Abteilung "Ausgelutschte Sprüche"

25.08.2018

Wer kennt das nicht, einen flotten Spruch irgendwo gelesen oder aufgeschnappt und dann auf passende Gelegenheit gewartet, ihn anzubringen.

Das bedurfte einiges Fingerspitzengefühl und Textsicherheit. Nichts ist peinlicher als eine verpatzte Pointe an falscher Stelle.

Als Kind haben wir oft leidvoll erfahren müssen, dass Erwachsenen dieses Fingerspitzengefühl nicht immer zu eigen war. Die Oma, die bei jedem Familientreffen den immer gleichen Spruch "alle darf's werden, aber reichen muss's" aufsagt. Der Vater, der seinen Schatz vergilbter Filmzitate aus den 50ern auch in den 70ern noch recht hip fand.

Später war es der Kollege, der sein schmales Repertoire vor sich her trug. Oder der stammelnde Stammtischbruder, der seinen Rausch durch klug klingende Zitate aufzuwerten suchte.

Selbst war man natürlich - oft vergebens - bemüht, den gleichen Spruch vor gleichem Publikum kein zweites Mal aufzusagen. Dass einem das nicht immer ausreichend gut gelungen ist, machte sich besonders an dem Spruch "ach Papa, du immer mit deinen alten Sprüchen" bemerkbar. Denn niemand hat ein feineres Gespür für elterliches Gesabbel, als die eigenen Kinder. Zumal sie auch bei unterschiedlichem Zuhörerkreis meist eine Konstante bilden und somit zwangsweise in den Genuss wohlüberlegter Wiederholungen kommen.

Wohl dosierter Einsatz plakativer Redewendungen zeichneten einen eloquenten Gesprächspartner aus. Wer sich jedoch durch unablässiges Wiederholen längst ausgelutschter Gemmen zu profilieren trachtete, wurde schnell als langweilige Anekdotenschleuder gemieden.

Karl Valentin hat dazu - und man möge mir den allzu often Gebrauch der Redewendung verzeihen - beigetragen "es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem".

Heute ist es einfach, Sprüche an den Leser zu bringen. Man muss keinen geeigneten Anlass abpassen, Anlässe drängen sich geradezu auf. Die sozialen Medien sind voll von Gelegenheiten, die nur so nach einem flotten Spruch, einer geistreichen Wendung schreien. Und man mitteilsamer Zeitgenosse nutzt jeder Gelegenheit, seinen Sack gesammelter Weisheiten über seine arg und wehrlosen Zeitgenossen zu leeren.

Kaum eine politische Zumutung kommt ohne ein "ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte" aus. Keine Meme, die nicht durchs Dorf getrieben wird. Und wenn die Flut dann abgeklungen, gräbt ein etwas langsamerer Zeitgenosse alles noch mal aus.

Auch ich bin nicht davor gefeit. In diesem Sinne: "Bleiben sie, wie sie sind. Es bleibt ihnen eh nichts anderes übrig".

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