Flüchtlingsdrama als Unterhaltung

06.08.2015

Lasst mich darüber ein wenig nachdenken.

Der Kapitalismus ist ja geneigt, alles zu vereinnahmen, mit dem sich irgendwie Kohle machen lässt.

Da werden Jugendbewegungen aufgekauft (siehe: Ramones bei C&A), revolutionäre Romantik vermarktet (wer bringt das Ché T-Shirt heute noch mit Kubas Befreiung in Verbindung?) oder Punk Ikonen aufs Butterbrot geschmiert (Jonny Rotten im Werbefernsehen).

Ist es da nicht folgerichtig, dass auch Flüchtlinge für Werbekampagnen und Unterhaltung herhalten müssen?

Hier zwei Beispiele.

Die Flüchtlingsshow

Reporter des Bayerische Rundfunk begleiten Samir auf seiner Flucht von Syrien über die Türkei in die Europäische Union. Mal ganz nahe, mal aus sicherer Entfernung, immer mit einem Fuß auf der Tränendrüse.

Man trifft sich auf einen gemütlichen Plausch in sicherer Umgebung. Wird es ernst - für Samir, nicht für die Reporter - wird aus sicherer Entfernung berichtet.
Hochdramatisch wird der Versuch aufbereitet, per SMS und Telefon Kontakt zu Samir auf einem Schlauchboot im Mittelmeer zu halten.
Auf der eine Seite also ein Flüchtling, der um sein Leben und seine Zukunft kämpft. Kein Benzin, kein Plan und Streit unter Flüchtlingen. Ertrinken nicht ausgeschlossen. Ausgang ungewiss.

Auf der anderen Seite ein Reporterteam. Das Schicksal Samirs aus sicherer Entfernung beobachtend und dokumentierend. Mit fällt spontan das Wort „voyeuristisch“ ein.
Zuletzt noch der Zuschauer. Er bangt und hofft mit den Protagonisten. Ein bisschen Spielfilm, ein bisschen Spieleshow. Als Gewinn winkt ein besseres Leben. Verliert Samir, landet er bestenfalls in seiner prekären Ausgangslage. Schlimmstenfalls verliert er Gesundheit oder gar sein Leben.

Bayerisches Fernsehen: Samir flieht

Flucht als Werbekampagne

Einen anderen Weg verfolgt die Werbekampagne für eine Fotoausstellung im baskischen Getxo. Ein vermeintlicher Flüchtling wird auf Selfie-Tour geschickt. Dramatische Szenen werden werden auf Instagram veröffentlicht. Wenn ich das richtig sehe wurden die Betrachter der Fotos absichtlich darüber im Unklaren gelassen, dass es sich dabei weniger um das Tatsächliche Schicksal eines echten Flüchtlings handelt, denn um eine geschickt angelegte Story zu Werbezwecken.

Kurier: Falsche Flüchtlings-Selfies bewegen Instagram 
Spiegel: Falsche Flüchtlings-Selfies auf Instagram

Beide Geschichte hinterlassen bei mir einen etwas seltsamen Nachgeschmack.

Auf der einen Seite steht die Wirkung. Sowohl die Reportage, als auch die Werbekampagne sind geeignet, zum Nachdenken anzuregen, aufzurütteln. Das lässt sich nicht von der Hand weisen. Das kann ein nützlicher Beitrag zur Flüchtlingsproblematik sein.

Auf der anderen Seite das Bestreben, mit der Geschichte Geld zu machen, Schicksale zu vermarkten.

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Sigmar Gabriel

Kanzler Gabriel?

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Die SPD Spitze so:
Er ist als Parteivorsitzender der natürliche Kanzlerkandidat der SPD.

Ich so:
Die SPD gibt die nächsten Wahlen schon sehr frühzeitig verloren.

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