Islamischer Staat gegen den Rest der Welt

Stern
08.10.2014

Hört man Politikern rund um die ganze Welt zu, möchte man den Eindruck gewinnen, der IS (Islamischer Staat) stünde allein auf weiter Flur. Eine geschlossene, internationale Front stünde den islamistischen Mördern gegenüber.

Doch gefehlt. Es köchelt ein jeder sein eigenes Süppchen. Eine besonders zwielichtige und verwerfliche Rolle nimmt hier die Türkei unter Erdogan und Davutoğlu ein.

Ich versuch das jetzt mal etwas auseinander zu klamüsern.

Jahrzehnte lang hat die PKK in der Türkei für einen eigenen kurdischen Staat gekämpft. So verständlich der Kampf gewesen sein mag, so sinnlos war er. Nach langen Jahren hat die PKK das ebenfalls eingesehen und mit der Türkei einen Waffenstillstand vereinbart. Zum Dank dafür unterstützte die Türkei im Folgenden Veranstaltungen wie den IS, die mit selten gesehener Brutalität gegen Kurden vorgehen.

Europa verweigert den Kurden bis heute Anerkennung, in Deutschland wird die PKK als terroristisch eingestuft und verboten. Gleichzeitig werden kurdische Kämpfer - darunter auch PKK Leute - mit Waffen gegen den IS ausgestattet.
Also mit deutschen Waffen, weil die morden bekanntlich besonders gut.

Weil die Türkei sich neuerdings zwar den Anschein nach ebenfalls gegen den IS positioniert, gleichzeitig aber die Kurden weiterhin unterdrückt, kündigen die Kurden nun den Waffenstillstand mit der Türkei auf.

In der Türkei erschiessen Islamisten gemeinsam mit der Polizei Kurden, die gegen den IS demonstrieren. In München werden Kurden immerhin "nur" geschlagen.

Irgendwie werd' ich das Gefühl nicht los, die Kurden bekommen von allen auf's Maul. Bestenfalls dürfen sie den nützlichen Idiot gegen den IS geben, der zwar mit Beifall, nicht aber mit Unterstützung bedacht wird.

So weit die Realität.

Jetzt fangen wir mal an zu spinnen.

Würde der IS die Türkei angreifen - erste Granaten sind ja schon auf türkischem Boden aufgeschlagen - wäre das für die NATO der Bündnisfall. Ein Mitgliedsstaat wird von einer fremden Macht angegriffen. Dann müssten alle NATO-Staaten gemeinsam gegen den IS vorgehen.

Würden die syrischen Kurden den türkischen Kurden zu Hilfe eilen, weil in der Türkei erneut mit Waffengewalt gegen die Minderheit vorgegangen wird, wäre das auch ein Bündnisfall? Müsste die NATO dann auch die Kurden niederbomben?

Würden die Kurden in der Türkei eine Volksabstimmung über ihre Unabhängigkeit anstrengen - ähnlich wie Schottland - und würde sich die Mehrheit für eine Unabhängigkeit von der Türkei aussprechen. Wäre dann die NATO gefordert, dort einzugreifen, um die Unabhängigkeit zu verhindern? Oder würde sich die EU hinter das Unabhängigkeitsbestreben der Kurden und gegen die NATO stellen?

[Update:] Die Türkei ist offenbar erst dann bereit, einen Finger für die belagerte Stadt Kobanê krumm zu machen, wenn sich die Kurden bedingungslos unterwerfen.

Hier wird ein dreckiges Spiel gespielt und die Welt schaut zu.

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