Als Person bist Du Google egal

Wovor man bei Google wirklich Angst haben sollte

23.10.2012

Auch wenn die Medien bisweilen ein anderes Bild zeichnen. Google hat an Dir als Individuum keinerlei Interesse. Individuen sind unberechenbar, entziehen sich jeder Statistik und mit ihnen ist kein Geld zu machen.

Womit wir beim nächsten Punkt wären. Google hat es auch nicht auf deinen Geldbeutel abgesehen. Google will Dir nichts verkaufen.

Richtig hingegen ist, dass es Google auf alle Daten abgesehen hat, die irgendwie im Netz verfügbar sind. Und dazu gehören auch die Daten, die Du beim Surfen im Netz erzeugst.

Hier und da wird vom "Großen Bruder"* gemunkelt. Und wirklich, Google hat etwas beängstigendes. Undurchschaubar und scheinbar unkontrollierbar agiert das beinahe allgegenwärtige Unternehmen immer weiter in unser aller Leben hinein.

Versuchen wir nun etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Datensammelleidenschaft von Google stützt sich im Wesentlichen auf drei große Pfeiler: die Suchmaschine, den sogenannten Tracking Code und die Cookies.

Die Suchmaschine

Als Suchmaschine ist Google wohl allen Internetnutzern bekannt. Mithilfe von Searchbots, also automatischer Suchsoftware, durchforstet Google das Internet und katalogisiert alle gefundenen Webseiten. Wenn wir nun einen Suchbegriff bei Google eingeben, dann werden uns die nach Möglichkeit besten Treffer aus diesem Katalog als Ergebnis geliefert. Google merkt sich dabei, was wir gesucht haben, was uns als Ergebnis geliefert wurde und welchen Link wir im Suchergebnis anklicken.

Der Tracking Code

Viele Webseiten, so auch emaz.de, beinhalten den Google Tracking Code. Ein Stück Software, das an Google meldet, wann, wie oft und wie lange die Webseite besucht worden ist. Dem Webseitenbetreiber stehen diese Daten zur Verfügung, so dass er sehen kann, welche Seiten, Themen oder, im Falle eines Shops, welche Produkte besonders oft angeklickt werden.

Die Cookies

Auf dem Rechner des Internetnutzers legt Google Cookies ab. Anhand dieser Cookies kann Google den Nutzer identifizieren, sooft der Nutzer mit der Suchmaschine oder mit einem Tracking Code in Kontakt kommt.

Das kann beispielsweise so aussehen:

Ich suche bei Google nach Waschmaschinen, klicke dann nacheinander die Seiten vom Mediamarkt und dem Waschmaschinendantler ums Eck an. Anschliessend gehe ich auf die Seite der Süddeutschen Zeitung (ohne vorher erneut die Suchmaschinenseite aufzusuchen) und lese das Feuilleton von gestern. Zuletzt durchforste ich noch ein paar Blogs rund um das Thema Linux.

Google weiss jetzt also, da gibt es einen Nutzer, der dreckige Klamotten hat, sich für kulturbeflissen hält und keine Kohle hat, um sich Windows zu leisten.

Was kann nun Google mit dieser Information anfangen? Letztlich nicht recht viel mehr, als mich fortan mit Waschmaschinenwerbung zu versorgen und mir in den Suchergebnissen kulturelle und linuxspezifische Ergebnisse vor Politik und Microsoft zu präsentieren.
Hab ich mir dann eine Waschmaschine gekauft, wovon Google wahrscheinlich nichts mitbekommen hat, wird mir allerdings weiterhin Waschmaschinenwerbung präsentiert.

Ersteres kann mir egal sein, denn auch Google wird es nicht schaffen, einen Trend zur Zweit- oder Drittwaschmaschine zu initiieren.
Zweiteres ist vielleicht sogar in meinem Sinne, weil mich andere Themen wirklich nicht interessieren.
Das zeigt, wie dumm Google letztlich ist. Denn Google hat nicht die geringste Ahnung von mir. Google hält sich stupide an die Informationen, die einmal erhoben worden sind.

So, jetzt hab ich aber Google genug verharmlost, jetzt komme ich zu dem Thema, warum Google doch bedenkenswert, wenn nicht gar gefährlich ist.

Ich bin ja nun nicht der einzige Nutzer, der die Suchmaschine nutzt. Da bin ich in Gesellschaft von Abermillionen. Und Google versucht nun anhand der Abermillionen Suchenden und Surfenden zu ermitteln, was mich vielleicht interessiert.

Jetzt wirds erst einmal nervig. Weil die Mehrheit Windows nutzt, verschwinden meine Linux Themen aus den Suchergebnissen.

Jetzt wird es perfide.

Google vertritt offiziell den durchaus auch nachvollziehbaren Kurs, dem Sucher möglichst genau das zu liefern, was er sucht. Das hört sich geradezu nach einem heheren Ziel an. Nach einer Wohltat an der Gesellschaft.

Hier lohnt jetzt der genauere Blick. Denn Google ist alles andere als ein Wohltäter. Google ist ein knallhart kalkulierendes, gewinnorientiertes Unternehmen.

Eingangs fand Erwähnung, dass Google nicht am Geldbeutel des Suchenden interessiert ist. Vielmehr ist Google am Geld der Werbetreibenden weltweit interessiert. Ganz banal also, Google lebt davon, Werbung zu verkaufen. Ähnlich wie Zeitungen, Radios oder das Privatfernsehen auch.

Nun sind wir endlich an dem Punkt, warum Google so eine immense Datensammelwut an den Tag legt. Je besser der Suchende bedient wird, desto häufiger wird er Google nutzen. Je mehr die Suchmaschine genutzt wird, desto mehr verdient Google durch Werbung.
Ob und wie sehr ich mich durch die googlesche Werbung belästigt fühlt, liegt allein an mir. Ich kann Werbung ignorieren oder kann sie durch verschiedene Techniken ausblenden. Das belastet mich nicht sehr. Da nerven mich die Zwangspausen im Fernsehen um ein vielfaches mehr.

Was ich aber, und jetzt komm ich zum Kern der Sache, wirklich beängstigend finde, ist die unterschwellige Beeinflussung der Suchenden durch Googles Präsentation der Suchergebnisse.
Wie gesagt, hat Google kein Interesse am Individuum. Google hat Interesse an der Masse und liefert damit das, wass die Masse finden möchte.

Waschmaschine

Ein Beispiel: Nehmen wir die bereits erwähnte Waschmaschine.

Die Wahrscheinlichkeit über die Googlesuche auf den Elektrodantler von ums Eck zu treffen, ist sehr gering. Geradezu aussichtslos. Geliefert werden mir Treffer von riesigen Onlinekonzernen wie Amazon, Seiten von Preissuchmaschinen und vielleicht noch, wenn ich Glück hab, Testberichte.

Der Masse der Suchenden kommt dies sicher entgegen. Onlineeinkauf ist einfach, bequem und das vielleicht auch schön billig. Was will man mehr.

Vielleicht will man sich jedoch einfach vom Dantler gut, nett und kompetent beraten lassen. Dabei wissen, an wen man sich wenden kann, wenn die Maschine mal nicht tut, wie sie soll. Und obendrein auch nicht mehr berappen, als bei Amazon.

Relevanz

Google hat den Begriff "Relevanz" für sich entdeckt. Je relevanter ein Suchergebnis ist, umso weiter vorne wird es angezeigt.

Was sich beim ersten hinsehen logisch und für den Suchenden zielführend ausnimmt, verkehrt sich bei genauerer Betrachtung in sein Gegenteil. Denn mit der "Relevanz" ist mitnichten eine objektive Wichtigkeit einer Information gemeint. Vielmehr steckt hinter der googleschen "Relevanz" die Wahrscheinlichkeit, möglichst viele Suchende zu erreichen.

Ein Blick in die News Suche (siehe Screenshot) macht deutlich, was ich meine. Google liefert auffallend viele Ergebnisse von "Die Welt" und "Focus". Doch weder "Focus", noch die Springerpresse sind bekannt dafür, wichtige, bedeutende oder gar objektive Berichterstattung zu pflegen.

Googles einseitige News

Googles einseitige News

Unter dem Deckmantel der "Relevanz" geschieht hier, bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt, tendenziöse Meinungsbildung.

Nun ist es an der Zeit, abschliessende Worte zu finden.

Ich sag mal so: Lasst Euch weder von paranoiden Datenschützern, noch von einem allmächtig scheinendem Gegoogle blenden und auf Nebenkriegsschauplätze abdrängen. Haltet die Augen auf, seid wachsam und hinterfragt Informationen. Egal ob von Google präsentiert oder von offizieller Stelle verlautbart.

*Für jüngere Semester: "Der große Bruder" ist eine allgegenwärtige, und doch ohne eigene Persöhnlichkeit, Figur aus dem Roman 1984 von George Orwell. In der düsteren Zukunftsvision weiss ein undurchschaubarer, allgegenwärtiger Staat genau, was seine Bürgen wann und wo machen.

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Asexuals

Asexuals - 01.09.

Die Asexuals waren... sind eine Hardcore-Punk-Band aus Beaconsfield.

Wikipedia ist zu entnehmen, dass sie von 1983 bis 1997 aktiv waren und dass es sie es seit 2010 wieder sind.

Und irgendwann an einem 01. September zwischen 1983 und 1997 waren sie in der Kulturstation. Hier die Fotos.

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