Nöte der "Besorgten Bürger"

15.09.2019

Nach den Wahlen in Sachsen und Brandenburg waren viele Mikrofone unterwegs, die vor allem AfD-Wählern unter die Nase gehalten wurden, um in Erfahrung zu bringen, was denn der Anlass sei, sein Kreuzchen bei einer Rechtsextremen Partei zu machen.

Was dann in diese Mikrofone hinein gesprochen wurde, das lässt einen denkenden Menschen kopfschütteln.

Exemplarisch möchte ich hier ein paar Aussagen herausgreifen und im Schnelldurchlauf auf ihren Realitätsgehalt abklopfen.

Kategorie I

Die eine Hälfte der Nöte der "Besorgten Bürger" ist irreal und spiegelt sich in der Realität in keinster Weise wider. Auf diese Nöte bieten die Populisten von der AfD einfache, knackige und radikale Antworten.

Zu viele Ausländer.

Je größer die Angst der "Besorgten Bürger" vor zu vielen Migranten, desto weniger Kontakt haben die Menschen mit Migranten. In Brandenburg und Sachsen leben besonders wenige. Je mehr Kontakt zu Migranten besteht - vor allem in den Großstädten - desto weniger Angst haben die Einheimischen. Das schlägt sich auch in den Wahlen nieder.

Zu viel kriminelle Ausländer.

Statistiker und Polizei werden nicht müde, zu belegen, dass die Kriminalität mit Beteiligung von Migranten nicht oder nicht erheblich größer ist, als die Kriminalität unter Deutschen.

Kategorie II

Die andere Hälfte der Nöte dieser "Besorgten Bürger" sind Nöte die es schon immer gegeben hat, die auch "Gutmenschen" umtreibt. Auf diese Nöte hat die AfD keinerlei Antworten.

Keine bezahlbaren Wohnungen.

Schon zu meinen Studienzeiten - sicher auch schon weit aus früher - waren bezahlbare Wohnungen Mangelware. Keine Partei, keine Regierung, nicht die Bauindustrie und kein Investor hat da jemals etwas entscheidend geändert. Obschon sich Parteien und Regierungen immer wieder Rezepte und Pläne einfallen lassen, die sich leider bislang alle als nicht praxistauglich herausgestellt haben. Die AfD hat hier noch nicht einmal Pläne vorzuweisen.

Keine Jobs.

Es gibt Boomregionen und es gibt Wenigerboomregionen und es gibt Regionen, wo einfach gar nichts geht. Das hat im Allgemeinen recht wenig mit Politik zu tun. Politiker können keine Arbeitsplätze aus dem Boden stampfen. Da ist die Wirtschaft gefragt, da ist Eigeninitiative gefragt, da muss es ein Angebot geben und es muss eine Nachfrage geben. Nichts davon kann die AfD bieten.

Schlechte Bezahlung.

Im Großen und Ganzen gilt in Deutschland Tarif- und Vertragsfreiheit. Und wenn für einzelne Regionen Löhne und Gehälter ausgehandelt werden, die unter dem Niveau anderer Regionen liegen, dann ist das Sache der Tarifpartner. Der Gewerkschaften, der Arbeitgeber, vielleicht Sache des ganz individuellen Verhandlungsgeschicks. Nicht jedoch der Politik, nicht des Wählers und schon gar nicht der AfD.

Ich wage zu behaupten, dass alle Nöte der "Besorgten Bürger", ebenso wie alle Punkte eines AfD Wahlprogramms, sich in eine dieser beiden Kategorien einordnen lassen.

Die Kategorie I ist eigentlich keine weitere Erwähnung wert. Es ist auch nicht angezeigt, für Menschen, die mit diesen Nöten hausieren gehen ein Ohr, geschweige denn eine Bühne bereit zu halten.
Kategorie II hingegen ist das Schlachtfeld von konservativ und progressiv, von solidarisch und egoistisch, von freier und sozialer Marktwirtschaft. Hier sind Lösungen gefragt. Hier ist es wenig hilfreich, wenn frei von jedem Konzept Ängste, Hass und Aversionen geschürt werden.

Fazit

Wenn die Politik endlich in die Gänge käme, die realen Probleme anzugehen, dann wäre die AfD schnell eine Ein-Themen-Randerscheinung und würde ähnlich schnell von der Bühne verschwinden, wie das schon die Republikaner oder die DVU gemacht haben.

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Gemüse

Tomatenbrutkasten

Tomatenbrutkasten

Sonne mögen sie, wird einem gesagt. Je mehr, desto besser. Also legte ich sie jahrelang auf die Fensterbank, direkt in die Sonne.

Ich wunderte mich, ich war oft enttäuscht... die grünen Tomaten wurden nicht rot. Sie trockneten aus, sie verfaulten.

Alles falsch, so weiß ich heute. Licht und Sonne haben keine Auswirkung auf das Nachreifen noch junger Tomaten.

Grüne Tomaten mögen es warm, 16 - 25°C sind optimal, und dunkel darf es sein. Sie sollten sich nicht berühren, da sonst schnell Druckstellen und Fäulnis entstehen. Als Behältnis eignet sich ein Karton. Ich bevorzuge eine geräumige Schublade. Als Unterlage eignen sich Zeitungspapier oder ein flauschiges Handtuch. Vielleicht einen Apfel dazu packen, denn Äpfel gasen Ethylen, aus, das den Reifeprozess beschleunigt.

Warum der Aufwand? Grüne Tomaten enthalten Solanin und rote nicht. Solanin ist giftig und das mag man nicht.

Also ab mit den unreifen Tomaten in den Tomatenbrutkasten.

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