Atomkraft

eine Polemik

19.03.2011

Ich habe mir einiger- und zugegebenermassen ein paar willkürlich gewählte und zufällig gefundene Zahlen rund um die Atomkraft zusammengesammelt.

Da hätten wir einmal den schönen Satz von wegen "Atomkraftwerke sind sicher"

Jetzt nehmen wir mal die 443 aktiven Atomkraftwerke weltweit. Dazu eine durchschnittliche Laufzeit von 21 Jahren.

Hört sich nach wenig an. Liegt aber wohl daran, dass viele Kraftwerke noch recht neu sind. Es wird dabei mit Laufzeiten zwischen 60 und 80 Jahren geplant.

Aber beschränken wir uns mal auf die 21 Jahre. Dabei kommen wir auf gesamt 9303 sogenannte "Reaktorjahre".

Die Schätzungen, wie oft es zu einem GAU kommen kann, gehen weit auseinander.

Pessimisten rechnen mit einem GAU alle 1000 Reaktorjahre. Optimisten erzählen was von 1 Millionen Reaktorjahren. Viele Schätzungen liegen irgendwo dazwischen (10000 oder 33000 Reaktorjahre).

Nach Adam Riese hätten die Pessimisten also jedes Jahr etwa 9 Katastrophen ähnlich Tschernobyl zu erwarten.

Die Optimisten nur etwa alle 100 Jahre.

Die Realität hat beide Lügen gestraft.

Eine kleine Auswahl kleiner Beinahekatastrophen:

  • 1952 Chalk River (Kannada) / partielle Kernschmelze
  • 1957 Kyschtym (UdsSR)
  • 1957 Windscale (Großbritannien)
  • 1973 Windscale (Großbritannien)
  • 1977 Gundremmingen (BRD)
  • 1979 Three Mile Island bei Harrisburg (USA)

Abgerundet vom Super-GAU in Tschernobyl 1986 und der Aussicht auf noch etwas größeres in Fukushima.

Das erste Kernkraftwerk ist 1954 Obninsk (UdsSR) in Betrieb genommen worden.

Somit haben wir also in gerade mal 57 Jahren Atomkraftnutzung wenigstens 8 gravierende Unfälle mit kleineren oder größeren Verstrahlungen oder wenigen bis zu vieltausenden Toten.

Unter Sicher stell ich mir was anderes vor.

Jetzt zu dem Mythos von der billigen Alternative.

Hierbei möchte ich mich auf Deutschland beschränken.

Der Bau von Forschungsreaktoren hat den Steuerzahler bereits 20 Mrd. € gekostet. Gescheiterte Projekte wie WAA-Wackersdorf oder der schnelle Brüter weitere 9. Mrd. €.

Dann hätten wir "sicherheitstechnische Optimierungen" am AKW Biblis A zwischen 1999 und 2005 mit rund 540 Mio. €, also 90 Mio. € pro Jahr.

Macht bei 17 kommerziell genutzten und weiteren 11 Forschungsreaktoren (bei jeweils 21 Reaktorjahren) summa summarum 52.920 Mio. oder knapp 53 Milliarden Euro.

Jetzt nehmen wir noch die geschätzten bisherigen Kosten für Stilllegungen, Rückbau und Sanierung der Lagerstätten von 14,5 Mrd. € und last but not least 3 Mrd. € für Castor-Transporte.

Den Taschenrechner gezückt, weil so große Zahlen passen in keinen Kopf, und wir erhalten die Sagenhafte Summe von 99,5 Milliarden Euro (= 99.500.000.000,- €).

Auf das Reaktorjahr umgelegt also 3,5 Milliarden Euro.

Jetzt zur Gegenrechnung: In Deutschland wurden im Jahr 2010 etwa 620 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugt. 22% durch Atomkraftwerke, das macht etwa 136 TWh.

Davon gehen nochmal 35 TWh weg, soviel verbrauchen die Kraftwerke nämlich selbst. Bleiben also 101 TWH.

Bei 17 produzierenden Kraftwerken kommen also etwa 6 TWh auf ein Kraftwerk.

Nun nehmen wir die Zahlen zusammen: Die Erzeugung von 6 TWh kosten also wenigstens 3,5 Milliarden Euro.

Brechen wir das mal auf den Endverbraucher runter.

6 TWh kosten 3,5 Milliarden, dann kostet die Kilowattstunde (kWh) also 0,58 €.

Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von sagen wir mal 1000 kWh pro Person, kämen wir also auf 580,- € (4 Personen Haushalt entsprechend 2320,- €).

Wer jetzt ähnlich schlecht beraten ist wie ich und mit Nachtspeicheröfen leben muss und daher einen erheblich größeren Stromverbrauch sein Eigen nennt, käme bei einem Verbrauch von knapp 20.000 kWh auf 11.600,- Euro.

Tatsächlich zahle ich dafür allerdings weniger als 3.000,- Euro.

Muss sagen, unter billig stelle ich mir was anderes vor.

Und zuletzt noch ein paar Worte zur sauberen Energie.

Zwar blasen die Kraftwerke kein CO2 in die Atmosphäre, doch haben es die Abfallprodukte ordentlich in sich.

So was wie Endlagerung oder sonst eine sichere Entsorgung ist nach wie vor nicht in Sicht.

Will heißen, nicht nur wir und unsere Kinder müssen uns mit dem Dreck rumärgern, sondern auch noch die eine oder andere spätere Generation.

Und ein Nachsatz ein eigener Sache: Wer gravierende Fehler in den Berechnungen entdeckt, ich bin für jeden Hinweis dankbar.

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