Linux gar nicht an allem schuld

27.06.2017

Das Thema Linux ist in der Münchner Verwaltung und im Münchner Stadtrat ein Dauerthema. Es ist schwer, an objektive Informationen oder an Berichte von Beteiligten zu kommen. Artikel in der Presse sind oft tendenziös.

Die Stadtratsgruppe um Die Linke hat Linux daher zum Thema gemacht und Karl-Heinz Schneider, Werkleiter des städtischen Eigenbetriebs it@M eingeladen, um über das Projekt sachkundig zu berichten.

Hier ein Bericht.

Mit Freude bemerkte Karl-Heinz Schneider, Werkleiter des Eigenbetriebs it@M und „ITler mit Herzblut“, wie er sich vorstellte, dass sich die Stadtratsgruppe der Münchner Linken ausgerechnet am Welttag des Pinguins, dem 25. April, mit dem Thema der städtischen IT beschäftigen wolle. Ist der Pinguin doch auch das Symbol von Linux und LiMux, dem IT Projekt der Stadt München, durch welches die Computer der Stadtverwaltung auf Linux umgestellt werden sollten ( https://de.wikipedia.org/wiki/LiMux ).

Von Windows getrieben: Der Anfang des Projektes

Schneider stellte zuerst dar, wie die Stadt überhaupt zu Linux gekommen war. Der Antrieb hierzu kam von Microsoft selbst. Das Unternehmen hatte zuerst bei Einführung von Windows 95 und erneut bei Windows XP im Jahr 2001 angekündigt, die Lizenzen deutlich teurer machen zu wollen. Zudem gab es Gerüchte, dass auch die Computer an sich ausgetauscht werden müssten. Dementsprechend gab es bereits im Jahr 2001 eine Anfrage im Münchner Stadtrat, ob es Alternativen hierzu gäbe. Die Stadt lud sich daraufhin ein Gremium von Experten von IBM ein, das zu dem Schluss kam, dass eine Umstellung auf Open Source durchaus möglich sei. Im Jahr 2003 erfolgt dann der entsprechende Grundlagenbeschluss, wonach die städtische IT so umstrukturiert werden sollte, dass sie unabhängig von Hersteller, bestimmten Officeprodukten und auch einem bestimmten Betriebssystem werde. Die Verwaltung wurde mit einer Kostenprüfung beauftragt. Die Untersuchung lief bis 2004 und abschließend wurde empfohlen eine stadtweite Migration auf Open Source durchzuführen. Nur 3 Monate später wurde dies wieder gestoppt, da einzelne Stadträte Bedenken wegen lizenzrechtlicher Probleme bekamen. Im Jahr 2005 waren diese Bedenken überwunden und das Projekt wurde final gestartet, wobei ein Zeitraum von 5 Jahren vorgegeben wurde.

Ganz ohne Windows geht es nicht

Schneider betonte, dass von Anfang an klar war, dass nicht sämtliche Rechner auf Linux umgestellt werden können. Grund hierfür ist, dass jedes Referat seine eigenen Fachanwendungen hat. Es bestehe ein erheblicher Unterschied zwischen dem, was etwa das Kreisverwaltungsreferat für das Waffen- und Einwohnerwesen benötigt und den Anforderungen des Sozialreferats mit seinen hochsensiblen Daten. Eine Schwierigkeit liegt darin, dass es sich um vollkommen heterogene Kulturen und Fachanwendungen handle. Er schätzte die Zahl unterschiedlichster Anwendungen auf etwa 800. Diese waren zu Beginn teilweise selber programmiert, teilweise von den großen Anbietern erworben und teilweise ist die „Klitsche nebenan“ beauftragt worden. Viele dieser Anwendungen waren tief mit Microsoft verwachsen. Ziel war von Anfang an, alle Rechner auf Open Office und 80 % der PC`s auf Linux umzustellen, wobei ebenfalls bereits am Anfang feststand, dass die schulische IT aus diesem Projekt draußen war. Zum damaligen Zeitpunkt gab es etwa 12000 Rechner. Stand heute verwaltet die Stadt 20000 Rechner auf Linux und 5000 auf Windows. Die Ziele aus dem Stadtratsbeschluß waren letztlich 2012 erreicht, seit 2013 gilt das Projekt als abgeschlossen. Für ein IT-Projekt dieser Größenordnung ist dies trotz Überschreitung der überambitionierten Stadtratsvorgaben ein durchaus sehenswerter Zeitraum. Man habe erhebliche Leistungen vorzuweisen. So habe die städtische IT für eine E-learning-Plattform einen Preis erhalten

Die Umstellung auf Linux: besser als ihr Ruf

Die geschilderte Ausgangslage wirkte sich natürlich auch erheblich auf die Kosten aus. Derzeit sei davon auszugehen, dass die gesamte Umstellung etwa 13 – 15 Mio Euro gekostet habe. Allerdings gab es damals in den jeweiligen Referaten insgesamt 16 eigenständige Abteilungen, die „alle gemacht hätten, was sie wollten“. Dies hatte dazu geführt, dass man bei einer Zusammenstellung auf etwa 22000 verschiedene Formulare und allein 120 unterschiedliche Reisekostenabrechnungen gekommen sei. Ein Großteil der entstandenen Kosten habe also nichts mit Linux zu tun, sondern sei der eh notwendigen Vereinheitlichung und Zentralisierung geschuldet. So habe man zum Beispiel auch einen Posten von 4 Mio Euro für Migrationsunterstützung, die unabhängig davon angefallen wären, ob man zu Linux oder zu Windows migriert wäre. Das Argument, man müsse jetzt wieder auf Windows umstellen, da die Kosten für Linux zu hoch seien, schlage also nicht durch. Problematisch sei eher, dass der Markt für kommunal Anwendungen, insbesondere für Anwendungen großer Kommunen sehr begrenzt sei. Hier sei man oft auf die großen Anbieter angewiesen. Kleine und mittlere Unternehmen spezialisieren sich eher auf die Bedürfnisse kleinerer Kommunen, da der Markt naturgemäß deutlich größer sei. Das Ziel plattformunabhängige Anwendungen zu bekommen, sei daher nicht durchgängig erreichbar. Beispielsweise müsse man für den neuen biometrischen Ausweis auf genau einen Anbieter von Fingerlesegeräten zurückgreifen, nämlich die Bundesdruckerei und deren Gerät funktioniere nur mit Windows. Eigenentwicklungen würden die Kosten eher steigern, da der Personalaufwand immens wäre. Falsch eingeschätzt habe man damals den allgemeinen Trend. Die Hoffnung, dass sich eine Vielzahl an Kommunen und anderen öffentlichen Einrichtungen an der Umstellung auf Open Source beteiligen, hat sich nicht erfüllt.

Was steht an?

Bei den aktuellen Entwicklungen stehe immer noch die Strukturierung im Vordergrund. Eine Mitarbeiterbefragung hatte ergeben, dass München bei der Zufriedenheit der städtischen Angestellten mit der IT in einem sehr schlechten Mittelfeld liege. Bei den Gründen wird oft pauschal auf Linux verwiesen. Schaue man aber genauer hin, stelle man fest, dass ca. 6 – 7 unterschiedliche Linux-Versionen durch die Stadt geistern. Man habe also immer noch mit einem „dezentralen Verhau“ zu kämpfen. Der Trend gehe im Moment aber auch in eine andere Richtung, nämlich dass man eine Vielzahl unterschiedlichster Endgeräte mit verschiedenen Betriebssystemen habe. Es komme daher darauf an, eine Technik zu entwickeln um diese Vielfalt zu bedienen. Schlagwort sei die Virtualisierung, also Anwendungen auf möglichst vielen Plattformen laufen zu lassen. Wäre die Technik hierzu 2003 bereits so weit gewesen wie heute, wäre das gesamte Projekt wahrscheinlich komplett anders verlaufen. Für die notwendige Strukturierung sei die Etablierung eines schlanken IT-Referats eine gute Möglichkeit. Ob die Gründung einer GmbH für die städtische IT vorteilhaft sei, sei demgegenüber eine „Glaubensfrage“. Angst um Arbeitsplätze müsste ITler in München jedenfalls nicht haben. Die Bewerberlage sei eher für die Stadt problematisch.

Johannes Kakoures

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Aus dem Programm der Kulturstation:

LUL aus Holland machen Musik, die man nur schwer einordnen kann. New Wave meets Hardcore oder einfach Post Punk oder so was ähnliches. Kurz nach ihrer Gründung haben sie bereits in Holland einen Demo Kassetten Test im Radio gewonnen. Nur befand sich auf dem Tape nicht LUL sondern Black Flag, was der Jury wohl einigen Ärger eingebracht haben dürfte.

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