Augen zu - CSU

13.05.2018

Es sind im allgemeinen schöne Tage, wenn ich mich nicht über die CSU und ihre Knallchargen aufregen muss. Die letzten Tage sind entsprechend keine besonders schönen Tage gewesen. Mit erschreckender Vehemenz haut die Bayerische Provinzpartei eine Zumutung nach der anderen raus.

Bürgerbeschimpfung, religiöse Kleingeisterei und engstirnige Verkehrspolitik. Es hat schon seinen Grund, warum dereinst die Biermösl Blosn angestimmt hat "über Deutschland lacht die Sonne, über Bayern die ganze Welt".

Verstörendes Demokratieverständnis

Der Innenminister beschimpft Demonstranten als "unbedarfte Menschen" und zicht die Presse der Lüge. Der CSU Abgeordnete Michael Kuffer belächelt die Proteste gegen das neue Polizeiaufgabengesetz, denn 40.000 Demonstranten und über 100.000 Unterschriften seien ja noch lange nicht die Mehrheit in Bayern.Die Arroganz der Macht? Oder fällt da die Maske vom Antlitz des Unmenschen? Die Herren scheinen vergessen zu haben, dass wir hier in einer Demokratie leben, in der Proteste nicht zur bemitleidenswerten Folklore, sondern zum politischen Geschäft gehören.Und doch können sich die beiden Herren sicher sein, dass ihre Unverfrorenheit nahezu folgenlos bleiben wird. Der Wähler in Bayern wird auch in diesem Herbst sein Kreuzerl an der "richtigen Stelle" machen. Das war schon immer so, warum sollte sich daran was ändern?Wird sich wirklich nichts ändern? Oder geben sich die Bayern diesmal einen Ruck und strafen so viel Demokratieverachtung wenigstens mit dem Entzug der absoluten Mehrheit? Das wäre doch ein Zeichen. Damit würde sich das Wahlvolk einen Rest Würde zurückerobern.

Das Kreuz mit dem Marx

Und noch so eine verquere Weltsicht. Wieder von der CSU. Bundesinnenminister Seehofer legt sich mit Kardinal Marx an. Nicht weil der von der Kanzel herunter von der Wahl der Christsozialen abrät, sondern weil er von dem neuerlichen Kreuz-Wahn der Bayerischen Staatsregierung wider Erwarten nicht vorbehaltlos begeistert ist. Ja wo kommen wir denn hin, wenn die Kirchenvertreter nicht geschlossen hinter der oktroyierten Marterlverordnung stehen?Äh? What? Hallo! Der Gesetzgeber hat seiner Zeit weise gehandelt und eine Trennung von Staat und Kirche festgesetzt. Damit lebt es sich in säkularen Zeiten im Großen und Ganzen recht gut. Dass diese Trennung gelegentlich in der einen oder anderen Richtung ausfranst, ist immer aufs neue bedauerlich. Bedauerlich das große C in einer der unchristlichsten Parteien des Landes. Bedauerlich die Nähe mancher Prediger zu bewusster C-Partei.Was die Herren Söder und Seehofer nun betreiben, ist jedoch eine Kasperliade mit ganz besonderem Unterhaltungswert. Einen Unterhaltungswert mit extra fadem Beigeschmack. Man möchte doch meinen, dass die Kirche und ihre Vertreter ein recht exklusives Recht auf das Folterinstrument mit dem gemarterten Heiland hätten. Ist doch besagtes Folterinstrument Identitätsstifter und Anbetungsobjekt von Christenheit und Kirche. Es hängt in jedem Gotteshaus. Als Drohung den einen, als Verheißung den anderen.Wenn jetzt ein Kirchenvertreter die Götzendienerei in profanen Behördenmauern nicht rundweg gelungen finden, dann habe ich dafür ein tiefes Verständnis. Denn weder taugen die tristen Amtsstuben zum Gottesdienst, noch muss jedem Behördengänger die niedere Gesinnung aus dem Maximilianeum vor Augen geführt werden. Das Kreuz dient hier weniger als Symbol der christlichen Prägung Bayerns - wie das Herr Seehofer so vollmundig formuliert - denn als Zeichen der Macht einer Regierung über Staat und Gesellschaft.

Geistige Einschienenbahn

Weil ich mich gerade so wunderbar auf die CSU eingeschossen habe, möchte ich abschließend noch den Herrn Spänle würdigen. Als Bildungsminister hat er vor allem Murks gebaut. Er hat immerhin so unprofessionell gehandelt, dass ihn Söder nicht mehr im Kabinett haben will. Getreu dem Motto "verletzte Tiere sind unberechenbar" geriert er sich neuerdings als Zecke am Bein des Münchner Nahverkehrs.

München will schon seit langer Zeit eine Tram durch den Englischen Garten. Gutachten dazu gibt es bündelweise. Innovative Techniken - Gartentram mit Akkubetrieb - stehen auf dem Prüfstand. Selbst die Bayerische Regierung - und das soll jetzt nicht als Kotau vor Söder oder Seehofer verstanden werden - hat signalisiert, dass sie sich der Idee nicht vollends verschließen möchte.

Jetzt grätscht diese geistige Einschienenbahn auf dem Stuhl des Münchner CSU Vorsitzenden von hinten dazwischen. Kaum in München angekommen, legt Spänle sich ins Zeug, die Stecke durch den Englischen Garten doch noch zu verhindern.Das hat schon seine Richtigkeit, dass die CSU in München lange Zeit nichts zu melden hatte. Großstadtpartei geht anders. Ich bin guter Dinge, dass das der Wähler honoriert und München bald wieder eine komplett CSU-freie Stadtregierung hat.

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