Agentur für Arbeit

Agentur für Arbeit
06.11.2014

Mein Zusammenkommen mit dem Arbeitsamt - oder im Neusprech Bundesagentur für Arbeit - ist nicht häufig und wird auch keine Lieblingsbeschäftigung.

Die Erlebnisse hingegen pendeln gerne zwischen Erheiterung und Verzweiflung.

Heute: Die Fallstricke der Arbeitslosigkeit.

Wer sich Arbeitssuchend meldet, obwohl er noch eine Arbeit hat, wähnt sich vermeintlich auf der sicheren Seite. Zumal von der Arbeitsagentur eine frühzeitige Arbeitsuchendmeldung angemahnt wird.

Wird der Arbeitssuchende nun gekündigt, dann hat er alles richtig gemacht und hat sofort Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Findet der Arbeitssuchende hingegen selbsttätig eine neue Stelle, verlässt seinen alten Arbeitgeber mittels Aufhebungsvertrag und wird vom neuen Arbeitgeber während der Probezeit entlassen, dann ist er in den Arsch gekniffen. In diesem Fall zählt der Aufhebungsvertrag wie eine Kündigung seitens des Arbeitnehmers und eine dreimonatige Sperrzeit tritt in Kraft.

Meldet man sich hingegen nicht Arbeitsuchend, dann tritt im Falle der Arbeitslosigkeit eine dreiwöchige Sperrzeit wegen nicht rechtzeitiger Arbeitsuchendmeldung in Kraft.

Man könnte auch sagen, die Arbeitsagentur unterstützt den Arbeitslosen erst, wenn er nicht arbeitslos ist.

Zwei Wege aus dem Dilemma:

Formulierungsspielchen

Entweder man lässt sich rechtlich beraten (diesen Service bietet auch die Agentur für Arbeit), welche Kniffe zu beachten sind, damit ein Aufhebungsvertrag nicht nachtäglich als Kündigung ausgelegt werden kann. Da gibt es nämlich eine tricky Formulierung, auf die ein Normalsterblicher nie im Leben kommen würde.

Dabei ist festzuhalten, das der Arbeitgeber eine betriebsbedingte Kündigung androht. Und der Aufhebungsvertrag muss die gesetzliche, bzw. arbeitsvertragliche Küdigungsfrist berücksichtigen. (Quelle)

Interessant hier die Sache mit der Kündigungsfrist. Hab ich doch selbst schon erlebt, dass es durchaus von Vorteil sein kann, die Kündigungsfrist durch einen Aufhebungsvertrag abzukürzen, um eine neue Stelle zu bekommen, die man sonst nicht bekommen würde. Hält man sich also brav an die gesetzlichen Vorgaben steigen also die Chancen auf längere Arbeitslosigkeit um ein vielfaches.

Zu krank zum Arbeiten

Oder es bleibt der Weg zum Arzt. Man kann sich bescheinigen lassen, dass im Falle einer Weiterbeschäftigung gesundheitliche Konsequenzen zu befürchten sind.

Dies wird einem ohne Nachfrage von der Arbeitsagentur empfohlen. Das wirkt ein wenig so, als ob die Gesetzeslage auch vom Amt her als blödsinnig durchschaut wird und durch einen quasi halblegalen Umweg über das Gesundheitswesen umgangen werden soll.

Begriffskunde

Jetzt aber zu einem anderen Thema: Beamtendeutsch. Es ist Jahre, wenn nicht Jahrzehnte her, dass sich Berufe einen klaren Namen geben konnten. Ein Schreiner war ein Schreiner, ein Buchhalter ein Buchhalter.Es gab Ausbildungen zum Schreiner und es gab Ausbildungen zum Buchhalter und die hießen auch so.

In manchen Beschäftigungsfeldern, gerade in solchen die erst in den letzten Jahren entstanden sind, funktionieren diese Begrifflichkeiten nicht mehr. Es entstanden und entstehen Jobs, die erst durch eine genaue (oder ungenaue) Tätigkeitsbeschreibung an Kontur gewinnen. Weil ein Amt jedoch nicht mit Tätigkeitsbeschreibungen, sehr wohl aber mit Berufsbezeichnungen arbeiten will, erfindet das Amt mit einer gewissen Kreativität Berufsbezeichnungen, die nur schwerlich mit tatsächlichen Tätigkeitsbeschreibungen in Einklang zu bringen sind.

Beispielhaft und der Einfachheit halber möchte ich das an meiner Tätigkeit demonstrieren. Hier die Beschreibung:

Entwicklung und Programmierung von Datenbankgestützten Webapplikationen (u.a. Contentmanagementsystemen)
Administrieren von Webservern

Umschreiben würde ich das mit dem Begriff "Webentwicklung". Suche ich nun bei der Arbeitsagentur nach diesem Berufsfeld, lande ich nach einigem Stutzen bei "Entwickler/in Digitale Medien". Sicher, ich finde in der Beschreibung einige Kompetenzen, die in meinem Job von Nöten sind. Jedoch auch einiges, was aus meiner Sicht in ganz andere Berufsfelder gehört. Und einiges, was unbedingt nötig ist, fehlt. Eine passendere Jobbeschreibung ist aus den Tiefen des Systems jedoch nicht aufzuspüren.

Suche ich dann in der agentureigenen Jobbörse nach Jobs, muss ich mich zunächst damit anfreunden, dass hier die Berufsbezeichnung auf "Mediengestalter - Digital- und Printmedien" lautet. Wobei ich nun mit Printmedien gar nichts am Hut habe. Sehe ich mir dann die Stellenangebote durch, dann tummelt sich hier einiges, was irgendwie mit Web, jedoch recht wenig was sich mit der "Berufsbezeichnung" und noch weniger was sich mit meinen tatsächlichen Kompetenzen in Einklang bringen lässt.

Ich seh' schon, da werden mich geholfen.

Augenschmaus

Zum Abschluss ein paar Impressionen über die wohlig anheimelnde Atmosphäre, die einen beim Besuch der Bundesagentur für Arbeit umfangen hält.

Trutzburg

Trutzburg

Filigrane Erkerarchitektur

Filigrane Erkerarchitektur

Freundliche Flure

Freundliche Flure

Einladende Gänge

Einladende Gänge

Wohliger Wartebereich

Wohliger Wartebereich

Schnippische Gestaltung

Schnippische Gestaltung

Designer Fußboden

Designer Fußboden

Das Aushängeschild

Das Aushängeschild

comments powered by Disqus

Chicagoer Schule

Argentinien vor dem Staatsbankrott

Vorsicht Dachlawine

Argentinien steht erneut an der Schwelle zur Pleite.

Vielleicht ist das nur die halbe Wahrheit. Vielleicht sind es ausländische Kräfte, die bemüht sind, Argentinien mit vereinten Anstrengungen in den Ruin zu treiben. Nur um sich selbst zu bereichern.

Vielleicht ist das auch nur ein Vorgeschmack auf das von USA und EU angestrebte Freihandelsabkommen TTIP mit seinen Bemühungen nach überstaatlicher und demokratisch weder legitimierter, noch rechtstaatlich verankerter Gerichtsbarkeit.

A ? B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z