Nachgelagerte Studiengebühren

22.11.2012

Die neueste Idee der Koalition in Bayern, die "nachgelagerten Studienbeiträge", ist so bescheuert, die könnte von mir sein.

Ich hätte dazu gleich noch ein paar weitere Vorschläge. Wie wäre es mit einem nachgelagerten Rentenbeitrag? Sozusagen als Aufschlag auf die Beerdigungskosten.

Oder nachgelagerte Steuern. Erst wenn eine Regierung das umgesetzt hat, was sie versprochen hat, werden Steuern fällig.

Studiengebühren

Aber zurück zum Thema.

Allenthalben wird lamentiert, in Deutschland gäbe es zu wenig ausgebildete Fachkräfte. Und das egal auf welchem Gebiet. Im Gegenzug haben wir jede Menge Arbeitslose, Schulabbrecher, Ungelernte und "prekär" Beschäftigte.

Während nun auf der einen Seite um Zuzug gut ausgebildeter Fachkräfte aus dem Ausland geworben wird, unternimmt man im Inland alles nur erdenkliche, um möglichst wenig für Bildung ausgeben zu müssen.

Irgendwo im Hinterkopf schleicht da ein Gedanke herum. Da war doch mal was. Deutschland hat kaum nennenswerte Rohstoffe. Die Arbeitskosten in Deutschland sind relativ hoch. Was bleibt? Genau: Wissen und Bildung.

Während nun verschiedene Pisastudien ein ums andere Mal belegen, dass es mit der Bildung nicht so weit her ist, andere Studien belegen, dass der Rest Bildung sehr elitär verteilt wird, stehen die Bürger staunend vor ihren Regierungen und sehen doch tatenlos zu, wie das Bildungssystem weiter verhunzt wird.

Die Misere schleppt sich durch. Von der Kinderkrippe bis zur Rente.

Einschulung

Auf Druck von Wirtschaft oder sonst wie verqueren Ideen wird mit dem Gedanken gespielt, Kinder bereits mit fünf, denn mit sechs Jahren einzuschulen.

Es bleibt der Weisheit der Eltern überlassen, die Kinder von diesem Wahnsinn zu befreien.

Wobei das natürlich auch zu absurden Situationen führen kann. Ich denke dabei etwa an eine neunte Klasse, in der früh eingeschulte Buben mit 12, 13 Jahren auf spät eingeschulte Mädchen mit 16, 17 Jahren treffen.

So hätten Mädchen die Chance, ihre Pubertät in der Grundschule auszuleben und die Buben eben nach der Schule.

Umgekehrt natürlich auch interessant. 17 jährige, sozusagen junge Männer, zusammen mit 12 jährigen Mädchen, quasi Kindern.

Weiterführende Schulen

Wider besseren Wissens wird an der Auslese nach der vierten Klasse festgehalten. Die Schlechten in die Hauptschule, die Guten ins Gymnasium.

Die Idee von Gesamt- oder Gemeinschaftsschulen ist nicht neu. Bewährt haben sich entsprechende Schulsysteme allenthalben. Der neidische, hm ne, besser der anerkennend, wenn nicht bewundernde Blick schweift nach Norden in Richtung Finnland.

Hier sehr anschaulich dargestellt:

(Bildungssystem in Finnland)

Während andere Länder also vor Augen führen, dass möglichst langes gemeinsames Lernen zu erstaunlichen Ergebnissen führt, vollführt unsere Bayerische Staatsregierung die wundersamsten Bauchaufschwünge, um nur ja nicht das sozialistische Teufelszeug Gesamtschule einführen zu müssen.

Und da ist, alle Achtung, ordentlich Kreativität gefragt. Wer sich ein genaues Bild machen will, kann zu diversen Werbeveranstaltungen von Gymnasien gehen, dort wird das Bildungssystem gerne anschaulich und ausführlich dargestellt.

Allein ein kurzer Blick auf die nächste Grafik zeigt, wie verworren und unübersichtlich sich das Deutsche gegenüber dem Finnischen Schulsystem ausnimmt:

(Wikipedia)

Man möchte fast sagen, "da muss man ja erstmal studieren, um das zu verstehen".

Äussert man nun die Frage, ob eine Gesamtschule nicht geschickter wäre, als ein undurchsichtiges Konglomerat unterschiedlichster Schultypen, bekommt man gerne zur Antwort: Dieses System ist so durchlässig und hat damit so viel Vorteile, blah und blub.

Klar, theoretisch kann man in Bayern von der Kinderkrippe direkt über den zweiten Bildungsweg seinen Doktor machen. In der Realität wird aber der Hauptschüler auf der Hauptschule bleiben und damit basta.

Tschuldigung, nicht ganz basta, zumindest in München gibt es auf der Hauptschule noch den sogenannten M-Zug. Der M-Zug ist ein besonderer Zweig der Hauptschule, der zur Mittleren Reife, also dem Realschulabschluss führt.

Ich könnt mich jetzt in den Absurditäten verlieren. Etwa der Abiturient, der keinen Hauptschulabschluss hat und sich damit schwer tut eine Lehrstelle zu bekommen. Oder dem Sozial-FOS Abgänger, der erst durch ein Sozipädstudium belegen muss, dass er auch BWL studieren kann.

Studium

Hat man nun den direkten oder indirekten Weg zum Abitur genommen. Hat man sich mit Taschengeld und Ferienjobs ein wenig Geld zurückgelegt. Legen die Eltern vielleicht was drauf. Ja dann kann man sich auf die Studiengebühren freuen.

500.- Euro im Halbjahr mögen einem FDP-Minister mit Gehalt und Nebeneinkünften lächerlich erscheinen. Mit überteuerter Studentenbude im Nacken sieht das ein wenig anders aus.

Gerne gehörtes Argument: Wer fertig studiert hat, verdient genug, um sich die Gebühren leisten zu können. Und manch naiver Studentenmund plappert den Unsinn nach. Was für einen angehenden Chirurgen vielleicht noch stimmen mag, ein Teilzeitpädagoge wird das nicht unterschreiben können.

Und schon dieses Argument nimmt vorweg, was die Blödsinnsidee von der "nachgelagerten Studiengebühr" zementieren möchte: Wer sich die Gebühren während des Studiums nicht leisten kann, möge doch einen Kredit aufnehmen.

Verschuldet, so stell ich mir einen Start ins Berufsleben vor. Auf der Basis vielleicht noch eine Familie gründen. Aber das geht jetzt zu weit vom Thema.

Meister

Hat sich einer nun entschieden, sich dem Irrsinn des Schulsystems über den Quali einigermassen frühzeitig durch Ausbildung zu entziehen, so mag er sich in Sicherheit wiegen.

Die Sicherheit ist schnell dahin, wenn man mit dem Meistertitel liebäugelt. Das kann dann nochmal so richtig teuer werden.

Ein Leben lang lernen

Und noch eins sei in diesem Zusammenhang angeschnitten: Man müsse sich darauf einstellen, ein Leben lang zu lernen.

Ist ja was wahres dran. Der Fortschritt geht weiter und lässt sich weder aufhalten, noch bremsen. Insofern möchte man annehmen, dass es im Interesse von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sei, dieses zu unterstützen (Das Lernen, nicht den Fortschritt). So in Richtung Fortbildung, Weiterbildung oder auch Umschulung.

Die Politik zieht sich schnell aus der Affähre. Hat ja genug mit dem Versauen der Schulausbildung zu tun. Alles andere sollen die Tarifparteien regeln.

Die Wirtschaft versteckt sich hinter Sachzwängen. Brummt das Geschäft, ist keine Zeit für Fortbildung. Brummts nicht, ist kein Geld da.

Oder anders rum: Werden Gewinne erzielt, werden diese eingesackt. Werden Verluste gemacht, muss der Staat ran. Für was gibts denn Kurzarbeitergeld.

Schluss jetzt

Viel habe ich angerissen, meine Laune hat sich dabei nicht gebessert.

Doch seid gewiss, in dieser Sache ist das letzte Wort noch nicht gefallen.

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Krautreporter

Geist

Mister

Ich soll jetzt also was über mich sagen? Weil das irgend wen interessiert? Das soll ich glauben?

Also gut. Ich werde oft gefragt, wie ich zu meinem Namen komme.

Der Name "Geist", also Geist wie Gespenst, kommt aus meiner Gruftiezeit... ach Quatsch, war ja nie ein Gruftie.

Eher so methaphysisch also. Inhaltsschwanger und philosophisch. Wär schön, sich mit sowas zu schmücken. Ist aber Unsinn.

Dann vielleicht religiös. So heiliger Geist und Dreifaltigkeit und so Sachen? Daraus ließe sich sicher was drehen. Gehört aber auch in das Reich der Sagen und Märchen.

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