No Planet B

02.04.2019

Seit Jahren, nein, seit Jahrzehnten sehen wir zu, wie die Umwelt immer mehr vor die Hunde geht. Wir lesen es in der Zeitung, wir lesen es in Internet. Es tönt uns aus dem Fernseher entgegen, auch aus dem Radio.

Verwundert reiben wir uns Jahr für Jahr die Augen, welch klägliche Ergebnisse internationale Klima- und Umweltschutzkonferenzen zustande bringen.

Unsere Generation schon hob den Zeigefinger in Richtung Altvorderen, welch einen Müllhaufen als Welt sie gedenkt uns zu hinterlassen.

Hat sich seither etwas verbessert? Seht euch um und urteilt selbst.

Wenn ich zurück sehe auf die Welt der 80er und 90er Jahre, wie drollig erscheinen da unsere Sorgen um Waldsterben, saurem Regen oder Flüssen, die mehr Chemie als Wasser führen. Die Meere waren noch Meere voll klarem Wasser. Die Luft konnte man bedenkenlos atmen. Das Wasser aus Fluss und Quellen gehörte noch denjenigen, die davon abhängig waren und nicht irgendwelchen Großkonzernen.

Wir organisierten Bestellungen für Umweltschutzpapier, verzichteten aufs Auto und klaubten unseren Müll nach jeder Flaucherparty artig zusammen. Wir hatten die Hoffnung, mit kleinen Schritten, mit gutem Vorbild und mit Verzicht auf das Verzichtbare, die Welt ein klein bisschen besser zu machen.

Heute habe ich das Gefühl, dass bei jedem unserer Schritte in Richtung besserer Welt jemand anderes zwei Schritte in die andere Richtung unternommen hat. Verzichtet eine Familie aufs Auto, schafft sich eine andere einen Zweitwagen an. Schleppt der eine seinen Pfandbierkasten zum Getränkemarkt zurück, schmeißen zwei andere ihre Plastikflaschen ins Gebüsch. Meint der eine, ein Smart tut es für die Stadt allemal, wird er von vorbeiziehenden SUV-Fahren verächtlich belächelt. Rüstet ein Bauer auf Bio um, fördert die Politik anderen Ortes zwei Legebatterien. Macht der eine Urlaub am Bodensee, fliegen zwei andere in die Südsee.

Sehen wir uns das Pfandsystem an.

Ich kenne es aus meiner Kindheit nicht anders, als Mineralwasser, Limo oder Spezi aus Flaschen, die nach Genuss zurück gebracht wurden. Zurückgebracht, gewaschen und wieder befüllt. Das System hat prima geklappt und war ausgezeichnet organisiert. Milch? Das war noch problematisch, die kam im Tetrapack. Experimente mit stählernen Kühen in den Supermärkten wurden rasch wieder eingestellt. Milch in gläsernen Pfandflaschen, oh Wunder, das hat funktioniert.

Jenseits meines Kosmos hat sich dabei eine Plastikflaschenindustrie entwickelt, die sich um die Entsorgung ihrer Gebinde nicht die Bohne gesorgt hat. Die Flaschen landeten in der Botanik oder wurden mit dem Hausmüll verbrannt. In der Botanik hatte man sie nicht so gerne, also hat sich der Gesetzgeber ein lustiges Modell überlegt. Die Flaschen mögen doch zurück gebracht werden, um sie dann gesammelt zu entsorgen. Also zu verbrennen. Mit Kuststoffrecycling war da noch nicht viel.

Warum hat man nicht einfach das funktionierende Pfand- und Wiederverwendungssystem für alle zur Bedingung gemacht?

Apropos "für alle". Selbst die Rücknahme für Einwegbehältnisse gilt nicht für alle. Saftflaschen oder Milchtüten können nach wie vor pfandfrei auf den Markt gebracht werden. Warum? Weil der eine oder andere Hersteller Wettbewerbsnachteile befürchtet? Leute, wenn eine Regelung für alle ohne Ausnahme gilt, dann ist das kein Wettbewerbsnachteil.

Es wäre so einfach, ein sichtbares Zeichen gegen Plastikmüll zu setzen. Ein Pfandsystem zugunsten von wiederbefüllbaren Flaschen für ganz Europa. Doch was macht Europa? Es verbietet Strohhalme und Luftballonhalter.

Sehen wir uns Plastiktüten an.

In die Plastiktüte kann ich meinen ganzen Einkauf stopfen. Die Plastiktüte kommt dann daheim zu den anderen Plastiktüten. Diese Tüten werden dann ein zweites Mal benutzt, vielleicht ein drittes Mal. Manche Plastiktüte landet bei Freunden und kommt gelegentlich zurück. Letzten Endes landen sie alle im Müll. Doch nicht einfach so. Sie nehmen ganz viel Müll in sich auf, bewahren die Küche vor auslaufenden Speiseresten und erleichtern den Weg zur Mülltonne ungemein.

Jetzt verschwinden die Plastiktüten aus den Supermärkten und werden durch Papiertüten ersetzt. Diese Papiertüten eignen sich zwar auch zum Warentransport - wobei mir die weitaus öfter reißen, als ihre Kunststoffbrüder - und auch ein zweiter oder dritter Einsatz - so sie nicht gerissen sind - ist durchaus möglich. Für die kurzzeitige Aufbewahrung von Küchenabfällen hingegen sind sie kaum geeignet. Ein klein wenig Feuchtigkeit und man hat die Suppe auf dem Boden.

Was macht also der reinliche Müllbeseitiger? Er rennt in den Supermarkt und kauft sich Müllbeutel. Aus Plastik, versteht sich. Diese Müllbeutel werden nun mit Sicherheit nicht zwei oder drei Mal her genommen. Sie landen bestimmungsgemäß direkt im Müll.

Das vielgepriesene Verschwinden von Plastiktüten an der Supermarktkasse entlarvt sich schnell als reine Augenwischerei. Ja, und als prima Geschäft für die Müllbeutelindustrie. Letztlich wird kein Sackerl weniger produziert und landet auch kein einziges Sackerl weniger in der Müllverbrennung.

Sehen wir uns den Verpackungsmüll an.

Während also die Plastiktüten aus dem Supermarkt verschwinden, sieht man im Supermarkt kaum noch eine Ware, die nicht in Plastik verpackt ist. Gelegentlich auch Doppelt und dreifach. Ein Sixpack in Plastik eingeschweißt. Eine Pomelo in Folie und darum herum ein Plastiknetz. Salat in Plastik, Joghurt in Plastik, Wurst in Plastik. Ich habe Plastikflaschen gesehen, die noch einmal in Plastik gepackt sind. Die Krönung vielleicht: Eine geschälte Banane in Plastikschale eingewickelt in Plastikfolie.

Bei manchen Produkten macht der Plastikanteil mehr aus, als das eigentliche Produkt. Zwei, drei Scheiben Wurst in der Blisterverpackung. Und doch schreiben die Supermärkte in grün auf ihre neuen Papiertüten, wie umweltfreundlich sie doch seien.

Augenwischerei? Nein, einfach nur pervers.

Sehen wir uns das Auto an.

Eigentlich möchte ich mir das Trauerspiel gar nicht mehr ansehen. Zumal ich schon gelegentlich meine Meinung dazu kund getan habe. Der Vollständigkeit halber aber doch.

Während die Städte in Smog und Feinstaub versinken, drängen immer größere Boliden mit immer mehr Leistung auf den Markt. Es mag sein, dass die Entwicklung des Verbrennungsmotors den Kraftstoffverbrauch über die Jahre hinweg immer weiter reduzieren konnte. Das macht die Größe der Autos jedoch bei weitem wieder wett. Und wenn der Verbrauch tatsächlich nicht auf ein gewünschtes Maß reduziert werden kann, dann wird eben eine Software eingebaut, die das vorgaukelt.

Ach nein, weiter möchte ich auf das Thema heute wirklich nicht eingehen.

Fridays for Future

Es ist wenig erstaunlich, dass die Jugend von heute auf die Straße geht und diesmal uns den Finger entgegenstreckt. Denn die Welt, die wir ihnen zugedacht haben, ist wirklich in keinem guten Zustand. Diese Jugend hat alles Recht der Welt, laut zu sein, empört zu sein und ihrer Wut Luft zu verschaffen. So lange ihr vor gehalten wird, sie denke dabei nicht an die Arbeitsplätze, nicht an die Wirtschaft und überhaupt sei sie nicht qualifiziert dazu und sollte die Rettung der Welt besser Fachleuten überlassen, so lange soll sie ihren Protest über Deutschland, über Europa, über die ganze Welt verbreiten. Ich wünsche ihr einen langen Atem. Und dass sie es besser macht, wo wir nicht in der Lage dazu sind.

Darauf einen kräftigen Schluck aus dem Wasserhahn. 

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Stout

Schönramer Imperial Stout

Schönramer Imperial Stout

Riecht dunkel, schmeckt dunkel, ist dunkel. Und das so was von. Da kann kein Kaffee mithalten, kein Cola und auch kein Guinness.

Gebraut aus drei Sorten Malz und das schmeckt man.

Läuft ölig die Kehle hinunter... bei 9,5% sollte jedoch nicht zu viel laufen.

Schweinsbraten kann ich mir dazu ganz gut vorstellen.

Im Hintergrund gerne schwere, getragene Musik. Vielleicht was von H.P. Zinker.

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