Kaffee Togo

Kaffeeromantik

Kaffeeromantik

12.04.2012

Coffee Togo vermüllt die Stadt. Pappbecher werden zum Problem.

So oder so ähnlich titeln die Gazetten, flimmert es über die Mattscheibe. Zwischen Präsidentschaftswahl und Championsleague. Zwischen Herdprämie und Sommerloch. Alljährlich wieder ein Aufreger und Lückenfüller.

Wo liegt das Problem? Was soll den daran schlimm sein? Ist es nicht vielmehr ein Segen?

Zumindest fürs Bruttoinlandsprodukt/BIP. Und das BIP ist es, auf das es ankommt. Also im Kapitalismus ankommt. Je höher das BIP, desto größer die Profite. Und dem will sich jetzt gerade die Boullevardpresse entgegen stemmen?

Lasst mich das mal so erklären. Das BIP ist der Gesamtwert der Waren und Dienstleistungen innerhalb Deutschlands (frei nach Wikipedia). Und da ist der Pappbecher geradezu ideal.

Denn mit dem Pappbecher verhält es sich so: Der Becher erfüllt zwei entscheidende Kriterien. Erstens steht der Herstellungsaufwand in keinem Verhältnis zu seinem Nutzen. Zweitens ist er nicht wiederverwertbar. Beides macht ihn äußerst kostbar für das BIP.

Eine lockere Sammlung, was so ein Pappbecher für das BIP bringt:

Rohstoffe (die anderen Ortes wesentlich sinnvoller eingesetzt werden könnten) werden zur Herstellung benötigt. So bringt ein Baum, der wächst und steinalt wird zwar einiges für die Umwelt, nichts jedoch für das BIP. Und Erdöl muss sowieso, wo es gerade geht, verschwendet werden, also noch einen schönen Plastikdeckel drauf. Auch gut für's BIP.

Pappbecher werden, wie man sich unschwer vorstellen kann, maschinell und in Fabriken und weniger in Handarbeit und kleinen Werkstätten angefertigt. Blöd für den Arbeitsmarkt aber gut für's BIP.

Daraus folgt direkt: Der fertige Becher muß zu seinem Einsatzort gebracht werden. LKW und Bahn, vielleicht gar eingeflogen von der Starbuck-Zentrale aus Übersee. Ordentlich Transportaufwand. Fürchterlich für die Umwelt aber hervorragend für's BIP.

Caffee Ponte

Caffee Ponte

Und nun der entscheidende Punkt: Direkt nach Gebrauch wird der Pappbecher weggeworfen. Und da denkt der geneigte Kaffeetrinker selbst ans BIP: Er wirft den Becher nicht in den Mülleimer oder entsorgt ihn in einen Container. Das wäre schlecht für's BIP. Nein, es schmeisst den Becher auf die Straße, läßt ihn in der S-Bahn stehen oder kickt ihn in die Botanik. Damit sorgt der einfache Kaffeetrinker für die Existenz eines ganzen Wirtschaftszweiges. Abfallwirtschaftsamt, Entsorgungsbetriebe, Müllabfuhr... was sag ich, selbst Raum für Innovationen werden geschaffen. Auf Pappbecher abgestimmte Kehrmaschinen, Becher-von-Deckel-Trennmaschinen und so fort.

Also bitte liebe Presse, lasst Euch das mal durch den Kopf gehen, bevor Ihr wieder auf der Wegwerfmentalität der Homo decadentus urbanicus herumhackt. Mit eurem moralischen Gehabe stellt Ihr noch unseren ganzen Wohlstand in Frage.

Ein Nachsatz an die Biertrinker: Dosen sind ähnlich gut für's BIP. Denkt bitte daran, bevor Ihr leichtfertig zur Pfandflasche greift. Oder gar aus einem Glas anstelle eines... na... genau, Pappbechers trinkt.

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