Klare Fragen - keine Antworten

Der Rabe
09.09.2013

Ausführliche Anfrage, platte Antwort. Winkt kein Vorteil, vulgo Wählerstimme, dann fallen Antworten gerne einsilbig peinlich aus.

Die Anfrage

Gesendet: Sonntag, 16. Juni 2013 13:25

seit einiger Zeit bekomme ich Ihre sog. Freitagsmail. Ich lese sehr viel über "hier einen Empfang", "dort ein Fest" und da einen Ortstermin. Sie lassen sich viel in der Mitte der Gesellschaft blicken und stehen als Landtagsabgeordnete vermutlich auch überall im Blickpunkt. Das ist dann wohl das typische Leben einer Politikerin bzw. eines Politikers - dafür verdienen Sie mein vollstes Mitleid!

Leider beschränken sich ihre politischen Ansätze, Äußerungen und Thematisierungen auf politische Allgemeinplätze - was eben gesellschaftlich gerade so nachgefragt wird. Es steht einer Partei in der Tat derzeit gut zu Gesichte, sich z. B. über soziale Verfehlungen zu echauffieren. Damit liegen Sie ja voll auf Linie mit Ihrer Bundespartei. Blöd nur, wenn Wähler einfach nicht vergessen wollen, dass es die "Reformen" der rot-grünen Regierung im Rahmen der Agenda 2010 gewesen sind, die die Weichen in diese Richtung gestellt haben. Und verwundert kann man sich nur die Augen reiben, wenn in Ihrer Bundespartei diese Agenda immer noch als richtig bezeichnet und an ihr festgehalten wird, ja sogar einer ihrer maßgeblichen Verfechter jetzt als Kanzlerkandidat sein Unwesen treibt. Die Krönung war dann jedoch, zum zehnjährigen Bestehen die "grandiosen Errungenschaften" der Agenda 2010 und mit ihr zusammen die gesamte Partei hochleben zu lassen.

Politiker wundern sich ja gerne und rätseln darüber, woher nur die immer stärker grassierende Politikverdrossenheit der Menschen kommen mag. Dass es etwas mit ihnen zu hat, kommt ihnen höchstens in den Sinn, wenn es um die Verfehlungen von Politikern anderer Parteien geht. Meines Erachtens hat die SPD unter diesen Vorzeichen ein immenses Glaubwürdigkeitsproblem. Oder hat sie eine neue Kausalitätsmethode erfunden, die nur noch niemand kennt? Als Musterbeispiel sei das Verhalten ihres ehemaligen Parteikollegen im Bundestag, Axel Berg, erwähnt, der dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan zustimmte, sich jedoch nicht zu blöde war, nach der Abstimmung in einer persönlichen Erklärung zum Besten zu geben, warum er aber eigentlich dagegen sei.

Neoliberale Mechanismen mittels Gesetze in der Gesellschaft etablieren, diese nach Jahren immer noch als weitgehend richtig zu bezeichnen, die Konsequenzen daraus zu bedauern und vehement als scheinbaren Gegenpol zur aktuellen Regierung Reformen einzufordern, sich aber von anderen Parteien, die dieses etwas ernster nehmen, abzugrenzen und Regierungskoalitionen kategorisch auszuschließen - verraten Sie mir, liebe Frau [SPD-Landtagskandidatin*], doch mal, was Ihre SPD eigentlich will und wofür sie steht?

Denken Sie mal darüber nach, während Sie beim nächsten Empfang mit irgendeinem Betriebsdirektor, Sportvereinsvorsitzenden oder Schützenkönig für's große Foto posieren.

Und vergessen Sie bitte nicht, mich aus Ihrem Verteiler zu löschen. Ihre Politbanalitäten möchte ich nicht weiter ertragen müssen.

Mit sozialen und demokratischen Grüßen,

[kein SPD Wähler*]

Die Antwort

Gesendet: Donnerstag, 20. Juni 2013 17:44

vielen Dank für ihre ausführliche Mail. Natürlich nehmen wir sie aus dem Verteiler. Ich respektiere, dass Sie eine andere politische Einschätzung zur Sozialpolitik haben als die SPD. Ich bin auf keinen Fall auf ihr Mitleid aus gewesen. Ich halte gerne Kontakt zu den Menschen und respektiere auch deren Engagement. Deshalb unterstütze ich auch gerne die verschiedenen Vereine und Initiativen bis hin zu den Schützen.

Für die Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute

[SPD-Landtagskandidatin*]

*Die Namen sind der Redaktion durchaus bekannt.

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