Freihandelszone

Mais
16.06.2013

Und wieder soll eine Bastion des Protektionismus zum Segen des weltweiten Kapitalismus geschleift werden. Die letzten Handelsschranken nach Übersee sollen fallen.

Ein neues, goldenes Zeitalter prophezeien die Auguren von Handelskammertag und EU-Kommission. Europa könne um Milliarden Euro mehr Exportieren. Hunderttausende Arbeitsplätze könnten geschaffen werden. Das Wirtschaftswachstum - oh Du Götze der modernen Zeit - könne immens gesteigert werden. Todschlagargumente aus der Mottenkiste wirtschaftsliberaler Fundamentalisten.

Chlorbegaste Hendl auf der Wiesn. Genpoppcorn im Kino. Direkt aus den USA. Darauf haben wir sehnsüchtig gewartet.

Im Gegenzug kann sich der Texanische Cowboy an Bayerischen Biohendeln erfreuen. Schickt Ihr uns eure Gickerl, schicken wir Euch unsere!!!

Stellt sich niemand die Frage, was Hühner auf hoher See, zwischen zwei Kontinenten verloren haben?

"Transportkosten sind keine Kosten" schallt der Lobbyistenchor.

Das mögen sie nicht sein... sie sind vielmehr ökologischer Irrsinn. Und nur weil wir uns schon längst daran gewöhnt haben, dass das Essen auf dem Teller weiter gereist ist als die hungrige Tischgesellschaft, muss man das noch lange nicht gut finden.

Monsanto wird sich ins Fäustchen lachen. Zwar darf der Konzern dann immer noch keine kontinentalen Felder mit seinem Retortenmist verseuchen, doch der Überschwemmung des Lebensmittelmarkt mit minderwertigem Gen-Dreck ist Tür und Tor geöffnet.

Wollen wir nicht weiter über Tischsitten lamentieren. Wollen wir uns den tollen Exportchancen zuwenden. Welche Chancen werden da wohl gemeint sein?

Irische Schafswolle? Portugiesischer Portwein? Griechische Schiffe? Halbfabrikate aus Spanien? Oder doch eher Deutsche Industriegüter?

Es wird sein, wie es überall ist, profitieren werden die, denen es bereits gut geht. Alle anderen werden auf der Strecke bleiben. Sozusagen ein EU-weites Umverteilen von unten nach oben.

Blicken wir über den Ozean. Amerika will Europa nicht einfach was gutes tun. Obama kein Gutmensch, der mit massenhaften Importen Europas Wirtschaft ankurbeln will.

Ist es nicht vielmehr so, dass sich die USA erhoffen, die eigene darbende Wirtschaft durch verstärkten Export in Schwung zu bringen?

Eine neue Front in der globalen Wirtschaftsschlacht ist eröffnet.

Und die Arbeitsplätze? Sicher braucht die Industrie, brauchen die großen Konzerne Arbeitskräfte. Viele und vor allem billige Arbeitskräfte. Je billiger, desto besser. Man muss ja konkurrenzfähig bleiben. Und während der prekäre Billiglohnsktor der Industrie kaum zu bedienen sein wird, werden Mittelstand und Landwirschaft durch Massenimporte weiter ausgeblutet.

Ich höre schon die Lobbyisten Sektkorken knallen lassen. Ihre Vasallen aus der Politik werden sabbernd zusehen.

Und der Wähler? Der wird auch bei der nächsten Wahl sein Kreuzchen bei denen machen, die ihn am gerissensten verarschen.

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Extremismus

Extremisten töten

Bei all dem Geschrei um randalierende Polithooligans mal ein paar Zahlen nebenbei:

Death count seit 1990 in Deutschland
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