Böllerverbot - sinnvoll oder Augenwischerei?

30.12.2018

Ich habe von einer Umfrage gehört, die besagt 40% der Befragten seien für ein totales Böllerverbot. 18% können sich ein Verbot durchaus vorstellen. Das hört sich nach einer vernünftigen Mehrheit an.

Vernünftig, weil 58% die Mehrheit ist?
Vernünftig, weil Böllern tatsächlich unvernünftig ist?
Vernünftig, weil Böllern für 15% des Feinstaubs verantwortlich ist?

So einfach ist das nicht.

Die Hysterie, mit der aktuell gegen das private Feuerwerk zu Silvester polemisiert wird, lässt aufhorchen.

Die 15% Feinstaub werden durch die Dörfer getrieben, als wenn der Verzicht auf Raketen das urbane Problem mit einem Schlage lösen würde. Keine Knallerei, kein Feinstaub, so mag der Traum des Dieselfahrers sein. Ob sich wohl auch eine 58% Mehrheit für ein innerstädtisches Fahrverbot finden ließe? Ist doch für 57% des Feinstaubes der Verkehr verantwortlich.

Ich hätte dazu auch eine passende Verschwörungstheorie. Also eine, die ist so plausibel, die könnte ich glatt selber glauben: Da steckt die Autoindustrie dahinter. Die finanzieren bundesweit Initiativen, die das Augenmerk in Sachen Feinstaub von den Dieselstinkern zu den ausgelassenen Feuerwerkfans verschieben sollen. Wie gesagt, nur eine Verschwörungstheorie.

Die Tiere, ja, die Tiere. Und auch die Hunde. Die Hunde vor allem. Die Knallerei, eine einzige Tortur. Welche Wohltat hingegen der Lärm der startenden Boliden allmorgendlich, wie beruhigend das nie enden wollende Brummen in den Straßenschluchten. Mit ein bisschen Phantasie... wie Meeresrauschen.

Ich kenne einen Hund, der bekommt Panikattacken, wenn Abends die Jalousien mit lautem Krachen geschlossen werden. Jeden Abend. Wo ist die Initiative, die Jalousien verbietet?
Ich kenne einen Hund... nein, ich kenne einige Hunde, die von Autos angefahren oder totgefahren wurden. Und? Irgendwer, der deswegen Autos verbieten möchte?

Müll? Ja, Müll verursacht die Knallerei auch. Nicht wenig, das ist alljährlich am 1. Januar auf den Straßen und in den Gärten zu sehen. Spätestens aber wenn der Schnee weggetaut ist. Da liegen sie dann in trauter Einigkeit, die Böllerreste mit den Hundekackebeutel und den Zigarettenkippen. Das Streugut der Stadtwerke vermischt mit Plastiktüten und dem Matsch der Straße. Die Böllerreste sind nach ein paar Tagen von der Straßenreinigung beseitigt. Hundekackebeutel und Zigarettenkippen hingegen begleiten uns das ganze Jahr. Verbieten, verbieten, verbieten!

Und was das wieder kostet. Millionen. Bis zu 150 Millionen Euro werden in Deutschland für Knallerei und Lichterspiel ausgegeben. Was man damit machen könnte... Kindergärten, Bildung, Hungerhilfe.
Ach ja, die Weihnachtsbeleuchtung, die uns Jahr für Jahr üppiger entgegen strahlt, die hat 2017 übrigens 197 Millionen Euro verschlungen. Verbieten, verbieten, verbieten!

Wer sich am lautesten über die verschleuderten Millionen aufregt, möge sich in seiner Wohnung umsehen, möge seinen Einkaufskorb betrachten. Wer reinen Herzens sagen kann, dort ist nichts sinnloses zu finden, der nehme den ersten Stein.

Wenn man aus dem Schaum vor dem Mund, den manche Zeitgenossen in Anbetracht der Silvesterballerei hervorgeifern, Energie gewinnen könnte, der Kohleausstieg wäre kein Thema.

So, jetzt kriegen wir uns alle wieder ein und wenden uns den wichtigen Themen zu. Ja?!

[Update]: Die 15% von denen in der Debatte die Rede ist, sind nicht etwa 15% der gesamten Feinstaubemissionen. Die 15% beziehen sich auf die vom Straßenverkehr abgegebene Menge. Das Umweltbundesamt - und ich vermute, das ist die Quelle der 15% - hingegen spricht davon dass die Böllerei 2,25% aus macht.

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Plastik

Kartusche mit Müll

Kartusche mit Müll

Gelegentlich verlangt der heimische Drucker nach frischer Farbe. Einst flüssig in zigarettenschachtelgroßen Gebinden, wird der begehrte Buntstoff heutzutage in beachtlich großen Einheiten auf den Markt gebracht.

Wobei das eigentlich beachtliche weniger die handelsüblichen Kartuschen, vielmehr die voluminösen Verpackungs- und Füllmaterialien sind, die man eigentlich gänzlich unerwünscht mitgeliefert bekommt.

Neben Karton, Schutzkokon, luft- und lichtdichter Tüte, sowie einer Extraschutzleiste nimmt sich der Pigmentbehälter recht bescheiden aus.

Mitunter drängt sich der Verdacht auf, dass je eindringlicher vor der zunehmenden Vermüllung der Umwelt und der Meere gewarnt wird, desto mehr Energie wenden die Industrienationen dazu auf, auch die letzten Nischen mit den langlebigen Erdölprodukten vollzustopfen.

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