Fidel Castro Ruz - Kein Nachruf

29.11.2016

Wenn man den ganzen Cuba- und Castro-Kritikern dieser Tage (und der letzen 60 Jahre) Aufmerksamkeit schenkt, könnte man glatt zu der Überzeugung gelangen, unter Batista hätte es geradezu paradiesische Zustände gegeben.

Und auch Menschenrechtslage und wirtschaftliche Situation der Massen in den kapitalistisch und/oder diktatorischen Systemen des restlichen Lateinamerikas sei um so vieles besser als in Cuba.

So zimmert sich eben ein jeder sein Weltbild zurecht.

Das ist weniger ein Argument, mehr eine Feststellung.

Und noch eine Feststellung hinterher: Eben diese Kritiker erschöpfen sich oft schnell in Meinung ohne Beleg.

Das muss ich loswerden, angesichts Welle an Hass, die dem greisen Ex-Diktator nach seinem Ableben zuteil wird.

Und weil meine Feststellung natürlich interpretiert werden kann, wird sie auch interpretiert. Eine Interpretation eines von mir sehr geschätzten Menschens möchte ich nicht vorenthalten:

"Deiner Argumentation folgend, war es mindestens nicht zu verurteilen, dass Stalin nach '45 in Osteuropa massenweise Menschen vertrieb, mundtot machte, in Lager steckte, bespitzelte oder einfach mit dem Panzer überrollte, weil, ja weil das, was deutsche Sonderkommandos wenige Jahre zuvor an selber Stelle vollbrachten, nun wahrlich auch kein humanitärer Einsatz war.
Zumindest ich möchte dieser Argumentation nicht folgen."

Das wiederum konnte ich nicht einfach stehen lassen. Denn weder möchte ich schönreden, was nicht schön zu reden ist und noch viel weniger möchte ich Gräueltaten der Vergangenheit gegenseitig mit dem Ziel der Relativierung aufrechnen. Darum:

Während in vielen Südamerikanischen Ländern der Putsch, von den USA mehr oder weniger offen unterstützt, das lange Pausieren von Demokratie und Rechtsstaat bedeutete - inklusive Terror, Folter und Unterdrückung, Ausbeutung von Land und Volk - fegte Castros Revolution die Batista-Diktatur schnell vom Feld.

Im Folgenden - und das werden die weniger dogmatischen Castro-Verachter zugeben müssen - hat die Revolution Land und Volk einiges Gute beschert. Das oft zitierte Bildungs- und Gesundheitswesen etwa, oder die Enteignungen unberechtigten Besitzes.

Das Ergebnis, im Vergleich diverser diktatorischer oder/und kapitalistischer Experimente zu dieser Zeit, lässt sich bildlich vielleicht so beschreiben: Während es in vielen Ländern wenigen besser und sehr vielen sehr viel schlechter gegangen ist, ist es in Cuba wenigen schlechter und sehr vielen ein wenig besser gegangen.

Gleichzeitig hatte das Land durchgehend unter vielfältigen Schikanen seitens den USA zu leiden. Hier seien Wirtschaftsembargo und das Abenteuer in der Schweinebucht genannt.

Vor diesem Hintergrund kann man sagen, nur wo gearbeitet wird, können auch Fehler gemacht werden. Man kann auch sagen, jede Medaille hat zwei Seiten, oder: Wo viel Licht, da viel Schatten. Man kann es aber auch deutlich benennen: Unter Castro ist auch viel Unrecht geschehen.

Unrecht, dass durch Vergleiche mit Unrecht anderer Regime nicht weniger Unrecht wird.

Dafür ist Castro zu kritisieren und es ist Cuba und den zukünftigen Regierungen zu wünschen, dass dieses Unrecht nicht fortgeführt wird. Dass begangenes Unrecht aufgearbeitet und geahndet wird. Und dafür sehe ich in Castro - und ich mag meine Sympathien für Revolution und Befreiungskampf hier nicht verleugnen - nicht die heroische Lichtgestalt, die in verklärenden Aufsätzen linker Kolumnisten beschworen wird. Aber eben auch nicht den menschenfressenden Teufel, der von den Kritiken - oft verbissene Exilkubaner - gezeichnet wird.

Es bleibt Cuba zu wünschen, die Errungenschaften der Vergangenheit zu wahren, die Verfehlungen zu Ahnden und aus den Fehlern zu lernen. Es bleibt Cuba zu wünschen, dem hereinbrechenden Kapitalismus zu trotzen. Denn sonnst hätten Batista und die CIA nach einem halben Jahrhundert doch noch den Sieg davon getragen. Dann hätte das Volk ein halbes Jahrhundert vergebens gehofft und gelitten.

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Gerner Zipfeklatscher

Gerner Zipfeklatscher - 16.06.2015 - Zum Holzwurm

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Wenn von den Gerner Zipfeklatschern die Rede ist, dann fallen große Worte.

Zur Rettung der baierischen Wirtshauskultur seien sie angetreten. Der volkstümelnden Musikantenstadl Musik wollen sie die Stirn bieten.

Die musikalische Sozialisierung mit Punk wird ebenso bemüht, wie die Volksmusik der Elterngeneration.

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