Die dritte Startbahn

Mehr Startbahn, mehr Reibach

Mehr Startbahn, mehr Reibach

Interview Roland Schoenfelder

17.06.2012

Nachdem der Bürgerentscheid jetzt vorbei ist, hat sich Herr Schoenfelder bereit erklärt, die Hintergründe der Initiative "Pro Beton" zu erläutern. Er gibt hier erstaunliches preis. Aber lesen Sie selbst.

EMAZ: Herr Schoenfelder, der Souverän hat gesprochen, die dritte Startbahn wird nicht gebaut.

Roland Schoenfelder: Selbstverständlich ist der Bürgerentscheid noch lange nicht das Aus für die dritte Startbahn. Und da fahren wir durchaus mehrgleisig. Einmal hätten wir da die Landtagswahl nächstes Jahr. Herr Seehofer hat ja schon gesagt, was er vom Bürgerwillen hält, nämlich gar nichts. Dann wäre da das Zeitspiel. Der Bürgerentscheid ist für ein Jahr bindend, dann werden die Karten neu gemischt. Entweder wird München in dieser Zeit vernünftig und ist bereit, einen neuen Anlauf zu unterstützen oder wir werden Mittel und Wege finden, München zum Verkauf der Flughafenanteile zu zwingen. Zusammen mit der CSU loten wir bereits heute aus, wie man ein SPD regiertes München finanziell ausbluten lassen kann. Und wenn's Geld knapp wird, sind unliebsame Firmenbeteiligungen schnell veräußert

EMAZ: Sie sind also nicht gewillt, den Bürgerentscheid zu respektieren?

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Roland Schoenfelder: Wo denken Sie hin? Natürlich nicht. Da geht es einfach um viel zu viel Geld als dass wir einfach so klein beigeben. Wir haben bereits Herrn Kerkloh, den Flughafen-Chef, beauftragt, rechtliche Mittel gegen den Bürgerentscheid prüfen zu lassen. Sicher findet sich schon hier eine Lücke, um mit einstweiligen Verfügungen die Planungen auch ohne die Zustimmung der Stadt München fortführen zu können. Eventuell können wir München auch aus der Gesellschaft herausklagen. Geschäftsschädigendes Verhalten oder so. Wir werden sehen.

EMAZ: Der Bürgerentscheid ist ein Jahr bindend. Gerichtsentscheide dauern mitunter.

Roland Schoenfelder: Ja wenn alle Stricke reißen, dann warten wir eben dieses eine Jahr. Auch für diesen Fall haben wir eine Strategie, um anschließend die dritte Startbahn wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Die Flugrouten werden bevorzugt über das Stadtgebiet verlegt. Tiefflüge werden genehmigt soweit es der Gesetzgeber zulässt. Das Nachtflugverbot kann auf vielerlei Weise umgangen werden. Und nicht zuletzt habe wir Möglichkeiten, Münchnern den Zugang zu billigen Flugtickets zu erschweren. Sie werden sehen, spätestens in einem Jahr wird auch der hartnäckigste Startbahnverweigerer nach der Betonpiste gieren.

EMAZ: Nun lassen Sie uns zum eigentlichen Thema kommen. Sie wollten uns erhellendes über die Argumentation der Startbahnunterstützer offenbaren. Wie ist das denn etwa mit den Baukosten?

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Roland Schoenfelder: Wir haben die Zahl von 1,2 Milliarden Euro in Umlauf gebracht. Das war eine erste grobe Schätzung. Aus psychologischer Sicht geradezu optimal. Einskommazwei, lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen. Das liest sich nach verschwindend wenig im Vergleich zu... im Vergleich zu 900 Millionen. Natürlich wissen wir, dass die angesetzten Kosten nicht haltbar sind und natürlich liegen uns andere Zahlen vor. Realistischere wenn Sie so wollen. Wir sind von einer wenigstens 100% Steigerung bis zum Baubeginn ausgegangen. Während der Bauphase? Da kann so viel passieren. Steigende Rohstoffpreise, höhere Lohnkosten. Und selbstredend sind wir nicht so naiv zu glauben, dass veranschlagte Bauzeiten eingehalten werden. Sehr schön ist das am Flughafen Berlin zu sehen. Die Eröffnung muss um ein Jahr verschoben werden. Was da an Zusatzkosten aufläuft. Einfach gigantisch.

EMAZ: Die Flughafengesellschaft hat versprochen, dass die öffentliche Hand nicht an den Kosten beteiligt würde.

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Roland Schoenfelder: Es ist ein Einfaches, der Bevölkerung vorzugaukeln, dass die Belastungen nicht zu Ungunsten der Steuerzahler ausfallen werden. Aber mal im Ernst, wer glauben denn Sie wird für die Kosten aufzukommen haben? Der Bürger ist noch für jedes finanzielle Abenteuer aus Wirtschaft, Politik und Bankengewerbe aufgekommen. Man braucht nur zu erzählen, dass soundsoviele Arbeitsplätze in Gefahr sind oder der Aufschwung gefährdet ist, schon schluckt der Steuerzahler jede Kröte. Muhahaha, der wird doch so schnell über den Tisch gezogen, dass er die Reibungshitze als Nestwärme empfindet.

EMAZ: Die Prognosen über den zukünftigen Flugverkehr?

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Roland Schoenfelder: Uns ist sehr bewusst, dass die Prognosen, die wir der Öffentlichkeit präsentiert haben, auf Sand gebaut sind. Teilweise auch frei erfunden. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird die dritte Startbahn als teuerste Bauruine Bayerns in die Annalen eingehen. Ach was, nicht Ruine, eher Milliardengrab. Denn auch wenn die Startbahn letztlich nicht genutzt wird verschlingt sie Millionen und Abermillionen an Unterhalt.

EMAZ: Viele prominente Namen sind als Unterstützer aufgeführt. Haben Sie die mit Ihren Prognosen nicht genauso hinters Licht geführt?

Roland Schoenfelder: Für unsere prominenten Unterstützer haben wir selbstredend Vorsorge getroffen. Freilich wollen die nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Die Flughafen GmbH gehört Stadt und Staat. Ebenso gehören Schulden und Verluste Stadt und Staat. Sie glauben doch nicht, dass Seehofer und Ude persönlich dafür aufkommen werden. Also müssen wir unser Klientel und dessen Geld rechtzeitig dem Zugriff Münchens und Bayerns entziehen. Dafür haben wir schon vor Monaten einen wasserdichten Plan erarbeitet. Mit Kap Drilling und Ronald Bergler. Einen Notfallplan wenn Sie so wollen.

EMAZ: Eine Planung mit so angesehenen Unternehmensberatungen muss doch ein Vermögen gekostet haben?

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Roland Schoenfelder: Sicher. Aber nicht unseres. Das wurde über den staatlichen Wirtschaftsentwicklungsfond finanziert. Dabei ist für uns auch eine erkleckliche Provision herausgesprungen.

Herr Schoenfelder wir danken für dieses Gespräch.

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Ich leb' jetzt seit knapp 50 Jahren in Deutschland. Habe von Kindesbeinen an jede Menge Freunde und Bekannte.

In ihren Pässen standen und stehen die unterschiedlichsten Nationalitäten. Türkisch, deutsch, jugoslawisch (später dann auch mazedonisch, serbisch, kroatisch), österreichisch, portugiesisch, thaiwanesisch und was weiß ich noch alles.

Sie bekennen zu unterschiedlichen Religionen. Christlich, muslimisch, buddhistisch oder sind Atheisten.

Sie haben unterschiedliche politische Ansichten. Die reichen von nonkonformistisch über ganz links bis weit ins bürgerlich Konservative.

Ich diskutiere mit ihnen, feiere, gehe mit ihnen einem Heben, arbeite mit ihnen zusammen.

Und ja, ich bin schon bedroht und körperlich angegangen worden. Und soll ich Euch sagen, von wem? Von Nazis und Besoffenen. Nie von Nationalitäten, Kulturen oder Religionen.

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