Milch und Marktwirtschaft

Oder warum wir gegen unsere Interessen zur teureren Milch greifen sollten.

18.05.2016

In unschöner Regelmäßigkeit wird der Milchbauer, respektive der Milchpreis durchs Dorf und die Presse getrieben. Discounter und Supermärkte unterbieten sich in einem für die Bauern ruinösen, für die Kühe qualvollen Preiskampf, der seinesgleichen sucht.

Ich möchte das Trauerspiel mit ein paar nüchternen und doch interessanten Zahlen veranschaulichen.

Greifen wir zwei nicht ganz willkürliche Eckpunkte heraus: Den Liter Milch im Supermarkt und den Milchbauern.

Der Liter Milch kostet um den einen Euro, der Milchbauer möchte etwa 40.000 Euro im Jahr verdienen.

Von dem einen Euro kommen 40% also 40 Cent an. Etwa 30 Cent kostet der Liter den Bauern. Bleiben also 10 Cent pro Liter auf dem Konto des Landwirts.

Entsprechend muss ein Bauer mit seinen Kühen jährlich 400.000 Liter Milch bei der Molkerei abliefern.

Eine Kuh gibt jährlich etwa 7.000 Liter Milch. Somit braucht der Bauer etwa 60 Kühe um gerade so über die Runden zu kommen.

Alles bestens so könnte man meinen.

Wirft man jedoch einen Blick auf die aktuellen Preise der Vollmilch bei Aldi und Lidl, dann sieht die Sache etwas anders aus. Dort steht der Liter momentan für gerade einmal 46 Cent im Regal und schon sieht die Rechnung erheblich finsterer aus.

Discounter Milch

Milfina von Aldi - Milbona von Lidl

Wohlan.

Von den 46 Cent kommen beim Bauern nur mehr 18 Cent an. Hoppla, wenn die Kuhh schon 30 Cent futtert, um einen Liter Milch zu erzeugen, dann stimmt da was nicht. Dann kann das nicht funktionieren.

Ausblick

Bei weiterhin derart ruinösen Preisen wird es nicht ausbleiben, dass der eine oder andere Bauer aufgeben muss. In Folge wird es immer weniger und immer größere Höfe geben. Dabei steht sicher nicht das Wohl der Tiere oben auf der Liste.

Will die Politik gegensteuern und die kleinen Bauern am Leben halten, bleibt das Mittel der Subvention. Oder anders ausgedrückt, die Allgemeinheit finanziert über Steuern den Profit der Discounter.

Nachsatz: Alle Zahlen sind Näherungswerte aus verschiedenen Quellen und verschiedenen Jahren. Insofern erhebt das Zahlenspiel keinerlei Anspruch auf irgend eine Genauigkeit.

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Kleingarten

Gurke, die

Gurke

Die Gurke als solches ist ein recht eigenwilliges Gemüse. Oder sollte ich sagen rebellisch?

Jedenfalls hat sie sich so lange, entschieden und letztlich erfolgreich gegen die EU Krümmungsverordnung gestemmt, bis die Verordnung vom Tisch war.

Im Übrigen eignen sich Gurken nicht als Bananenersatz.

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