Limux vs. Windows

Tux
20.01.2016

Einmal mehr bläst die Abendzeitung zum Sturm gegen Limux, dem Linux auf den städtischen Rechnern in München.

Mit der Schlagzeile "EDV-Debakel im Rathaus / Weil das Betriebssystem Linux nicht läuft... (19.01.2016)" wird auf der Titelseite suggeriert, Linux sei unzuverlässig.

Der Aufschrei prägt sich ein, im Artikel selbst ist davon wenig zu lesen.

Vielmehr wird mehrfach darauf hingewiesen, dass eben genau Linux nichts oder nur am Rande mit vergangenen oder aktuellen Problemen zu tun hat.

Serverausfälle, Computerabstürze und langsamer Service wird herangezogen.

Langsamer Service - Personal und Mangel

Die eigentlichen Probleme sind ganz anderer Art. Die Vielfalt der Anwendungssoftware - von 600 verschiedenen Programmen ist die Rede - ist für jeden Dienstleister eine Herausforderung. Völlig unabhängig von den eingesetzten Betriebssystemen.

Und hier liegt der Hund begraben. Die städtische IT-Abteilung leidet unter chronischer Unterbesetzung. Solange die Stadt keine der freien Wirtschaft adäquate Gehälter zahlen kann, wird sich die Lage nicht entspannen.

Gerade im IT-Umfeld ist das Gemengelage aus Wissen, Fähigkeiten und Ausbildungen nicht mit einheitlichen Tarifsystemen abbildbar.

Da gibt es jede Menge Spezialisten, die sich ihr Wissen selbst beigebracht haben und damit mangels vorzeigbarer Universitätsexpertise lediglich als ungelernte Mitarbeiter eingestuft werden können.

Da gibt es studierte Spezialisten, die eben in der freien Wirtschaft ein vielfaches des städtischen Tarifs verdienen.

Beide Gruppen werden sich nicht locken lassen.

Bleiben Idealisten die der Stadt die Treue halten, Umsteiger mit wenig Wissen und Erfahrung und Informatiker die es auf dem freien Markt nicht schaffen. Erstere stehen schnell mit einem Bein im Bournout. Zweitere sind schnell weg, wenn sie merken, dass sie mit ihrem neu erworbenen Wissen an anderer Stelle bei weniger Stress mehr verdienen können.

Computerabstürze - kein einziger Limux-PC war betroffen

Es wird von einem KVR-Blackout im vergangenen Juli geschrieben. Und es wird nachgeschoben, dass kein einziger Limux-PC davon betroffen gewesen sei. Muss ich dazu noch was sagen?

Serverausfälle - Linux schon, nicht aber Limux

Im Dezember 2014 titelte die AZ "Mega-Panne bei der Stadt - Limux vor dem Aus". Der städtische Mailserver hatte seinen Dienst auf Grund eines Userfehlers eingestellt.

Dass der betroffene Mailserver mit Linux lief (und mit Sicherheit immer noch läuft), hat die Abendzeitung anscheinend noch recherchiert. Dass der Mailserver eher nichts mit dem Limux-Projekt zu tun hat, dann aber verschwiegen oder schlicht verschlafen.

Mitarbeiter fluchen

Wenn zu lesen ist, dass Mitarbeiter über den Computer fluchen, dann ist das erfahrungsgemäß kein Problem des Betriebssystems. Der Apple-User flucht über Linux, der Linux-User über Apple und beide zusammen über Windows. Entsprechend flucht der Windows-User eben über Linux und Apple.

Nicht zu vergessen, dass jeder ganz natürlich über sein Lieblingsbetriebssystem ebenfalls schimpft wie ein Rohrspatz.

Keins der Systeme ist optimal.

Nur am Rande: Die wildesten Flüche in meiner Laufbahn hab ich von Windows-Usern vernommen, die von XP auf Windows 7 umgestiegen sind.

Durchsichtige Interessen

Wenn nun Stadträte wie Herr Wächter von Alfa das Limux-Experiment für gescheitert erklärt, höre ich den eingefleischen Lobbyisten trompeten.

Das musste ich jetzt einfach los werden...

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Bildung is a Wanka

Gerader Rücken

Uiii, wo haben sie denn die ausgegraben? Gut, und mit Recht gut, hat sie sich bislang versteckt gehalten.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob Frau Wanka schon mal was von der Bildungshoheit der Länder gehört hat. Sollte sie doch, sollte sie auch wissen, dass sie als Bundesministerin da gar nichts mitzureden hat.

Aber das ist nicht das Thema. Zerpflückt soll sie werden und das anhand ihrer eloquenten Art Plattitüden ungebremst in die Freiheit zu entlassen.

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