Häuser zum Wohnen - oder so

Bunker Allach
05.09.2014

"Wie man Gebäude baut, die von Menschen besser nicht bewohnt werden sollten".

Dieser Satz von Michael Sailer sprang mir aus einem seiner Texte direkt in die von zeitgenössischer Architektur arg geschundenen Seele. Denn in meiner Seele gibt es einen Ort, der ein angenehmes Stadtbild durchaus zu goutieren weiss.

Die Stadtbilder hingegen scheinen sich mehr und mehr darauf zu einigen, diesen Ort nicht weiter behelligen zu wollen.

Mit vollmundigen Begriffen wie "Quartier" oder dem verheissungsvollen "Gartenstadt" werden neuerdings phantasielose Ansammlungen gesichtsloser Betonwürfel betitelt. Und diese Betonwürfel spriessen allerorts wie Schimmelpilze in Baulücken und eigentlich allen innerstädtischen Freiflächen.

Albtraum in Glas und Beton: An der Donnersberger Brücke

Albtraum in Glas und Beton: An der Donnersberger Brücke

Eine Dokumentation des Baierischen Rundfunks verdeutlichte das Ausmass des Niedergangs der abendländischen Städtebaukunst auf das eindruckvollste. Denn die Abkehr von augenschmeichelndem Schnickschnack wie Erker, Balkon und Stuck ist kein auf München begrenztes Phänomen. Der Baierische Runfunk also veranschaulichte durch eine Kamerafahrt entlang eintöniger Betonmauern die Tristesse der Schluchten, in denen heute und zukünftig das Dasein zu fristen sei. Eine Stimme aus dem Off beschrieb die gesehene Eintönigkeit, die ich als Neu Riem oder Bavariapark zu erkennen glaubte, und strebte der Auflösung mit einem "manchmal muss man etwas weiter nach oben um zu wissen wo man sich befindet" entgegen. Die Kamera bewegte sich denn auch in die Richtung, in der in vergangenen Zeiten Ziegeldächer und verwinkelte Giebel, heute jedoch uninteressante Flachdächer das Ende eines Gebäudes bedeuten. Und wahrlich bringt erst die luftige Höhe Gewissheit. Denn nicht die Skyline des vertrauten Münchens kam zum Vorschein, sondern der Kölner Dom verdeutlichte die Beliebigkeit des Albtraums aus Beton.

Schwere Reiter: Charakter von Wehrdörfern

Etwas aus dem Rahmen - und das keineswegs in positiver Richtung - fällt eine Siedlung an der Schweren Reiter Straße. Hinter einstmals stolzen, heute jedoch weitgehen verfallenen Altbauten ducken sich Häuser, deren ästhetischen Schöpfer vor allem bei israelischen Wehrdörfern und den Betonungetümen des einstigen Atlantikwalls Mass genommen haben.

Wehrdorf an der Schweren-Reiter-Straße

Wehrdorf an der Schweren-Reiter-Straße

Dicke, übermannshohe Mauern frieden die einzelnen Parzellen ein. Licht fällt in die Behausungen lediglich durch schiessschartengroße Fenster. Straßen, Wege und überhaupt alle Freiflächen sind mit erstaunlicher Konsequenz totalversiegelt. Für kleine Kinder sind TÜV geprüfte und entsprechend untaugliche Kleinspielanlagen vorgesehen, zum Verweilen laden blanke Betonquader.

Gemütlichkeit in Beton gegossen

Gemütlichkeit in Beton gegossen

Ein Ort zum Verweilen

Ein Ort zum Verweilen

Spielplatz - TÜV geprüft aber nicht zum Spielen

Spielplatz - TÜV geprüft

Vielleicht handelt es sich dabei ja auch um ein Trainingslager für künftige Marseroberer.

Ackermann: eine Zufahrt und kein Supermarkt

Neben menschenuntauglicher Architektur besticht mancherorts auch die Konzeptlosigkeit ganzer Siedlungen. Als Beispiel sei die Bebauung am Ackermannbogen herangezogen. Wer sich mit dem Auto in diese in sich geschlossene Siedlung verirrt, wird vor allem zwei Dinge vermissen: Eine Einkaufsmöglichkeit und eine Möglichkeit, den Komplex an anderer Stelle denn der einzigen Einfahrt zu verlassen. Das Fehlen von Einkaufsmöglichkeiten wurde dem staunenden Zweifler damit erklärt, die Bewohner könnten ja mit dem Auto ins benachbarte Schwabing fahren, dort gäbe es genug Supermärkte. Das Fehlen einer zweiten, dritten, x-ten Zufahrtsmöglichkeit konnte mir bislang niemand näher bringen. So hat das Viertel etwas von einem mittelalterlichen Städtchens, das Fremden, auch fahrenden Krämersleut, nicht über den Weg traut und sich daher von der Außenwelt weitgehend abschottet.

Lokalbaukomission traut sich nicht

Warum diese Entwicklung? Wer diese Frage stellt, muss sich auf ein unergiebiges Bäumchen wechsle dich Spielchen einstellen. Der Schwarze Peter ist immer schon eine Station weiter. Weil die künftigen Bewohner möglicherweise keine Kneipe im Haus mögen könnten, werden von vorn herein keine eingeplant und im Nachhienein keine genehmigt.

Wohnen hier Autos oder Menschen?

Wohnen hier Autos oder Menschen?

Der Bauträger verweist auf die Lokalbaukommission, die Stadt auf den Bauherren und alle zusammen auf die Bewohner. Die Bewohner, also die zukünftigen, können auf niemanden verweisen, weil die werden gar nicht erst gefragt.

Ausschreibungen und Wettbewerbe

Bauprojekte werden ausgeschrieben, Preise werden ausgelobt. Die Kriterien bleiben dem Beobachter verborgen. Sieht man dann Entwürfe und Vorschläge in der Tagespresse, bahnen sich die Tränen der Verzweiflung langsam ihren Weg. Die Betonklotzbauweise herrscht vor, Unterschiede sind lediglich im Detail erkennbar. Der erste Preis geht dann an den Entwurf mit den wenigsten Details und eine weitere optische Zumutung ist beschlossen.

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Identitär

Geist

Mister

Ich soll jetzt also was über mich sagen? Weil das irgend wen interessiert? Das soll ich glauben?

Also gut. Ich werde oft gefragt, wie ich zu meinem Namen komme.

Der Name "Geist", also Geist wie Gespenst, kommt aus meiner Gruftiezeit... ach Quatsch, war ja nie ein Gruftie.

Eher so methaphysisch also. Inhaltsschwanger und philosophisch. Wär schön, sich mit sowas zu schmücken. Ist aber Unsinn.

Dann vielleicht religiös. So heiliger Geist und Dreifaltigkeit und so Sachen? Daraus ließe sich sicher was drehen. Gehört aber auch in das Reich der Sagen und Märchen.

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