1984 - Abschreckung oder Anleitung?

28.01.2017

Seit früher Jugend war für mich das Buch 1984 von George Orwell Inbegriff einer entfesselten Staatsmacht.

Einer Macht, aus der es kein Entrinnen gibt. Ein unnahbar, unerreichbar und unkontrollierbarer Staatsapparat steuert das Leben nach eigenem Gutdünken.

Neben der totalen Überwachung, die weder zu Orwells, noch zu meinen Jugendzeiten denkbar schienen, blieb bei mir besonders die Manipulation des Geistes durch Sprach- und Informationshoheit hängen.

Überwachung

Die totale Überwachung haben wir bald erreicht. Die notwendige Technik ist vorhanden, der politische Wille dazu präsent wie selten.
Ich denke dabei weniger an die freiwillige Preisgabe von persönlichen Informationen an Facebook oder Google. Hier kann jeder einzelne gegensteuern.
Ich denke mehr an die Überwachung, der man sich nicht entziehen kann.
Die fiskalische Kontrolle durch Kontozwang und Schufa.
Die Institutionen- und Behördenvernetzung, die hinkt, wenn es Service geht, aber funktioniert, wie geschmiert, wenn es um die Gängelung des einzelnen geht.
Die Pläne gewisser Kreise die Videoüberwachung des öffentlichen Raumes auszuweiten.
Das Verlangen nach mehr Präsenz der Staatsmacht auf der Straße.

Der Staat beobachtet uns, stechen wir ihm die Augen aus!

Der Staat beobachtet uns, stechen wir ihm die Augen aus!

Sprache

Die Hoheit über die Sprache ist eine Wichtige. Und hier wird gekämpft und gestritten, gezogen und gezerrt. Von allen Seiten.

Politisch korrekt

Die politische Korrektheit in der Sprache hat sich von einem gut gemeinten Ansatz zu einem allgemeinen Ärgernis entwickelt.
Nigger, Neger, Schwarzer, Farbiger, Mensch afrikanischer Herkunft, Maximalpigmentierter oder einfach irgendwie gar nicht bezeichnen. Weil äußere Kennzeichen irrelevant sind.
man, Mann, Frau, Fräulein, und wie möchten sie angesprochen werden? Muss ich die Binnenmajuskel extra betonen? Oder hört sich "Majuskel" schon zu sehr nach "Maskulin" an?
Darf ich Begriffe meiner Kindheit heute noch benutzen? Hat sich mit der Umbenennung diskriminierenden Bezeichnungen für die Betroffenen jemals etwas zum Besseren gewendet?
Wie oft ist es zu beobachten, dass kurz nachdem ein diskriminierender Begriff durch einen vermeintlich neutralen ersetzt worden ist, just der neue Begriff ebenfalls zur Diskriminierung taugt?
In den 1980er Jahren suchten Asylanten bei uns Schutz. Später waren es dann Flüchtlinge. Heute mögen sie gerne Refugees genannt werden. Hat sich in der Zwischenzeit etwas an den Fluchtursachen geändert? Hat sich etwas an der Situation der Flüchtenden gebessert?
"Ich kriege" soll man nicht sagen. Besser "Ich bekomme". Denn "kriege" kommt von "Krieg" und ist so aggressiv. So wurde es auf einem Seminar erklärt. Nicht erklärt wurde, wie die Welt friedlicher werde, wenn kein Mensch mehr "Ich kriege" sagt und wir dafür Krieg bekommen.
Vielmehr sorgt die politisch korrekte Ausgestaltung des einen dafür, dass er von vielen anderen nicht mehr verstanden wird. Dass sofort klar wird, welcher politischen oder gesellschaftlichen Strömung sich der Sprechende zugehörig fühlt. Dass auf Nebenkriegsschauplätzen verbittert um die Hoheit gekämpft wird, während sich an den realen Problemen nichts ändert.

Sprachlich korrekt

Wer kennst sie nicht, die Grammatikpolizei. Gelegentlich hefte auch ich mir den sprachlichen Scheriffstern an die Brust. Gelegentlich verursacht auch mir falsch angewandte Sprache seelische Pein.
Gerne wird dem Wort oktroyiert das Beiwort "auf" oktroyiert. Und das so penetrant, dass sich selbst der Duden zwischenzeitlich den Begriff "aufoktroyiert" hat aufoktroyieren lassen.
Viele Menschen heutzutage meinen, sie könnten "Sinn machen". So ähnlich wie A-a-machen. Das ist so falsch, dass sich mir die Fußnägel einrollen und doch werde ich mich zähneknirschend damit abfinden müssen.
Die falsche Verwendung von als und wie ist ein beliebtes Ziel der Grammatikpolizei. Da kann sie auftrumpfen. Zumal sie einer Erklärung gern schuldig bleibt oder diese falsch anbringt.
Letztlich ist Sprache zur Verständigung gedacht. Und verständigen können wir uns ganz prima, ohne dass sich hinter jedem Satz der Deutschlehrer mit dem Rohrstock in der Hand aufbaut.

Inhaltlich korrekt

In Politik und Presse gibt es Sprachregelungen, die nicht immer zur Klarheit beitragen. Meist mit einem sehr klaren Interesse im Hintergrund.
Wenn etwa die Politik von einer schwierigen Sicherheitslage statt von einem Krieg spricht, dann versucht sie die Öffentlichkeit angesichts einer Katastrophe in Watte zu packen. Ist ja kein Krieg, da können wir schon Hilfskräfte hinschicken. Also nicht so Hilfskräfte wir das THW oder Mediziner. Mehr so handfeste Hilfskräfte mit Feuer und Schwert, die auch mal anders zupacken können.
Oftmals übernimmt die Presse die Sprachregelungen aus der Politik. Um die Politik nicht zu verärgern? Um aktiv Informationen zu verwässern? Dabei leistet sie sich dabei einen Bärendienst. Sie verliert an Glaubwürdigkeit und stellt sich damit selbst ins Abseits.

Information

Vor wenigen Jahren bestand die große Hoffnung, dass sich die weltweite Entwicklung dank des Internets rasch in eine nachhaltige Richtung drehen würde, die Natur, Umwelt und dem Menschen gleichwohl zu einer besseren Zukunft verhelfen würde. Es müsse nur Information in jeden noch so hinteren Winkel getragen werden.
Heute ist die beschworene Information Realität und für jedermensch jederzeit verfügbar... und für jeden filter- und manipulierbar.
Orwell nannte es "Neusprech", wenn eine Anhebung des Schokoladepreises als Verbilligung verkauft wurde. Heute heißt es "alternative Fakten" wenn sich eine Regierung mit der Realität nicht befassen will.
Mehr oder weniger gut recherchierten Beiträgen in Presse und Rundfunk wird immer öfter weniger Glauben geschenkt, als gar nicht recherchierten Verlautbarungen oder direkten Lügen in "alternativen Medien".

Fazit

Das Buch 1984 zeigt seit Generationen eine tiefe Spaltung der Gesellschaft - und nicht nur der Gesellschaft in Deutschland - auf.
Die eine Hälfte zeigt sich tief besorgt, angesichts der immer weiter um sich greifenden Beschneidung der individuellen, wie der öffentlichen Freiheit. Für die ist das Bucht Mahnung und Abschreckung vor einer ausufernden Law-and-Order Mentalität.
Die andere Hälfte sieht das Buch mehr als Handlungsanleitung. Immer in der Hoffnung im Zweifelsfall auf der richtigen Seite der Kamera zu sitzen.

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Rechtsstaat

Steuer CD

Rohlinge

Gar vielseitig sind die Bemühungen aus der Politik, Steuerhinterziehung zu verschleiern und nicht zu verfolgen. Besonder hervor tut siech hier - und das wird niemanden wundern - die FDP.

Gelegentlich geht ein Aufschrei durch Presse und Bevölkerung. Nämlich dann, wenn es darum geht, ob die berüchtigten Steuer-CDs aus den Steueroasen angekauft werden dürfen oder nicht.

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