Ein weiterer Clou aus Politik und Rechtswesen

29.03.2012

Dir großen Presseverlage jammern und klappern mit den Zähnen. Jetzt werden sie diese Zähne bald fletschen dürfen.
Der Streitpunkt: Sogenannte News-Aggregatoren bereichern sich an den Erzeugnissen der Presseverlage, ohne die Presseverlage an der Bereicherung teilhaben zu lassen.

Einer dieser News-Aggregatoren ist Google und Googles Geschäftsmodell basiert darauf, Informationen aus dem Netz zu sammeln und dem Suchenden aufbereitet zu präsentieren. Dabei verdient Google durch den Verkauf von Werbung. Und wie wir immer wieder hören, verdient Google sehr gut damit.

Da war es nur eine Frage der Zeit, wann hier Begehrlichkeiten geweckt würden. Und die Begehrlichkeiten könnten absurder kaum sein.

Beinahe jeder Webseitenbetreiber lechtzt danach, in den Google-Suchergebnissen möglichst gut abzuschneiden. Tausende, wenn nicht Millionen harter Euros werden investiert, um Webseiten und Inhalte so zu optimieren, dass bestmögliche Platzierungen in den Suchergebnissen erreicht werden. Und ich bin mir sicher, dass die Presseverlage da keine Ausnahme machen.

Sehe ich mir Statistiken über die Auffindbarkeit einiger Presseverlage bei Google an, so sehe ich einen verbissenen Kampft um die beste Sichtbarkeit:

Google hat natürlich gemerkt, dass die Suchenden oftmals aktuelle Informationen zu aktuellen Geschehnissen lesen wollen. Ob nun zu Fukushima, Causae Wulff und Guttenberg oder einfach das aktuelle Wetter und die Fußballergebnisse. Als Reaktion hat Google eine News-Suchmaschine eingerichtet, die sich, so die Presseverlage aktuelle Informationen vorhalten, eben bei diesen bedient.
Man möchte meinen, die Presseverlage wären dankbar. Basiert ihr Geschäftsmodell doch ebenfalls darauf, Informationen zu sammeln und aufbereitet zu präsentieren. Und wodurch verdienen sie ihr Geld? Richtig, durch den Verkauf von Werbung.

In der Natur würde man jetzt von einer Symbiose reden. In der Wirtschaft von einer win-win-Situation.
Das sehen die Verlage anders. Sie sehen in Google und allen anderen, die ihre Inhalte nutzen, eher Schmarotzer und Parasiten, die sich auf Kosten der Verlage bereichern.
Sofort wird der Schrei nach dem Gesetzgeber laut: Google möge zur Kasse gebeten werden.
Der Gesetzgeber wird willfährig sein. Welche Regierung, welche Opposition kann es sich schon leisten, Presserverlage, gar die Bildzeitung, gegen sich aufzubringen?

Google hingegen wird es sich leisten können. Google wird kein Problem damit haben, Webseiten, die mit Honorarforderungen daher kommen, aus dem Index zu nehmen. Leidtragend wäre der wissenshungrige Internetnutzer. Aber da haben wir ja schon an anderer Stelle zu hören bekommen, dass es eine Unsitte sei, kostenlose Inhalte als selbstverständlich anzusehen.

Aber ich schweife ab...

Der Gesetzgeber schickt sich natürlich an, voll des Halbwissens den Lobbyisten dahin zu kriechen, wo sie es am liebsten haben. Raus kommt dabei dann ein sogenanntes Leistungsschutzrecht, dass sich um so Floskeln wie "gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren" oder "künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet ein Entgelt an die Verlage zahlen" (siehe winfuture.de).

Eine klare Definition, was etwa "gewerbliche Anbieter im Netz" sind oder ab wann das Zitieren fremder Webseiten unter Entgeltpflichtige "Verbreitung von Presseerzeugnissen" fällt, wird man vergebens suchen.

„Die FAZ schreibt“ ist kein, die „Die FAZ schreibt völlig zu Recht“ ist ein Zitat ist auf blog.die-linke.de zu lesen. Heißt also wenn ich etwas zitiere, dann ist es kein Zitat, wenn ich jedoch eine Behauptung aufstelle, dann ist es ein Zitat?! Ich bin verwirrt.

Wären nun die Sätze fremder Webseiten, die ich in diesen Text eingebaut habe (und auch als solche kenntlich gemacht habe), eher kostenpflichtige Snippets oder kostenfreie Zitate? Darf ich mich in Sicherheit wiegen, weil auf dieser Seite keine Werbung geschaltet ist? Oder überwiegt der komerzielle Aspekt, weil zwei Klicks weiter ein Shop lauert?

Ich bin gespannt, wann sich der Duden zu Wort meldet und ganz allgemein für die Nutzung von Wörtern im Internet Honorar verlangt.

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