Arbeitskräftelücke: Sauerstoffmangel beeinträchtigt klares Denken

Das gelbe Grab
01.06.2015

Die FAZ schwadroniert darüber, dass eine niedrige Geburtenrate den Standort Deutschland gefährde.

Was haben die denn eingenommen? Irgendwas, das den geistigen Stand der Redakteure gefährdet?

Unter der Überschrift "Kindermangel gefährdet den Standort" beschwört die FAZ im Chor mit windigen Unternehmensberatern das Ende des Wohlstandes, wenn die hiesige Geburtenrate nicht endlich wieder zunimmt.

"Mittlerweile ist Deutschland das Land mit den wenigsten Geburten auf der ganzen Welt"

In den 80ger Jahren entließ uns unser Religionslehrer mit dem frommen Wunsch "Frohe Ostern und bedenkt, es gibt bereits fünf Milliarden Menschen auf der Erde" in die Ferien. Hinter dieser launigen Bemerkung versteckte sich die ernst gemeinte Sorge um den Zustand unserer Welt. Angesichts von Hungerkatastrophen und dem traurigen Zustand der Umwelt war es vermeintlich höchste Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wie viele Menschen dem Planeten gut tun.

Zyniker würden hier behaupten, bereits mehr als ein Mensch wäre der sichere Untergang. Etwas analytischer denkende Zeitgenossen betrachteten mehr die Ressourcenverteilung von Wasser, Lebensmittel und Rohstoffen.

Selbst einfache Gemüter werden es kaum abstreiten können, dass die Weltbevölkerung nicht grenzenlos wachsen kann. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem alle Rohstoffe verbraucht, jeder Liter Wasser ungeniessbar und jedes bisschen Nahrung aufgegessen ist. Gestritten kann darüber werden, wann der Moment gekommen sein wird.

Vor diesem Hintergrund ist das Gejammere über niedrige Geburtenraten absurd, kurzsichtig und rein polemeisch. Einer sich seriös gerierenden Zeitung allemal unwürdig.

"Die höchsten Geburtenraten weisen die afrikanischen Länder auf"

Der Hinweis auf hohe Geburtenraten in Afrika lässt auf eine unangenehm kollonialistische Denke schliessen. Zwar nicht explizit ausgesprochen, so schwingt doch ein "die Neger vermehren sich wie die Karnickel" mit. Sollen sich die gefälligst zusammen reissen, damit wir unsere Bevölkerung guten Gewissens wachsen lassen können.

Sollten sich aus den angesprochenen afrikanischen Staaten potentielle Arbeitskräfte auf den Weg nach hier machen, dann lassen wir sie vornehmlich ertrinken, pferchen sie in Sammellager und Gemeinschaftsunterkünfte und unternehmen noch so einige Anstrengungen, um sie unqualifiziert und fern des Arbeitsmarktes zu halten. 

Arbeitskraft und Baby-Boom, wie Äpfel und Birnen

Die Vermischung von Arbeitskräftemangel und Geburtenrate wird in dem Artikel mit keinem Wort hinterfragt. Vielmehr wird beides krampfhaft und durchsichtig in Relation gesetzt. Dabei werden die wirklichen Probleme verschwiegen.

Unsere Gesellschaft hat in keinster Weise einen Arbeitskräftemangel. Weder heute, noch in absehbarer Zukunft. Unsere Gesellschaft hat vielmehr ein ernsthaftes Problem mit Bildung, Qualifizierung und der Verteilung von Arbeit.

Eigentlich ganz banal: Wenn geunkt wird, dass es nicht genügend Fachkräfte gibt, dann kann das nicht durch mehr Poppen, sondern nur durch mehr Qualifizierung ausgeglichen werden. Es wird wohl niemand ernsthaft behaupten wollen, dass mehr Kinder automatisch auch mehr Ingenieure bedeutet.

"Auch die Erwerbsarbeit der Frauen müsse verstärkt gefördert werden"

Hier finden wir uns in einem ganz eigenartigen Spannungsverhältnis wieder. Auf der einen Seite sollen die Frauen gefälligst gebären, damit die sich lichtenden Reihen auf dem Arbeitsmarkt auch zukünftig geschlossen werden sollen. Auf der anderen Seite sollen die Frauen gefälligst arbeiten, damit sich genannte Reihen nicht schon heute lichten. Also nicht Arbeit und Beruf unter einen Hut bringen, sondern besser während der Arbeit... nein, da möchte ich nicht weiter denken.

Wenigstens die CSU hat dazu eine klare Linie: Frauen weg vom Arbeitsmarkt und zurück in den Haushalt. Dafür wird bekanntlich eine Prämie in Form des Erziehungsgeldes ausgelobt.

Und einen Nachsatz noch:

Ach, ich hab gar nicht so viel Zeit, wie ich bräuchte, um mich über diesen Artikel zu ärgern!

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