Aemtergaenge

Arbeitsamt

05.09.2012

Die Aufgabenstellung ganz einfach: Einen Antrag auf Existenzgründerzuschuss stellen.

Die Protagonisten: Zwei unerschütterliche Internetschaffende, das Arbeitsamt München und das Arbeitsamt Pasing.

1. Akt: Von Zimmer zu Zimmer

Beeindruckt von der ehrfurchtgebietenden Eingangshalle des Münchner Arbeitsamtes machten wir uns unverdrossen auf den mühevollen Irrweg durch unergründliche Weiten. Trepp auf, Trepp ab. Hier die Gelegenheitsarbeiter, dort die Langzeitarbeitslosen. Vorbei an der Abteilung für Land- und Forstwirtschaft, den weiten Fluren für ehemalige Philosophen und angehende Taxifahrer. Bis uns endlich eine verwaiste Theke mit der Aufschrift "Existenzgründer" das Ende unserer Reise versprach.

Eilig wechselten Personen von einem Zimmer ins nächste, immer bemüht den Eindruck von nichtzuständiger Geschäftigkeit zu vermitteln. Im Zimmer hinter der Theke waren mehrere Personen auszumachen, die unseren fragenden Blicken gekonnt auszuweichen wussten.

So einfach wollten wir uns nicht entmutigen lassen. Die konnten uns gar nicht so lange ignorieren, wie wir warten konnten. Schliesslich gaben sie auf. Wahrscheinlich hatten sie das Strohhalmspiel gespielt und der Verlierer musste sich um unser Anliegen kümmern.

Das Kümmern sah dann in etwa so aus: "Ach, um Existenzgründung handelt es sich. Na dann warten Sie mal, Sie werden aufgerufen." Na geht doch, so dachten wir.

Eine geschlagene Stunde später dachten wir anders. Niemand hat uns aufgerufen. Forsch steuerten wir auf die nächste Tür zu und traten ohne Aufforderung ein.

Bevor die Amtsperson protestieren konnte, wiesen wir sie etwas gereizt darauf hin, dass die Warterei jetzt ein Ende und sie endlich zu Potte zu kommen hätte. Die Person entschuldigte sich vielmals, ihr hätte niemand gesagt, dass Kundschaft zu bedienen sei.

Die Bedienung war dann äusserst knapp: "Sie sind aus Pasing? Dann müssen Sie auch nach Pasing aufs Arbeitsamt. Und Sie unterschreiben hier und warten dann draussen bis Sie wieder aufgerufen werden."

Also wieder warten. Warten darauf, dass ein Bürobote kommt um den unterschriebenen Zettel von einem Zimmer ins andere zu tragen. Warten darauf, dass eine weitere Amtsperson den unterschriebenen Zettel ließt. Warten darauf, aufgerufen zu werden.

Das Lesen des Zettels nahm etwa die Zeit in Anspruch, die man braucht, um die Süddeutsche Zeitung nicht nur zu lesen, sondern auch die wichtigsten Artikel zu diskutieren, auszuschneiden und irgendwo abzuheften. Und zwar die Wochenendausgabe.

Die reguläre Kundschaft des Arbeitsamtes indess kann froh sein, arbeitslos zu sein. Denn wer Arbeit hat, hat nicht die Zeit für diesen diesem Wahnsinn.

2. Akt: Eine Großstadt wächst auseinander

Vorgeschichte: Die einst unabhängige Stadt Pasing ist anno 1938 nach München zwangseingemeindet worden. Man möchte meinen, nach bald 100 Jahren wären sich Münchner und Pasinger näher gekommen. Das stimmt nur bedingt und treibt so manch gar lustige Blüte.

Wie gesagt, wer in Pasing wohnt, hat auch auf das Pasinger Arbeitsamt zu gehen. Das Zimmer-wechsle-dich-Spielchen gehört auch hier zu den guten Gepflogenheiten.

Nachdem unsere beiden Protagonisten, wenn auch mit zeitlich und räumlichen Abstand, beide ihre Anträge in die Mühlen der Verwaltung geworfen hatten, blieb nichts weiter als warten. Man hatte in anderen Zusammenhängen gelernt, dass mutiges Nachfragen selten der Beschleunigung diente.

Das Warten wurde lang. Der Bescheid aus München trudelte ein. Der Bescheid aus Pasing nicht. Weiter warten. Keine Nachricht aus Pasing.

Zuletzt doch beherztes Nachfragen: Wie lange das denn noch dauere? Man würde die Existenz doch gerne gründen, bevor der Existenzgründerzuschuss wieder abgeschafft sei.

Die Antwort, und das ist nicht gelogen: Das dauere seine Zeit. Im Arbeitsamt Pasing könne man da gar nichts machen, der Antrag wäre nach München zur Bearbeitung geschickt worden.

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