Curry Queen - Es geht um die Wurst

21.06.2018

Grillen, das war für mich immer Kohlen anzünden, Würstel drauf und gut ist's.

Das war einmal. Im Zeitalter der opulenten Webergrillfachabteilungen outet man sich damit schnell als grilliertechnischer Banause.

Kohle ist nicht gleich Kohle und das Grillgut darf erst aufgelegt werden, wenn der Hightech Temperaturfühler sein Ok gibt. Für Hühnerflügel gibt es einen eigenen Ständer, für die Schenkel einen anderen. Es gibt literarische Abhandlungen, ob Seitenhitze oder Unterhitze geboten ist, ob Teakholzkohle oder Biogas gesünder ist und welche Obstholzspähne im Smoker für das richtige Aroma sorgen.

Logisch, dass dann nicht einfach die klassischen Nürnberger Rostbratwürstel aus dem Supermarkt aufgelegt werden können. Und wirklich, wer den direkten Vergleich zwischen dem Fränkischen Kulturgut und einer Salsiccia vom Metzger sucht, wird fürderhin gerne Abstand von großindustriellem Brät nehmen.

In diesem Zusammenhang hat ein Buch mit dem Titel "Curry Queen" in meine Küche gefunden. Mal sehen, ob und wie cosmopolitische Wurstzubereitung heutzutage auszusehen hat.

Beim Überfliegen des Inhaltsverzeichnis wird schnell klar, das Buch richtet sich nicht an den Freizeitgriller, der mit Familie und Freunden einfach eine Gute Zeit verbringen will. Hier sind weltgewandte Künstler am Werk, die zu einem kulinarischen Streifzug durch die internationale Wurstszene einladen. Kaum eins der vorgestellten Rezepte dürfte sich mit Zutaten aus dem Supermarkt oder vom Metzger an der Ecke realisieren lassen. Zwar finden sich die eingangs erwähnten Salsicce mittlerweile in mancher Fleischtheke, doch wird man sich in Bayern schwer tun, Deichwiesenlammwurst aus Sylt zu erstehen.

Klar auch, dass sich die Rezepte für spontanes Grillen an der Isar nicht eignen. Man möchte schon gerne eine gut ausgestattete Küche in Reichweite haben. Jus einkochen, "bis ein Sirup entsteht", ist keine Angelegenheit für den Campinggrill. Auch Nudelkreationen fallen nicht unter die gängigen Grillgerichte.

Nichtsdestotrotz laden exotische Rezepte, wie nationale und internationale Wurstklassiker zum Experimentieren und Ausprobieren. Gerade und besonders, wenn man vom Deutschländer Bruzzler die Nase voll hat.

Um ehrlich zu sein, vor dem Kapitel "Desserts" hatte ich ein wenig Angst. In meinem Kopf entstand das Bild von Mousse au Chocolat mit cremig geschlagenem Leberwurstbrät. So weit gehen die Autoren dankenswerter Weise nicht. Die Nachspeisen sind frei von Metzgerwaren. Es kommen lediglich für Süßspeisen ungewöhnliche Curryrezepturen zum Einsatz. Die aber recht ausgiebig. Ob man mit Curry Crème Brulé den großen Stich macht, oder sich doch lieber eines klassischen Rezeptes bedient, muss jeder selber wissen. Die Salame Dolce aus viel Nuss und Schokolade hingegen kann ich mir schon vorstellen. Vielleicht nicht direkt nach einer fettigen Bratwurst, aber doch.

Eigentlich wollte ich das Buch ja in Bausch und Bogen zerreißen. Denn das erste Rezept, das mir in die Augen stach war "Weißwurstcarpaccio mit Petersilien-Senf-Pesto". Und wenn es um die Weißwurst geht, da muss ich zugeben, bin ich konservativ bis ins Blut. Eine Weißwurst gehört gebrüht und warm mit süßem Senf und Brezn serviert. Basta. Wer damit Unsinn treibt hat meinen Groll zu fürchten. Überspringe ich die Seiten mit dem Weißwurstfrefel, eröffnet sich eine völlig neue Wurstwelt.

Guten Appetit.

comments powered by Disqus

Wahl 2014

Kommunalwahl 2014 - München am Scheideweg

Wahlurne

Am 16. März sind die Münchner zu den Urnen gerufen.

Die Qual der Wahl ist einmal mehr eine ganz perfide.

Werners Wahltipp erhält eine Aktualität wie selten.

A ? B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z