Das Dinge Paradoxon

12.07.2016

Es gibt eine Theorie, die besagt, dass es für jedes Ding, das von Menschenhand hergestellt wurde auch einen Menschen gibt, der es besitzen will. Warum auch sonst sollte eine Menschenhand solch ein Ding herstellen.

Das hört sich logisch an, das hat auch einen gewissen Charme. Besonders wenn man sich auf einem Flohmarkt befindet und Stände bestaunt, an denen Unmengen an Dingen feil geboten werden, zu denen sich die Frage aufdrängt "wie um alles in der Welt kann jemand vom Verkauf solcher Dinge leben?"

Betrachtet man also verträumt einen dieser Stände, dann werden einem nach und nach ein paar einschneidende Probleme der eingangs aufgestellten Theorie klar:

Das Orte-Problem, das Zeit-Problem und das Hippie-Problem.

Das Orte-Problem

Das erste Problem, um dessen Lösung sich unter anderem der Flohmarkt, auch aber mittlerweile einige Internetdienste drehen, ist das Orte-Problem. Oftmals befinden sich das Ding und der Mensch, der es besitzen möchte an zwei verschiedenen Orten.

Das Ding vielleicht in einem muffigen Keller, zwischen vielen anderen Dingen. Der Mensch hingegen verzweifelt in einer ganz anderen Stadt.

Dem wollen Flohmarkt und ebay Abhilfe schaffen. Die Reichweite und der Service des Flohmarktes sind sehr beschränkt und nicht jederzeit verfügbar. Internetdienste bieten um einiges mehr an Service und sind rund um die Uhr erreichbar. Trotzdem finden Ding und Mensch nicht immer zusammen.

Das Zeit-Problem

Für das zweite, das Zeit-Problem ist bislang kein zukunftsweisender Lösungsansatz bekannt. Oft ist es ja so, dass sich das Ding in einer ganz anderen Zeit befindet, als der Mensch, der es besitzen möchte. Zu beobachten ist die Auswirkung auf jedem gut sortierten Flohmarkt. Irgendwo ist immer ein Stand, der größere Mengen veralteter Hardware feil hält. Während also die Hardware im hier und jetzt ihr Dasein fristet, befindet sich der besitzwillige Mensch vielleicht in den 1990er Jahren.

Das Hippie-Problem

Das Hippie-Problem - auch Hippie-Paradoxon - ist ganz eng an die Geschichte des Flohmarktes gebunden. Eigentlich ist das Hippie-Problem ohne Flohmarkt gar nicht vorstellbar. Das Problem manifestiert sich darin, dass es immer mehr Hippies gibt, die Hippiekram herstellen, allerdings immer weniger Hippies, die Hippiekram besitzen wollen. Der Markt für Pluderhosen und Bastelschmuck ist seit langem ausgereizt. In Wissenschaftskreisen wird dazu auch Überproduktion gesagt.Wer kann davon leben?

Für alle drei Probleme gibt es bislang nur unzureichende Lösungsansätze, also bestenfalls Krücken. Folglich wird es auf absehbare Zeit eine wachsende Menge an Dingen geben, für die sich kein stolzer Besitzer mehr finden lässt. Und ebenso eine stetig wachsende Zahl an Menschen, die immer verzweifelter versucht davon zu leben, Besitzer für Dinge zu finden.

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Erich Mühsam

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=E. Mühsam=

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