Nachdenken über Bitcoin

07.02.2018

In ein paar Monaten wird kein Mensch mehr über den Bitcoin reden. So wie noch vor wenigen Monaten. Also vor dem Hype und der Spekulationsblase.

Vor einigen Jahren, als ich mich etwas intensiver mit Shop- und Bezahlsystemen im Internet beschäftigt habe, wehte die Nachricht vom Bitcoin durch die Büros und Labore der Webgemeinde. Eine Kryptowährung sollte alle Probleme rund um Micropayment, Transaktionen, Anonymität und Vertrauen lösen.

Nach kurzer Betrachtung war man sich unausgesprochen einig: Zu kompliziert und zu schwerfällig. Der Bitcoin fristete seither ein Schattendasein zwischen Nerds und Darknet. Die Gesellschaft nahm keine Notiz davon.

Irgendwann, es muss Mitte 2017 gewesen sein, brachten Berichte über das Darknet und wie sich da Waffen, Drogen und kleine Kinder mit dem Bitcoin beschaffen ließen, das längst vergessene Projekt Blockchain - die Technologie, auf der Bitcoin beruht - wieder ans Licht.

Plötzlich war davon die Rede, der Bitcoin wäre bald der Sargnagel des uns bekannten Währungs- und Bezahlsystems. Der Bitcoin wäre der Spreissel im Fuß des maroden Bankensystems. Der Bitcoin wäre so was wie der Erlöser des entfesselten Kapitalismus. In Berlin könne man bereits sein Brot mit Bitcoin bezahlen. Es gäbe Länder, in denen Bitcoin bereits offizielles Zahlungsmittel sei.

Der Bitcoin erlebte nicht nur eine Auferstehung, der Bitcoin legte einen rasanten Sprint an die Spitze der Aufmerksamkeit. Schnell an die Spitze der Aufmerksamkeit derer, die das schnelle Geld witterten. Monetarisch ausgedrückt: Der Wert des Bitcoins bewegte sich lange Zeit stabil unterhalb der 500 Euro Marke und schoss dann innerhalb weniger Monate auf weit über 15.000 Euro hoch.

Vielleicht fühlt sich der eine oder die andere an Zeiten anderer Hypes erinnert. Vielleicht daran, dass es Aktien gab, die für 45 Euro ausgegeben wurden und innerhalb weniger Tage auf über 400 Euro gestiegen sind... und wenige Wochen später dann mehr so unter 10 Euro.

Doch als Skeptiker wird man in den Tagen des Aufschwungs nicht besonders ernst genommen, wird verlacht.

Die Frage, wer denn bitte ein hochspekulatives Konstrukt wie eine Kryptowährung, die morgen seinen Wert vielleicht verdoppelt, vielleicht aber auch halbiert hat, ernsthaft als Zahlungsmittel in Betracht ziehe, wird mit dem Verweis darauf, dass man hie und da bereits sein Brot mit Bitcoin bezahlen könne, vom Tisch gewischt. Aber mal im Ernst, glaubt ihr wirklich, ihr könntet ein Haus mit etwas abbezahlen, von dem heute keiner weiß, was es morgen, geschweige denn in ein paar Monaten wert ist? Also bitte.

Man bekommt zu hören, der Kurs des Bitcoin wird sich schon wieder irgendwo einpendeln, stabilisieren. Das mag sein. Das kann sich, und das weiß jeder, der sich ein klein wenig mit Spekulation auskennt, jederzeit von heute auf morgen ändern. Als Zahlungsmittel für den Gebrauch im Alltag wird der Bitcoin immer zu heiß sein.

Ein technisches Konstrukt, dass in seiner Handhabung so sperrig, in seinem Wert so unberechenbar und in seinem Nutzen so ungewiss wie der Bitcoin ist, wird nach diesem kurzen Frühling wieder in der Versenkung verschwinden.

Nur ein paar wenige Krypto-Anarchisten werden in ihren Gedanken den Tagen nachhängen, wo sie beinahe die (Finanz-) Welt aus den Angeln gehoben hätten.

PS.: Ich werde diesen Artikel vielleicht in einem Jahr noch einmal hervorziehen. Erinnert mich daran. Vielleicht können wir uns dann etwas unaufgeregter über das Thema unterhalten... oder die Geschichte straft meine Bedenken Lügen.

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Es gibt eine ganze Menge Anwendungen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Spuren in ganzen Verzeichnissystemen hinterlassen. Manche diese Spuren sind kurzzeitig von Nutzen, etwa Sicherungsdateien (.bak) verschiedener Editoren, oder sind unabdingbar zum Funktionieren von Applikationen.

So legen etwa Versionsverwaltungssysteme (cvs oder subversion) Informationen in eigenen Unterverzeichnissen ab.

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