Buddha Bowl - weit gereist und doch gesund?

10.10.2019

Superfood ist in aller Munde. Kauen, trinken und auch gerne auf die Haut schmieren.

Wenn das Versprechen nur gut genug ist, schlingen wir alles in uns rein. Ob es schmeckt, egal. Ob es tatsächlich irgendwie super ist, egal. Wo es her kommt, egal.

Hauptsache, es wird durch echte - oder mehr noch selbst ernannte - Experten propagiert.

Lifestylemagazine, Influencer und wer sich noch berufen fühlt, Gutes zu verkünden.

Ob nun das eine oder andere Superfood irgendwelche positiven Effekte auf Gesundheit und Lebensgefühl hat, darüber mag ich mir kein Urteil anmassen. Dass manch Superfood das eine oder andere dunkle Geheimnis birgt, darauf möchte ich ein Schlaglicht werfen.

Nehmen wir die Buddha Bowl. Hier ein einfaches Rezept:

  • 200 g Quinoa
  • 200 g Kichererbsen
  • 1 TL Chiliflocke, getrocknet
  • 1 TL Salz
  • 1 Kugel Rote Bete
  • 2 Möhre
  • 150 g Tofu, geräuchert
  • 1 Avocado
  • 150 g Rotkohl
  • 1 Bund glatte Petersilie
  • 1 Bund Dill
  • 1 Bund Koriander
  • 50 g Erdnuss

Rezept: [edeka]

Die Zutaten lassen sich recht schnell in zwei Kategorien einteilen. In die, die in unseren Breiten angebaut werden und in die, die oft weiter gereist sind, als der gesundheitsbewusste Kulinariker.

Koriander, Dill und Pertersil wachsen auf dem Balkon. Rotkohl, Rote Beete und gelbe Rüben gibt es auf dem Markt vom Bauern. Tofu? Ach, lasst mich in Ruhe mit dem Tofu. Das kann hier hergestellt werden. Aus Sojabohnen von ums Eck, aus Sojabohnen aus Fernost. Mit und ohne Gentechnik. Sauber vielseitig, das Zeug.

Und dann wären da die Exoten: Erdnuss, Avocado, Kichererbsen und Quinoa. Aus dem Allgäu? Fehlanzeige. Wenigstens aus Europa? Das Wenigste.

Die Zutaten steigen in ihren Heimatländern in den Flieger oder - was nur bedingt umweltfreundlicher ist - entern Containerschiffe.

In Sachen CO2 Fußabruck... für eine Buddha Bowl, kann ich locker in die Dominikanische Republik fliegen und auch wieder zurück.

Kichererbsen

"In Deutschland ist es den Hülsenfrüchten auf Dauer zu kalt, deshalb werden Kichererbsen hauptsächlich in subtropischen Gebieten wie Indien und Australien angebaut"
[kitchenstories]

Erdnüsse

"hat sich der Anbau der Erdnuss [...] über die ganzen Tropen und Subtropen ausgebreitet"
[de.wikipedia.org]

Avocado

"Im größten Anbauland Mexiko führt der Avocado-Boom Umweltschützern zufolge zur illegalen Abholzung von Wäldern"
[fr.de]

Quinoa

"das Pseudogetreide wächst fast ausschließlich in seiner Herkunftsregion in den Anden"
[utopia.de]

Schlechtes Gewissen jetzt? Hm, vielleicht war das meine Absicht. Ich kann noch einen drauf setzen. Zumindest was Quinoa angeht.

Quinoa ist in seinen Herkunftsländern traditionelles Lebensmittel. Lebensmittel auch und vor allem der einfachen Bevölkerung. Die sprunghafte Nachfrage seit findige Geschäftsleute auf die Idee kamen, das Pseudogetreide als Superfood zu vermarkten, führt zu einer rasanten Preissteigerung und Verknappung in den Herkunftsländern. Mit einfachen Worten: Damit wir uns eine hippe Buddha Bowl mixen können, nagen Familien in den Anden am Hungertuch.

Wer jetzt sich jetzt die Schale mit dem Wasser der Unschuld reichen lässt, weil er noch nie eine Buddah Bowl zubereitet hat, dem sei zugerufen, auch deine Banane ist nicht von hier und selbst dein Apfel kommt aus Australien.

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