Man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Und wir, Herr Braunmüller, werden uns sehen, wenn die Zeitungen bestreikt werden. Wenn Du meinst, die Leserschaft als Geisel nehmen zu müssen. Dann werde ich Dich erinnern an dein pampiges Geseiere. Denn der Leser ist hier auch nicht die richtige Adresse.

Als Nachsatz:

Lustige Idee, Erzieherinnen und U-Banhschaffner aufzufordern, Herrn Udes Büro und Dienstwagen zu bestreiken. Hut ab. Wusste garnicht, dass sich des Bürgermeisters Personal aus U-Bahn und Kindergarten rekrutiert.

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