Rufmord - Mordruf

mens sana in corpore sano

Kampagne

12.02.2013

In Politikerkreisen ist es ja gang und gäbe, negative Presse über die eigene Person schnell in die böse Kampagnenecke zu schieben. Ungerecht behandelt fühle man sich. Und sebstredend völlig unschuldig.

Die Geschichte lehrt, selten ist ein Politiker unschuldig, wenn die Presse auf ihn los geht. Und nicht selten ist die Behandlung weniger ungerecht, denn begründet.

Im Umgang mit vermuteten oder tatsächlichen Kampagnen haben sich in der Vergangenheit ein paar Politiker-Archetypen herauskristallisiert:

1. Der empörte Heuchler

Gerade hier tummelt sich einiges mit Rang und Namen. Besser: Was ehemals Rang und Namen hatte. Denn je mehr sich einer empört, desto schwerwiegender sind oftmals die Ursachen. Man denke nur an Guttenberg. Mit welchen Kraftausdrücken der gute Mann versucht hat die Presse einzuschüchtern.

2. Der zu unrecht Verdächtigte

Mag sein, dass sich in dieser Kategorie der Herr Wulff wiederfinden wird. Weil die Staatsanwaltschaft keine strafrechtliche Relevanz in seinem seltsamen Gebaren finden kann.

Vielleicht auch Herr Gysi, der mit erstaunlicher Hartnäckigkeit immer wieder in die Nähe der Stasi gerückt wird. Ohne dass bislang ein Beweis auf den Tisch gelegt werden konnte.

3. Der Ungeschickte

Hier pack ich mal Steinbrück und Brüderle hin. Undurchdachte Bemerkungen in Anwesenheit von Journalisten können bös nach hinten los gehen. Dass sollte langjährigen Vertretern der Politikerzunft bewusst sein.

4. Die "von der hätten wir das nicht gedacht"

Frau Schavan, nun ja, vor über 30 Jahren schlecht gearbeitet, sich dann nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Von der Vergangenheit eingeholt - blöd gelaufen.

Was allen gemeinsam: Keiner der genannten wird für seine politische Arbeit zur Rechenschaft gezogen. Und da könnt ich kotzen.

Den vorgenannten bin ich mit unterschiedlicher Abneigung verbunden oder hege versteckte, gar offensive Sympathie. Und doch möchte ich für alle gemeinsam eine Lanze brechen: Wenn sie sich eines Vergehens schuldig gemacht haben, dann sollen sie dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden. Aber nicht durch Kampagne, Presse, Lynchmob, sondern wie jeder andere auch durch ein ordentliches, rechtsstaatliches Verfahren.

Aber was will man erwarten in einer Zeit, in der Politik mehr in Talkrunden, der Boullevardpresse und last but not least vor dem Verfassungsgericht denn im Parlament stattfindet?

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Verbieten

Feuerwerk und Lebensfreude? Verbieten, verbieten, verbieten...

Sonne

Eine Bürgerinitiative zieht von Bürgerversammlung zu Bürgerversammlung, um ein Verbot der jahresendlichen Feuerwerkssitten zu erreichen.

Jetzt hat sich Münchens Oberbürgermeister zu Wort gemeldet und dabei einen recht beachtlichen Satz gesagt:

"Ich kann sehr gut verstehen, dass die Leute immer mehr Umweltbewusstsein entwickeln."

An 364 Tagen im Jahr geht dem Münchner das Umweltbewusstsein vorwiegend am Arsch vorbei. Da darf der Bolide Dreck in die Luft pumpen, die Bio-Banane in Plastik verpackt werden, der Togo-Becher in die Ecke geworfen werden.

An einem Tag im Jahr kommt das Umweltbewusstsein dann zusammen mit den guten Vorsätzen ums Eck und sagt: Jetzt wird es Zeit ein Zeichen zu setzen. Und warum nicht den böllerliebenden Zeitgenossen ihre Lebensfreude abzwicken.

Die Hunde, der Dreck, der Feinstaub. Da kann dann niemand reinen Gewissens dagegen argumentieren.

Kann er nicht? Kann er doch!

Ich, der ich seit Jahren nicht böllert, ich sage euch, sobald die Stadt befreit ist von Autoabgasen, von Laubbläserlärm, von U-Bahnmusik und roten Ampeln nach Mitternacht, ich werde in vorderster Front gegen ... nein, werde ich nicht, weil mir die Verbieterei der Lebensfreude auch dann entschieden auf den Sack gehen wird.

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