Geiz ist geil - oder die Notwendigkeit des kleinen Geldbeutels

26.02.2019

Seit eine Technik-Kette mit dem Slogan "Geiz ist geil" geworben hat, ist dieser Spruch zum Synonym einer Gesellschaft geworden, die alles billig haben will.

Das ruft jede Menge Kritiker und Kommentatoren hervor, die meinen, diese vermeintliche Mentalität anprangern zu müssen.

Werfen wir mal einen Blick auf die Realität.

Massentierhaltung statt Bio

Der Verbraucher sei nicht bereit, angemessene Preise für Lebensmittel zu bezahlen. Daraus resultiere Massentierhaltung und chemieintensive Landwirtschaft. Daraus folge, der Verbraucher interessiere sich nicht für die Bedingungen in der Lebensmittelerzeugung. Hauptsache billig.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Auf der Rückseite türmen sich Mieten, Nebenkosten, Steuern, Versicherungen und einiges mehr. Wäre der Geldbeutel des Verbrauchers nach Abzug der laufenden Kosten noch prall gefüllt, er wäre ohne weiteres bereit, für Lebensmittel tiefer in die Tasche zu greifen.

Billig statt Qualität

Textilhersteller drängen seit Jahrzehnten in Billiglohnländer. Lassen Jeans von Kindern Färben, lassen Blusen in Fernost nähen. Warum? Weil der Verbraucher das so wolle. Schnell ist der Schwarze Peter weiter gegeben. Der Schuldige sei auf jeden Fall der Kunde, nicht der Produzent.

Ist das wirklich so? Spielen da nicht Gewinnspannen hinein, die bei Billigprodukten aus dem fernen Osten um so viel höher liegen, als bei heimischer Schneiderei?

Qualität hat seinen Preis. Ein geflügeltes Wort. Doch wenn ich die Qualität eines T-Shirts aus dem Inland mit der Qualität aus China vergleiche... nein, da rechtfertigt der Qualitätsunterschied keine großen Preissprünge. Wüsste ich genau, ein Shirt aus der Werkstatt eines ansässigen Schneiders würde auch nach 5 Jahren in Form und Farbe wie am ersten Tage strahlen, kein Problem hätte ich mit auch dem 5-fachen Preis.

Da jammert der Verursacher und der Kunde hat das Nachsehen.

Transportkosten sind keine Kosten

Äpfel aus Australien, italienische Milch aus Polen, Bananen aus Südamerika. Man möchte meinen, Lebensmittel, die einmal um die halbe Welt gereist sind, müssten dank utopischer Preise wie Blei im Laden liegen. Nichts da. Oft werden sie billiger als Alternativen aus der Region angeboten.

Tatsächlich, weil der Verbraucher das so will? Oder eher, weil weltweit die Lohnkosten gedrückt werden? Die Lohnkosten der Plantagenarbeiter, die Lohnkosten der Fernfahrer und Schiffsbesatzungen. Weil Transportkosten keine Kosten sind. Flugbenzin ist von der Mineralölsteuer befreit, Schiffe fahren mit dem billigen - und hoch problematischen - Schweröl. Hat der Verbraucher hier eine Einflussmöglichkeit? Kaum. Der Profitgier der Konzerne hat der Kunde an der Kasse kaum etwas entgegen zu setzen.

Sieht man sich den Siegeszug der Fair-Trade Produkte in den letzten Jahren an, doch, der Kunde ist bereit, mehr zu zahlen. Besonders, wenn er sich sicher sein kann, dass das Geld in den Taschen der Arbeiter und nicht auf den Konten der Aktionäre landet.

Wegwerfen statt reparieren

Eine Wegwerfgesellschaft seien wir. Und eine Wegwerfgesellschaft ist eben nicht bereit, teure Preise zu bezahlen.

Auch hier wird sträflich kurz gegriffen. Wie oft ärgert man sich daheim, dass man Produkte nicht einfach aufschrauben, kleben, löten kann. So wie das noch vor wenigen Jahren möglich war. Geht nicht. Ist nicht vorgesehen. An einem reparierten Produkt verdient die Wirtschaft nichts.

Der Gesellschaft eine "Geiz ist geil"-Mentalität zu attestieren und ihr die Verantwortung für den Raubbau an Natur, Tier und Arbeitskraft in die Schuhe zu schieben, das könnte der Wirtschaft so gefallen. Tatsächlich ist das nichts als Augenwischerei und lenkt von den horrenden Gewinnen ab, die sich die Industrie mitsamt ihren Aktionären in die Taschen schieben.

Zieht ihr euch diesen Schuh - also den mit der Verantwortung drin - an? Ich nicht.

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Putin

Wer zündelt hier?

Kriegsschiff

Keine Frage, Putin macht keine Anstalten, deeskalierend im Ukraine-Konflikt zu wirken. Er provoziert und handelt selbstgerecht, ohne Rücksicht auf irgendwen.

Doch ist es wirklich Putin der zündelt, säbelrasselt und auf Eskalation setzt?

Sehen wir uns einmal ein paar Fakten an.

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