Oktoberfest

27.09.2014

Es gibt die, die es mögen und die, die es nicht mögen. Die, die es nicht mögen, mögen oft Dinge, die die, die es mögen, nicht mögen.

Und umgekehrt.

Die Theresienwiese, so scheint es, ist zwei Wochen lang der Ort, wo Italien seine Leute zum Speibn und England seine Leute zum Brunzn hinschickt.

Doch der Schein trügt, selbst alteingesessene Münchner schonen zu der Zeit ihre Toiletten und erleichtern sich zu Füßen der Bavaria.

Die Würde des Menschen ist aufgehoben

Sicher, der Bierpreis auf des Volkes Fest jagt von Rekord zu Rekord. Der einfache Geldbeutel wird aufs äußerste strapaziert. Dennoch: Flaschenbier auf dem Weg zur Festwiese? Das ist würdelos. Bereits im Vorfeld der Feierei mit schlechten Manieren auf sich aufmerksam zu machen, ist Belästigung auf niedrigstem Niveau.

Doch selbst Wiesnbesucher, die sich für gewöhnlich im Griff haben, sind vor dem Verlust der Contenance nicht gefeit.

Wenn sich erst der Alkohol eingepegelt hat, dann beginnt auch der besonnenste Mitmensch zu peinlichster Musik zu schunkeln und zu gröhlen. Der Manager macht sich neben der Buchhalterin zum Affen und erwartet, am nächsten Tag wieder ernst genommen zu werden.

Dirndl Zwang

Der Münchner ist zur Jahrhundertwende, also der von 1900, im Sonntagsstaat zum Ort des Ereignis gepilgert. Zur nächsten Jahrhundertwende, also der von 2000, eher leger in Jeans und Alltagsklamotten.

Erst das neue Jahrhundert wird der Renaissance der Tracht gewahr. Der Tracht? Dazu wurde schon viel gesagt, wenig richtiges zwar, aber eben viel.

Von Seiten der Trachtenvereine wird gepoltert, die Landhausmode sei scheußlich. Die Landhausmode hätte nichts mit Tracht zu tun. Die Trachtenvereine sehen sich hier in der Pflicht als Hüter der Tradition. Ganz im Sinne des Satzes "Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme", wird hier um das Bewahren der Asche gestritten.

Wer also meint, sich nach Tradition und Tracht zu kleiden, wird in einschlägigen Modehäusern vorstellig und deckt sich mit Lederhosn, Haferlschuh und Dirndl ein. Mit dem guten Gefühl, jetzt wie ein ordentlicher Münchner gewandet zu sein, stolziert die solchermaßen ausgestattete Familie strebigen Schrittes den Festzelten entgegen.

Das geschulte Auge jedoch weiß, hier handelt es sich um Miesbacher oder Chiemgauer Tracht. Oder einem wilden Mix aus beidem.

Der Zugroaste, gerne aus Australien oder Hannover, hingegen hüllt sich in alles, was irgendwie alpenländisch exotisch daher kommt. Er schreckt dabei auch vor Billigfilzhüten in unerträglichem Pink nicht zurück.

Lasst Euch gesagt sein, eine wirkliche Münchner Tracht gibt es nicht, hat es wahrscheinlich nie wirklich gegeben. Und das, was Ihr am Leibe tragt, das hat nicht mit München zu tun.

Ach ja, und das schon gar nicht:

Trachtengwand

Trachtengwand

Massenhaft billigfilzige Sepplhüte oder weiss-blau-gerautete Masskrüge auf den biergetränkten Häuptern, das ist eine Beleidigung für Kultur und Zivilisation.

Bier statt Obst und Gemüse

Manch Geschäft im direkten Einzugsbereich des Oktoberfestes richtet sein Sortiment für 14 Tage an den marodierenden Massen aus. Wo das Jahr über frisches Obst und Gemüse feil geboten wird, stehen dieser Tage Paletten des begehrten Gerstensaftes:

Gemüsemarkt?

Gemüsemarkt?

München kotzt

Erfahrungsgemäß gibt es bei Alkoholkonsum mehrere Stadien, von denen ein paar erstrebenswert erscheinen, andere kaum:

Angeheitert - Lustig - Ausgelassen - Aufdringlich - Peinlich - Kotzen - ab ins Koma.

Die Atmosphäre in den Bierzelten gaukelt dem engagierten Trinker selbst kurz vor dem Koma ein Gefühl der Ausgelassenheit vor. Diese Fehleinschätzung wird seit Jahren akribisch dokumentiert: München kotzt.

Oa Mass brunzt - Zwoa Mass gspiebn

Oa Mass brunzt - Zwoa Mass gspiebn

Liebe Gäste, liebe Einheimische, liebe alle Feierwütige, versucht in unser aller Sinne das Oktoberfest mit ein wenig Anstand zu begehen. Eurem Spaß tut das keinen Abbruch und weniger Feierwillige haben nicht so unter Euch zu leiden.

In diesem Sinne: O-Saft is...

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Subkultur

Geist

Mister

Ich soll jetzt also was über mich sagen? Weil das irgend wen interessiert? Das soll ich glauben?

Also gut. Ich werde oft gefragt, wie ich zu meinem Namen komme.

Der Name "Geist", also Geist wie Gespenst, kommt aus meiner Gruftiezeit... ach Quatsch, war ja nie ein Gruftie.

Eher so methaphysisch also. Inhaltsschwanger und philosophisch. Wär schön, sich mit sowas zu schmücken. Ist aber Unsinn.

Dann vielleicht religiös. So heiliger Geist und Dreifaltigkeit und so Sachen? Daraus ließe sich sicher was drehen. Gehört aber auch in das Reich der Sagen und Märchen.

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