Koa Dritte

Ich bin gegen die Dritten

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Interview Paul Balthasar

15.06.2012

Vor einigen Tagen tauchten im Internet Postkarten einer Initiative "Pro Beton" auf, die offenbar von Unterstützern der Flughafengesellschaft lanciert worden ist. Auf einer dieser Karten ist Paul Balthasar zu sehen. Herr Balthasar ist gemeinhin bekannt als scharfer Kritiker ominöser und unnötiger Bauvorhaben. EMAZ hat mit ihm gesprochen, wie es zu diesen Aufnahmen gekommen ist.

EMAZ: Herr Balthasar, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie erfahren haben, dass Sie und ihre Fotos von der Initiative "Pro Beton" für eine Imagekampagne der Startbahnbefürworter benutzt wurden?

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Paul Balthasar: So eine Sauerei. Ich hatte mich mit Herrn Schoenfelder getroffen, um eine konstruktive Auseinandersetzung über die erwiesenermassen zweifelhaften Argumente der Startbahnbefürworter zu pflegen. Offenbar ist unsere Zusammenkunft heimlich beobachtet und fotografisch festgehalten worden. Als besonders niederträchtig empfinde ich die Anspielung auf mein ungelöstes Zahnproblem. Ich stehe mit meinem Anwalt in Verbindung und überlege mir rechtliche Schritte.

EMAZ: Wie kam denn Ihr Treffen mit Herrn Schoenfelder zustande?

Paul Balthasar: Ich wurde eingeladen, um mit Fachleuten das Für und Wider eines Ausbaus des Flughafens zu diskutieren. Es hat mich erstaunt, dass letztlich nur Herr Schoenfelder erschienen ist. Das hätte mich eigentlich misstrauisch machen müssen.

EMAZ: Speziell ein Foto zeigt Sie in einer etwas albernen Pose. Wie haben Sie sich dazu hinreißen lassen?

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Paul Balthasar: Während unseres Gesprächs kamen wir auf die Startbahn-Plakate zu sprechen. Herr Schoenfelder hat sich über das Logo "2 gewinnt" der Initiative "AufgeMUCkt" lustig gemacht. Zugegeben, kein besonders gelungenes Plakat. Auf den ersten Eindruck hin könnte man meinen da stünde 2+ gewinnt... also 2+ wäre dann eher drei... Da habe ich mich hinreißen lassen. Die jungschen Figuren auf dem Ja zur 3. Einfach lächerlich. Das wollte ich verdeutlichen. Ich konnte ja nicht wissen, dass Herr Schoenfelder genau dieses provozieren wollte. Und dass sich ein Fotograf in den Büschen versteckt hat. So eine Sauerei!!

EMAZ: In der jüngsten Vergangen sind sie des öfteren mit Herrn Schoenfelder zusammengetroffen. Welchen Eindruck hat er bei Ihnen hinterlassen?

Paul Balthasar: Herr Schoenfelder gibt sich gerne als weltoffener, liberaler Feingeist. Wenn man aber hinter die Fassade blickt, entdeckt man einen verbissenen Verfechter des entfesselten Raubtierkapitalismus. Seine Argumentation ist leicht zu durchschauen. Leider schafft er es mit platten und plakativen Aussagen immer wieder, die öffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

EMAZ: Können Sie uns dazu vielleicht ein Beispiel nennen?

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Paul Balthasar: Aber natürlich. Sehen Sie sich doch einfach mal das Argument mit der Entwicklung der Spritpreise an. Hier geht Herr Schoenfelder, wie die Startbahnbefürworter im allgemeinen, von falschen Prognosen aus. Er belästigt uns mit dem fortwährenden Herabbeten völlig irrigen Zahlenmaterials. 119 Dollar soll das Barrel Öl 2025 kosten. Haben Sie schon einmal erlebt, dass der Ölpreis freiwillig sinkt? Heute liegt der Preis bereits bei 125 Dollar. Hält uns Herr Schoenfelder für so dumm? Oder ist er einfach schlecht informiert? Der Ölpreis wird weiter steigen, damit auch die Kosten für Flüge. Ein einfaches sich auszumalen, dass damit die Zahl der Flugreisen in Zukunft eher sinken denn steigen werden.

EMAZ: Aber das mit den Arbeitsplätzen lässt sich doch nicht von der Hand weisen?

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Paul Balthasar: Arbeitsplätze, Arbeitsplätze. Welche Arbeitsplätze denn? Niedriglöhner und Leiharbeiter, dass ist es, was der Flughafen braucht. Und wo sollen die wohnen? In München gibt es kaum genug Wohnraum für die Einheimischen. Im Umland sind die Mieten mittlerweile auch schon horrend. Daran denkt keiner.

EMAZ: In der Presse haben sich honorige Mitbürger und Mitbürgerinnen zu Wort gemeldet und ihre ganz persönlichen Gründe für einen Ausbau des lughafens zu Wort gemeldet. Das kann Sie doch nicht kalt lassen?

Paul Balthasar: Meinen Sie damit etwa Uschi Glas, die schon den kulturellen Niedergang München befürchtet, wenn sie keine eigene Startbahn für sich und ihre Bussifreunde bekommt? Die tut sich da leicht. Tummelt sich in Baldham in angenehmer Entfernung zum Flughafen. Ob die auch so begeistert wäre, wenn die Flieger durch ihr Wohnzimmer brausen?

Oder Herrn Klaus-Peter Siegloch vom Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft? Ein Interessenvertreter und Lobbyist? Der wird dafür bezahlt, dass er für den Flughafen spricht. Und wenn der Bayern mit den USA vergleicht, dann verziehts dem ein bisserl die Relationen.

Vielleicht Herr Wizigmann, der seine Inspiration wohl den Kulinarien der Lufthansabordküche verdankt. Sicher ist der eingeschnappt, wenn er im Winter keine Erbeeren aus Südamerika bekommt. Aber ist es das, was München nötig hat? Direktimportierten Andenspargel ganzjährig... Und noch mehr Ziele in der ganzen Welt will er erreichen. Immer mehr Münchner sind schon froh, wenn sie sich ein Bahnticket nach Erding leisten können.

Sehr schön auch Herr Roiderer. Noch berauscht vom Steuergeschenk für Gastronomie und Hotelwirtschaft möchte er natürlich auch von der steuerfreien Verschwendung von Flugbenzin profitieren. Eine vernünftige Entschädigung würde er den Flughafenanwohnern gönnen. Was wäre denn eine vernünftige Entschädigung für 365 Tage infernalischen Lärms? Vielleicht ein lauschiges Plätzchen im Bierzelt?

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Frau Ruge könnte hier nicht arbeiten, wenn es den Flughafen nicht gäbe. Ja ist die den Stewardess? Oder beim Bodenpersonal? Ich kann Ihnen aus dem Stand eine halbe Million Menschen nennen, die sehr gut ohne weitere Startbahn hier arbeiten kann.

Ach hören Sie mir doch auf mit all dem Lobbyisten- und Befindlichkeitsgeseiere. Da denkt doch keiner an das große Ganze. An den Bedarf der Allgemeinheit oder gar an die Umwelt und die Menschen.

Nehmen Sie nur wieder Herrn Schoenfelder. Sein Institut hat einen großen Kunden aus der Bauwirtschaft und schon tritt er dafür ein zuzubetonieren was gerade geht. Von Pullach aus kann es ihm ja auch egal sein, wenn der Englische Garten unter Asphalt verschwindet. Dafür gäbe es dann einen schönen zentralen Flughafen mitten im Herzen der Stadt.

EMAZ: Herr Balthasar, meine Sie nicht, Sie tun da einigen Unrecht? Sie echauffieren sich bis an den Rande der Beleidigung.

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Paul Balthasar: Es bin doch nicht ich, der sich mit blödsinnigen Thesen in die Öffentlichkeit drängt. Es bin doch nicht ich, der gewissenlos unsere Zukunft verspielt und für den Menschen hinter Profitstreben anstehen lässt.

EMAZ: Herr Balthasar, wir danken für dieses Gespräch.

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Krawall

Schwabinger Krawalle

Oli Nauerz

So manch einer denkt bei "Schwabinger Krawalle" an die 68er Studentenunruhen. Doch gefehlt. Das Eine hat mit dem Anderen recht wenig zu tun.

Zwar hat beides im Münchner Stadtteil Schwabing sein Epizentrum. Die "Schwabinger Krawalle" allerdings bereits 1962, die Studentenunruhen jedoch erst um 1968 herum.

Während die 68ern vorwiegend Studenten waren, beteiligten sich an den "Schwabinger Krawallen" von Beginn an Jugendliche aus allen Bevölkerungsschichten. Während die 68er politisch motiviert waren, entlud sich 62 ganz einfach der angestaute Frust über Obrigkeit, Willkür und Polizeigewalt.

Gelegentlich wird an die Krawalle erinnert. Seit 2012 mit größeren Veranstaltungen an der Münchner Freiheit.

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